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Stralsund Verkrauteter Trebelkanal verärgert Anwohner
Vorpommern Stralsund Verkrauteter Trebelkanal verärgert Anwohner
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13:52 05.10.2019
Angelika Teetz am Ufer des Trebelkanals bei Tribsees. Hinter ihr sind die Krautteppiche zu sehen, die bis an die Wasseroberfläche des Kanals reichen. Quelle: Jörg Mattern
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Tribsees

Grüne Wasserpflanzenteppiche haben sich im Trebelkanal bis an die Wasseroberfläche ausgebreitet. „Bootfahren ist hier schon lange nicht mehr möglich“, sagt Angelika Teetz, die in dem Naherholungsgebiet am Kanal mit ihrem Mann einen Bungalow bewohnt. Sie und ihre Nachbarn sind äußerst verärgert. 30 Parzellen sind mehr oder weniger von der Verkrautung des Kanals betroffen. „Früher wurde hier wenigstens einmal im Jahr gekrautet. Doch dieses Jahr ist alles anders und nichts ist passiert“, schimpft die Vorsitzende des Vereins „Naherholung Trebeltal“.

SPD-Kreistagsfraktion schaute vor Ort nach

Dirk Siems vom Landesanglerverband ist ebenfalls nicht glücklich mit dem Zustand: „Hier handelt es sich schließlich um ein verpachtetes Angelgewässer. Doch zwischen den dicht stehenden Wasserpflanzen ist das Angeln so gut wie nicht möglich.“ Angelika Teetz und Dirk Siems waren Teilnehmer einer Vor-Ort-Begehung, zu der die SPD-Kreistagsfraktion eingeladen hatte und für die sich auch Tribsees Bürgermeister Bernhard Zieris (FWG) interessierte.

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Studie prüft Durchgängigkeit der Trebel für Fische

Der Ärger hat eine Vorgeschichte. Anfang 2018 hatte es zu dem Thema schon mal eine Gesprächsrunde mit Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) im Tribseeser Rathaus gegeben. Der Minister hatte dabei eine Studie angeregt, die die Auswirkungen der Verkrautung auf den Fischbestand in der Trebel untersuchen sollte. Die Inhalte der Untersuchung und deren Durchführung wurden mit dem Landesanglerverband abgestimmt. Titel der Studie: Untersuchung zur Durchgängigkeit der Trebel für Fische im Bereich des renaturierten Altlaufes.

StALU stimmt Umsetzung der Studie ab

Wie Matthias Wolters, Amtsleiter des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu) Vorpommern bestätigt, hat sein Amt im November 2018 die Gewässerbiologische Station Kratzeburg GmbH mit der Umsetzung der Untersuchungen beauftragt. In einer Projekt-Anlaufberatung im März dieses Jahres war mit dem Auftragnehmer und dem Landesanglerverband die zeitliche Durchführung dreier Befischungen zur Feststellung des Fischbestandes besprochen worden. Zwei davon wurden im April und im Juni durchgeführt.

Die Trebel wird gekrautet – der Kanal nicht

Zur dritten Befischung, die für September geplant war, ist es nicht mehr gekommen. Diese wurde auf das nächste Jahr verschoben. Laut Wolters hatten Kontrollen gezeigt, dass der Biomasseaufwuchs eine Krautung der Trebel notwendig machte, um einen Durchfluss des Wassers im renaturierten Abschnitt von 1,5 m³/s halten zu können. Die Arbeiten dazu begannen in Abstimmung mit der unteren Naturschutzbehörde Mitte Juni.

Niedriger Wasserstand verhindert die Krautung des Kanals

Im Trebelkanal hatte sich bis dahin in Sachen Krautung noch nichts getan. Offenbar verunsicherten dann auch Gerüchte die Anwohner, wonach nicht gekrautet werden sollte, um die Untersuchungsergebnisse der Studie nicht zu gefährden. Das lässt Matthias Wolters so nicht gelten: „Durch die langanhaltende Trockenheit und die geringen Niederschläge in diesem Jahr war es aufgrund des geringen Wasserstands nicht möglich, den Kanal zu krauten.“ Aus technologischer Sicht wäre ein Großteil der Biomasse bei der Krautung im Gewässer geblieben. Im Trebelkanal wird üblicherweise einmal jährlich eine Stromstrichkrautung mit einem Boot durchgeführt. Für das Stalu besteht kein hydraulisches Erfordernis, darüber hinaus zu krauten.

Dichter Krautteppich schreckt Wasserwanderer ab

Die ausgesetzte Krautung des Kanals wird derzeit gerade vorgenommen. Für Angelika Teetz und ihre Vereinsmitglieder kommt das zu spät. „Nicht nur für uns. Hier kamen den Sommer über immer wieder Wasserwanderer an, die vom Kanal aus die Trebel erkunden wollten. Nahezu alle haben ihre Boote gar nicht erst ins Wasser gesetzt, als sie den dichten Pflanzenteppich gesehen haben“, sagt die Vereinsvorsitzende und schiebt nach: „Das fördert nicht gerade den Tourismus, den Tribsees so gut gebrauchen könnte.“

Die SPD-Kreistagsfraktion hat sich inzwischen des Themas angenommen. „Wir wollen uns mit einem Brief an Till Backhaus wenden, um auf das Thema noch einmal aufmerksam zu machen“, sagt Sprecher Thomas Ebeling.

Verein besteht auf rechtzeitigen Absprachen für das nächste Jahr

Angelika Teetz indes will noch bis Jahresende alles daransetzen, dass so eine Situation wie in diesem Sommer im nächsten Jahr gar nicht erst entsteht. „Wir wollen uns mit unserem Kreistagsmitglied Sylvia Schiefler (SPD) und Bürgermeister Zieris zusammensetzen und gemeinsam darauf hinwirken, dass im nächsten Frühjahr der Kanal rechtzeitig gekrautet wird.

Bürgermeister setzt auf Tourismus

Der Tribseeser Bürgermeister möchte zu diesem Gespräch gerne noch das Stalu mit dabeihaben. Er setzt nicht nur auf die bislang gute Zusammenarbeit mit dem Amt. „Wir können nur miteinander reden und gemeinsam die Probleme lösen“, sagt Bernhard Zieris. Für ihn ist es wichtig, dass der Trebelkanal im nächsten Jahr rechtzeitig gekrautet wird. „Wir sind dabei, unseren Wasserwanderrastplatz zu reaktivieren, und die Wasserwanderer müssen eine echte Chance haben, diese auch nutzen zu können“, betont er und verweist darauf, dass der Trebelkanal für ihn dabei eine wichtige Rolle spielt.

Ein nicht zu Ende gebauter Kanal

Der Trebelkanal bei Tribsees ist das Überbleibsel einer zu DDR-Zeiten geplanten, aber nie fertiggestellten Wasserstraße.

Der seit 1957erbaute Rostocker Überseehafen sollte über einen Recknitz-Trebel-Peene-Kanal an das Binnenschifffahrtsnetz angeschlossen werden. Die Planungen für diese Wasserstraße liefen fast gleichzeitig an.

Jugendliche aus der Region um Stralsund herum begannen 1958 mit dem Bau der ersten Kanalkilometer entlang der Trebel. Das Vorhaben war ursprünglich als eines der zentralen Jugendobjekte der DDR geplant.

Im Jahr 1960 wurde das Projekt eingestellt. Die Kosten der Umsetzung überstiegen die ursprünglichen Schätzungen. Immerhin waren zu dem Zeitpunkt vom Trebelkanal bis Bassendorf etwa 15 Kilometer fertiggestellt.

Von Jörg Mattern

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