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Stralsund Abgeordnete streiten um Alte Schule in Negast
Vorpommern Stralsund Abgeordnete streiten um Alte Schule in Negast
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12:55 15.05.2019
Die Alte Schule in Negast soll nach dem Beschluss der Gemeindevertretung am Montagabend nun abgerissen werden. Quelle: Ines Sommer
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Steinhagen

Gemütliche Runde in der letzten Gemeindevertersitzung dieser Legislaturperiode? Weit gefehlt. In Steinhagen wird bis zum Abschied gestritten, diesmal um eins der ältesten Gebäude in Negast – die Alte Schule. Sanierung oder Abriss des Denkmals und anschließender Neubau an gleicher Stelle, das ist die Frage, die die Abgeordnetenrunde seit Wochen spaltet. Während die CDU-Fraktion um Bürgermeister Dietmar Eifler auf die Neubau-Variante setzt, bleibt die Opposition von Bürgerrat und Wählergemeinschaft skeptisch.

Alte Schule ist stark sanierungsbedürftig

Dass mit der Alten Schule etwas passieren muss, darüber war man sich in Steinhagen schon 2006 im Klaren. Deshalb gehörte die Sanierung des Gebäudes als dritter Bauabschnitt zum Riesenprojekt „Gestaltung des Dorfzentrums in Negast“. Aushängeschild dieses B-Plans war die Uwe-Brauns-Halle. „Wir hatten damals für alle drei Bauabschnitte eine Baugenehmigung, aber für die Sanierung der Schule reichte unsere finanzielle Kraft nicht mehr. Inzwischen ist die Baugenehmigung hinfällig“, erklärte Bürgermeister Dietmar Eifler am Montagabend.

„Vor zwei Jahren bekamen wir Fördermittel in Aussicht gestellt, also wollten wir nun den dritten Bauabschnitt realisieren“, so der Bürgermeister und fügt an, dass man über zwei Fördertöpfe, nämlich Leader und Integration im ländlichen Raum, versuche, an Geld zu kommen.

Bauen nur mit Förderung

Im Zuge des bisherigen Verfahrens ergaben sich allein für die Alte Schule (ohne den Anbau aus den 50er-Jahren und ohne den Klassenraum, der in den 90er-Jahren angefügt wurde) nach Aussagen des beauftragten Büros Kosten von über einer Million Euro. Eifler betonte, dass es seine Pflicht sei, auch Alternativen zu prüfen. So kam eine Abriss-Neubau-Variante ins Spiel. Geschätzte Kosten 860 000 Euro.

Mal abgesehen davon, dass die Alte Schule in Negast unter Denkmalschutz steht und die zuständige Behörde beim Landkreis dem Abriss noch nicht zugestimmt hat, macht die CDU mächtig Druck, um den Neubau voranzutreiben. Eifler erklärt das so: Um aus dem Leader-Topf noch Förderung abzugreifen, müsste der Antrag bis August vorliegen. Kaum zu halten wegen des Wahlprozederes, befürchtet er. Deshalb wollte er einen Grundsatzbeschluss noch vor der Wahl.

Abgeordnete haben Problem mit Kostenschätzung

Zwei Probleme taten sich dann in der Debatte auf: Erstens hatten einige Abgeordnete, unter anderem Wolfgang Lohse vom Bürgerrat, ein Problem damit, in der letzten Sitzung noch so eine weitreichende Entscheidung zu treffen. „Außerdem haben wir bereits im Sommer 2018 einen Grundsatzbeschluss gefasst, und der besagt, dass wir die Alte Schule sanieren wollen.“

Problem 2: Einige Gemeindevertreter vertrauen den Kostenschätzungen nicht. Ihre Befürchtung: Die Sanierungskosten wurden hoch- und die Neubaukosten runtergerechnet. Und das ohne Vergleichbarkeit.

„Ich bin nicht gegen ein Neubau, ich will nur das Beste für die Gemeinde. Aber die uns vorgelegten Kostenschätzungen sind für mich nicht reell“, sagte Roland Schmidt. Auch Michael Masson-Wawer (Wählergemeinschaft) sind noch Fragen offen. „Ich bin nicht für oder gegen etwas, ich will konkrete Zahlen, damit ich das entscheiden kann.“

Ludwig Wetenkamp (Bürgerrat) kritisierte zunächst den schlechten Informationsfluss, zum Beispiel zwischen Bauausschuss und allen anderen Gemeindevertretern. „Die Kosten für die Außenanlagen und eine höhere Ausstattung mit 50 000 Euro sind in der neubau-Variante nicht mit drin. Deshalb kann ich die rund 860 000 Euro nicht glauben. Was machen wir denn, wenn die Kosten viel, viel höher sind.... Also ich hab da Bauchschmerzen.“

Finanzierung noch 2019?

Dietmar Eifler betonte, dass man bei keinem Bauvorhaben vorher ganz genau wisse, wie sich die Kosten wirklich entwickeln. Er sehe aber gute Chancen, die Finanzierung 2019 hinzubekommen. „Und ohne Fördermittel können wir so was nicht stemmen“, sagte er. Rückendeckung vom CDU-Kollegen und Bauausschussvorsitzenden Klaus Barnekow: „Ich kann die Einwände verstehen. Ich bin alter Negaster, bin selbst dort zur Schule gegangen. Aber wenn die Kosten aus dem Ruder laufen, muss man das Gehirn einschalten. Und noch etwas: Bei einer bleiben die anderen Gebäude bestehen, das ist dann ein einziger Flickenteppich.“

Ulrike Nitsche, einst Architektin und mit der Uwe-Brauns-Halle befasst, heute als sachkundige Einwohnerin im Bauausschuss, brachte das Kosten-Problem noch einmal kurz und knackig auf den Punkt: „Auf der einen Seite, nämlich für die Sanierung, haben wir genaue Kostengruppen. Für den Neubau gibt es hingegen eine Schätzung nach kubikmeterumbautem Raum und Bruttogeschossfläche. Das ist eine ganz übliche Art, um Kosten zu ermitteln. Aber: Beides ist nicht vergleichbar.“ Masson-Wawer schob ein, dass dies kein Vorwurf an den Planer sei. „Der hatte ja nicht den Neubau-Auftrag, sondern setzte sich zunächst mit der Planung für eine Sanierung auseinander.“

Um erst einmal anzufangen und die Förderung nicht zu gefährden, plädierte Michael Masson-Wawer dafür, zunächst nur die Leistungsphasen 1 bis 4, also bis zur Genehmigungsplanung, auszuschreiben. Ein Kompromiss, mit dem die CDU nicht leben wollte. Ihre Mehrheit plus die Stimme vom SPD-Mann reichten, um den Antrag mit 7:5 abzulehnen. Ähnlich dann die Abstimmung zum eigentlichen Grundsatzbeschluss. Auch hier nutzte die CDU ihre Mehrheit, um die Weichen für die Abriss-Neubau-Variante zu stellen.

Ines Sommer

Joachim Venghaus ist neuer Vormann bei den Seenotrettern in Stralsund. Im „wahren Leben“ ist er Professor an der Hochschule Stralsund und freut sich auf seine neue ehrenamtliche Aufgabe.

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