Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Stralsund „Identitäre Bewegung“ provoziert mit Plakaten in Stralsund
Vorpommern Stralsund „Identitäre Bewegung“ provoziert mit Plakaten in Stralsund
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
09:34 16.01.2019
Am Montagmorgen hatte eine Mitarbeiterin der Partei den Vorfall entdeckt. Nun ermittelt der Staatsschutz. Quelle: Carsten Schönebeck
Anzeige
Stralsund

Bundesweit war die „Identitäre Bewegung“ in der Nacht zu Montag unterwegs, um ihre politische Botschaft an Parteibüros und teilweise auch an Redaktionen großer Medienhäuser zu plakatieren. Auch Stralsund war betroffen. Die Gruppierung wird vom Verfassungsschutz beobachtet, weil ihr Verflechtungen in die rechtsextreme Szene nachgesagt werden.

In Stralsund betraf die Aktion die Büros der Grünen und der SPD –auch wenn mancher Politiker von den nächtlichen Umtrieben gar nichts mitbekommen hat. „Davon weiß ich gar nichts“, antwortet Jürgen Suhr, der Vorsitzende der Grünen im Landkreis Vorpommer-Rügen, am Mittag. Da sind die Ermittlungen der Polizei aber längst angelaufen.

Anzeige

Anzeigen erstattet

Am frühen Morgen waren die Beamten über eine Installation vor den Büroräumen der Grünen informiert worden. „Das war noch vor sechs Uhr. Die Kollegen waren dort und haben die Sachen mitgenommen“, heißt es von der Pressestelle des Polizeipräsidiums. Das alles geschah noch bevor die Mitarbeiter der Partei ihren Dienst antraten.

Wenige Stunden später und einige Hundert Meter weiter kam es zu einem ähnlichen Fund – vor dem Büro der SPD. „Eine Mitarbeiterin hat das am Morgen gefunden, als sie das Büro aufgeschlossen hat“, bestätigt der Kreisvorsitzende Thomas Würdisch. Auch hier wurde Anzeige erstattet.

Kritik an Äußerungen gegen die AfD

Die Installation vor den beiden Büros ähnelte sich. Ein Bilderrahmen mit einem Foto des AfD-Bundestagsabgeorndeten Frank Magnitz. Blutüberströmt liegt der 66-Jährige auf einer Trage. Vergangene Woche war er in Bremen von Unbekannten attackiert worden. Das Foto verbreitete seiner Partei anschließend im Internet.

An den Büros selbst klebt ein laminierter Zettel mit einem Zitat von einem prominenten Mitglied der jeweiligen Partei. Cem Özdemir hatte 2017 mit Blick auf die AfD gesagt: „Wir wollen alles dafür tun, dass diese Brut in diesem Land nichts zu sagen hat.“ Bei den Sozialdemokraten wird der stellvertretende Bundesvorsitzende Ralf Stegner zitiert. „Fakt bleibt, man muss Positionen und Personal der Rechtspopulisten attackieren.“ Die AfD hatte den Angriff auf ihren Bundestagsabgeordneten mit solchen und ähnlichen Aufrufen in Verbindung gebracht und insbesondere linken Parteien vorgeworfen, die Bevölkerung aufzuhetzen.

Thomas Würdisch, Kreisvorsitzender der SPD Quelle: EG

In beiden Fällen trugen die abgestellten Bilder Logo und Schriftzug der „Identitären Bewegung“. „Niemand von uns hat dazu aufgerufen, politische Gegner körperlich anzugreifen“, betont SPD-Mann Würdisch. Er könne deshalb nicht verstehen, warum solche Botschaften vor dem Parteibüro hinterlassen werden. „Mit dem Zitat von Herrn Stegner ist es, wie mit vielen Zitaten. Man kann das so lesen und interpretieren, wie es in das eigene Weltbild passt“, kommentiert Würdisch. Wer Kritik an der SPD habe, der solle doch das Gespräch suchen und nicht seltsame Botschaften vor dem Büro installieren. „Wir reden mit jedem und wir würden auch mit der Identitären Bewegung reden. Warum nicht?“, sagt er.

Kein Sachschaden, wenig Chance auf Aufklärung

Doch die Aktion lässt mehr zurück als Wünsche nach persönlichen Gesprächen. „Natürlich macht das etwas mit einem, wenn man morgens ins Büro kommt und da ein Foto von einem blutüberströmten Mann steht. Das hat schon etwas Bedrohliches“, sagt Thomas Würdisch. Man dürfe sich von solchen Aktionen aber nicht einschüchtern lassen. Dass die Anzeige bei der Polizei zu etwas führe, daran glaubt er nicht so recht. Zumindest fließt die Aktion so aber in die Statistik ein.

Die Identitäre Bewegung Mecklenburg-Vorpommern bekannte sich im Internet zu der Aktion. Demnach seien auch die Linken in Stralsund betroffen gewesen. Auf Nachfrage im Büro des Kreisverbandes war allerdings nichts dergleichen bekannt.

Tatsächlich dürften die Ermittlungen schwierig werden. „Zusammen mit der Staatsanwaltschaft muss zunächst die rechtliche Würdigung geklärt werden“, sagt Nicole Buchfink vom zuständigen Polizeipräsidium Neubrandenburg. Es sei nichts beschädigt worden, insofern handle es sich möglicherweise auch nur um eine Ordnungswidrigkeit. „Kann sein, dass es am Ende unter illegales Plakatieren fällt. Das müssen wir noch auswerten“, erläutert sie. Klar sei aber, dass in einem solchen Fall auch die Ermittlungen verhältnismäßig sein müssten. Wegen eines illegal angebrachten Zettels, würde man keine teuren DNA-Analysen in Auftrag geben, so Buchfink.

Mehr zum Thema:

„Identitäre“ attackieren Redaktionsgebäude und Parteibüros

Attacke auf AfD-Mann Magnitz: Das ist im Video zu sehen

Identitäre entrollen auf Rügen Transparente

Identitäre wollen Vorlesung in Greifswald stören und laufen auf

Carsten Schönebeck

Herzlichen Glückwunsch an alle frisch gebackenen Eltern.

14.01.2019

Wer sich für die Ausbildung entscheidet, benötigt einen erweiterten Hauptschulabschluss mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung, einen Realschulabschluss oder das Abitur sowie eine ärztliche Bescheinigung über die Berufstauglichkeit. Von Vorteil ist ein zweiwöchiges Vorpraktikum in der Pflege.

14.01.2019
Stralsund Lesung im STiC-er-Theater - Nino Haratischwili in Stralsund

Die deutsche Schriftstellerin, die sich auch als Theaterregisseurin und Dramaturgin einen Namen gemacht hat und in Hamburg lebt, stammt aus Georgien. Für ihr Wirken heimste die heute 35-Jährige bereits eine Unmenge von Preisen ein. Vor allem für ihren 2014 erschienenen Roman „Das achte Leben (Für Brilka)“.

14.01.2019