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Stralsund Traditionssegler: Das ist die „Vorpommern“ und ihre Crew
Vorpommern Stralsund Traditionssegler: Das ist die „Vorpommern“ und ihre Crew
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11:14 05.08.2019
Die Vorpommern legt im Stralsunder Hafen an. Quelle: Christian Rödel
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Stralsund

In dieser Besetzung ist es vielleicht einer der letzten Besuche der „Vorpommern“ auf dem Stralsunder Seglarträff. „Per Gesetz könnte es dazu kommen, dass jeder aus der Crew ein Gesundheitszeugnis ablegen muss“, sagt Kapitän Lothar Knöpke. In seinem fünfköpfigen Team ist der 79-Jähriger Greifswalder der Älteste. Alle anderen sind mindestens 67 Jahre alt – und damit längst Ruheständler. „Wenn wir für unser Hobby eine Erlaubnis vom Arzt brauchen, dann ist es aus“, sagt Knöpke, der den Stralsunder Kutter Anfang der 90ger wieder flott gemacht hat. Kapitän Knöpke sortiert die Seekarten in seiner Kajüte. Hier arbeitet er meistens und steckt den Kurs ab. Das Steuer überlässt er auf der Ostsee seinem Stellvertreter Ulrich Sidorf.

Neun Traditionsschiffe machen Halt in Stralsund

Bei komplizierten Passagen übernimmt Knöpke selbst. „Als Kapitän trage ich die Verantwortung“, sagt er. Am frühen Donnerstagnachmittag passiert der Gaffelschoner aus dem Greifswalder Museumshafen als eines der ersten der neun Traditionsschiffe, die Halt in Stralsund machen, den Ziegelgraben. „Wir durften die Segler bei der Durchfahrt anführen“, sagt Knöpke. „Das ist ein schöner Moment. Hier ist die Passage entspannt.“ Problematischer sei die Klappbrücke in Wieck bei Greifswald. Dort sei erst vor kurzem ein Segler hängen geblieben. Davon hat Knöpke ein Video auf dem Handy.

Vorpommern“ wurde auf dem Dänholm gebaut

Kurz vor 16 Uhr liegt die Vorpommern, deren Eigner das Sozialwerk Vorpommern ist, an der Steinernen Fischbrücke. Die Crew wird von Schaulustigen empfangen. Sie wollen das Stralsunder Schiff sehen. Denn ursprünglich war die „Vorpommern“ ein Fischkutter, der 1950 auf der C & H. Bladt Werft in Stralsund auf dem Dänholm gebaut wurde. „Alle kleinen Werften der Ostseeküste mussten damals Fischkutter bauen“, so Knöpke. Die Maße waren vorgegeben: 17 Meter lang, fünf Meter breit. Anfangs hieß das Schiff noch „Barhöft“ und war dem damaligen Fischkombinat Sassnitz unterstellt. „Es hatte mehrere Einsatzorte. Die erste Station war Sassnitz. Später war es in Wolgast, Ueckermünde und Lassan“, erzählt Knöpke.

„Wo damals Hering gelagert wurde, schlafen heute die Männer.“

Bis zur Außerdienststellung 1988 befuhr es Ost- und Nordsee. Von 1992 bis 1996 wurde der Kutter zum Segelschiff umgebaut. „Wo damals Hering und Dorsch gelagert wurden, schlafen heute die Männer“, sagt Karin Schriffert (67) aus Greifswald. Außerdem befinden sich dort unter Deck: Schwimmwesten, eine Küche, Kaffeekannen und viele Gläser und Getränke für die Mitsegler. „25 Gäste können wir aufnehmen“, sagt Schriffert. „Erwachsene bekommen einen Sekt, Kinder Saft.“ Die 67-Jährige selbst schläft vorn im Boot, neben einem Außenbordmotor – und den Bierreserven der Crew. „Jeder Platz muss genutzt werden“, erklärt Schriffert.

Die „Vorpommern“ ist einer der neun Traditionssegler, die zum Seglarträff im Hafen Halt machen. Der Greifswalder Gaffelschoner hat seinen Urspung in Stralsund.

Unter Deck wird Suppe gekocht

Dass die „Vorpommern“ ein Fischkutter war, sieht nur der Profi. „Übrig blieb nur der Rumpf“, sagt Knöpke. 1991 hatte er den Verein „Sozialarbeit in Vorpommern“ gegründet und darüber das Schiff gekauft – für rund 15 000 Mark. Eine teure aber gute Investition. „Damals wuchs Gras auf dem Deck“, sagt Knöpke, der zu der Zeit beim Jugendamt tätig war. „Der Kutter war ein Wrack.“ Bis 1996 dauerte der Neuaufbau. Es folgte die Taufe auf den heutigen Namen. „Weil wir in Vorpommern leben und ich junge Menschen aus der Region für das Segeln begeistern will“, sagt Knöpke. Durchschnittlich fährt der Schoner rund 6 Knoten (11 km/h). „Wir haben aber auch schon 8,7 Knoten geschafft“, sagt Hans-Jürgen Dill (67) aus Sarnow beim Anklam. Mit Schriffert und Siegfried Käling zählt er zu den „Decksleuten“. Während Käling die Lotsenleiter schick macht, kümmern sich Dill und Schriffert an Deck um den Abwasch. „Muss auch jemand machen“, sagt Schriffert und lacht. „Dank unserer Küche können wir an Bord sogar mit Gästen kochen. Meist gibt es Suppe.“

Kleine Toilette, keine Dusche

Bei mehreren Tagen auf Schiff muss sich die Crew einschränken. Zwar gibt es eine Toilette an Bord – aber keine Dusche. „Wir machen uns in den Häfen frisch“, sagt Knöpke. „In den meisten geht das gut. Nur in Stralsund sind die Duschen weiter weg.“ Sein Wunsch wäre ein Waschcontainer an der Fischbrücke. „So könnte man den Seglarträff für uns noch besser machen.“

Beliebt bei Langfingern: Die Schiffsglocke

Sonst schläft der 79-Jährige gern im Stralsunder Hafen. „Ich höre in meiner Kajüte alles, was auf Deck oder um die ’Vorpommern’ rum passiert“, sagt er. Trotzdem wurde bereits die Schiffsglocke geklaut – mit der Vorpommer-Gravur. „Da war ich nicht an Bord“, sagt Knöpke. „Wir haben eine Neue. Aber die polieren wir nicht mehr. Sonst ist sie wieder weg.“

Heimat der „Vorpommern“ ist Greifswald

Der Heimathafen der „Vorpommern“ ist Greifswald. Der Gaffelschoner liegt dort im Museumshafen. 150 Quadratmeter Segelfläche hat die „Vorpommern“, obwohl sie eigentlich 190 Quadratmeter vertragen könnte. Es wurde kleiner konstruiert, damit auch Kinder das Segel setzen können. Das Schiff misst 17,65 Meter Länge, mit dem Klüverbaum sogar 21 Meter. Es ist 5,65 Meter breit.Der Gaffelschoner ist von Frühjahr bis Herbst zumeist in der Ostsee unterwegs und steuert Häfen wie Sassnitz oder Lauterbach an. Die weiteste Fahrt führte die Crew bis nach Gotland, einer Insel Schwedens. Des Weiteren nimmt die Besatzung mit der „Vorpommern“ bereits zum sechsten Mal am Stralsunder Säglarträff teil und war mehrere Male bei der Rostocker Hanse Sail.

Dann legt die „Vorpommern“ ab: 11 Uhr und 16.30 Uhr am Sonnabend. Am Sonntag: 10 Uhr, 14 Uhr und 17.30 Uhr.

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Kay Steinke

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