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Stralsund 50 Schwäne bei Stralsund getötet — Jäger in der Kritik
Vorpommern Stralsund 50 Schwäne bei Stralsund getötet — Jäger in der Kritik
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00:00 01.12.2015
Die Jäger posieren mit den erlegten Schwänen. Quelle: privat
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Klausdorf

Jäger haben auf einem Feld in Klausdorf nahe Stralsund mehr als 50 Schwäne geschossen. Tierfreunde und Einwohner des Ortes sind empört. Bürgermeister Thomas Reichenbach (CDU) spricht von einem Skandal. „So etwas hat es bisher bei uns nicht gegeben. Das ist eine neue Dimension, die nicht hinzunehmen ist“, so das Gemeindeoberhaupt. Er lasse über das zuständige Amt Altenpleen eine Anzeige prüfen. „Ich bin sauer. Wir befinden uns hier an der Grenze zum Nationalpark“, sagt Reichenbach.

Als er am Sonntag früh die Schüsse hörte, dachte der Bürgermeister, dass die Jäger auf Wildschweine gingen. Anwohner alarmierten die Polizei. Beamte kontrollierten die Papiere der sechs Jäger. „Weil alles in Ordnung war, sind die Kollegen wieder abgerückt. Schwäne dürfen gejagt werden“, sagt Polizeisprecherin Antje Unger. Dennoch sind viele Bürger verärgert. Zwar wisse sie um die Jagderlaubnis, so eine Anwohnerin, die nicht genannt werden möchte: „Aber doch nicht in der Zahl und dann noch am ersten Advent. Das haben sicher auch viele Kinder gesehen, denn neben dem Feld befindet sich ein Wohngebiet, in dem junge Familien leben.“

Fast fünf Stunden seien die Jäger im Einsatz gewesen. Danach bot sich ein blutiger Anblick — überall Kadaver. Für Kreisjägermeister Holger Nebel ist das Verhalten seiner Kollegen nicht verwerflich.

„Es wurden keine gesetzlichen Vorgaben verletzt.“ Nebel verweist auf den Schaden, den die Tiere auf einem Feld anrichten können. „Wenn bis zu 500 Exemplare an einem Ort sind, trampeln sie großflächig die Pflanzen herunter.“ Das bestätigt auch Landwirt Deert Rieve, auf dessen Besitz die Vögel geschossen wurden. „Dort wächst dann keine Pflanze mehr.“ Er betont, dass er die Jäger nicht gerufen habe.

Jagd ohne Notwendigkeit — so urteilt BUND-Landesgeschäftsführerin Corinna Cwielag. Zudem würden „im Rastgebiet an der Grenze zum Nationalpark auch andere Arten gestört“, kritisiert die Umweltschützerin. Rainer Pirzkall vom Landesjagdverband nennt das Vorgehen der Kollegen zumindest „nicht alltäglich“: „Die Tiere können zwar erheblichen Schaden anrichten. Aber diese Größenordnung ist nicht üblich. Wenn die Bevölkerung nicht über das Vorgehen informiert wird, ist das unsensibel.“ Und: Die Tiere wurden einfach vergraben, nicht einmal ihr Fleisch für den Verzehr genutzt.

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Schwäne stehen auf der Liste der bejagbaren Vögel
Laut Bundesjagdschutzgesetz gehört der Höckerschwan (Cygnus olor) zu den Vögeln, die außerhalb bestimmter Schonzeiten in Deutschland gejagt werden dürfen. Auf dieser Liste stehen beim Federwild auch Fasan, Blässgans, Graugans, Kanadagans, Ringelgans, Saatgans, Stock-, Tafel- und Trauerente sowie Lach-, Silber- und Sturmmöwe, Ringeltaube und Türkentaube.



Reik Anton

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