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Stralsund Nadine mobil – Aktion für Kleinwüchsige
Vorpommern Stralsund Nadine mobil – Aktion für Kleinwüchsige
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10:03 25.06.2019
Thomas Hägemann-Schencke, Cindy Fedor und Nadine Schneider (v.l.) Quelle: Miriam Weber
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Stralsund

Manchmal sind es die scheinbar alltäglichen Dinge, an denen Nadine Schneider... nein, nicht scheitert, aber sie erweisen sich als unglaubliche Hürde. So wie etwa der Führerschein für die junge Frau. Nadine Schneider aus Stralsund ist 20 Jahre jung, Auszubildende zur Bürokauffrau und – kleinwüchsig.

Der Alltag als Herausforderung

„Grundsätzlich habe ich mich mit meiner Körpergröße arrangiert“, sagt Nadine Schneider. Es gebe viele hilfsbereite Menschen und diverse Hilfsmittel würden ihr in der Wohnung und am Arbeitsplatz den Alltag erleichtern. Womit die zu 60 Prozent Gehbehinderte nicht gerechnet hatte, war, dass es so schwer sein würde, den Führerschein zu machen. „Allen die Vorstellung, mit meinem eigenen Auto all die Wege zu erledigen, die mir vor allem zu Fuß unendlich viel Zeit nehmen, insbesondere weil ich nicht schnell laufen kann wie andere, ist einfach nur toll.“

Doch die Herausforderung begann schon damit, dass es in direkter Nähe keine Fahrschule gibt, die ein umgebautes Fahrzeug anbietet, mit dem Nadine fahren lernen könnte. „Aber meine Eltern und ich haben in Greifswald so eine Fahrschule gefunden und wir waren sogar dort.“ Neben der Freude, dass es überhaupt möglich ist, den Führerschein zu machen, realisierte Nadine dort jedoch auch, dass es nicht nur der Kosten bedarf, die für die reguläre Fahrerlaubnis anfallen, sondern zusätzlich muss sie die Gutachtenkosten für eine Fahreignungsprüfung übernehmen. Ganz abgesehen von den Ausgaben, die auf sie für ein umgebautes Fahrzeug zukommen. „Es war zwar niederschmetternd, aber meine Eltern und ich haben nicht aufgegeben und wollten uns Unterstützung von Krankenkassen und Ämtern holen. Wir schrieben Anträge – viele Anträge.“ Doch alles, was zurückkam, waren Ablehnungen, da der Grad der Behinderung der jungen Frau nicht ausreichte.

Klein, aber großartig

Als Nadine Schneider einem Kollegen beim Arbeiter-Samariter-Bund von ihren Schwierigkeiten erzählte, ahnte sie nicht, was damit in Gang gesetzt wurde. Denn Thomas Hägemann-Schencke, Leitstellenkorrdinator des Fahrdienstes, ließ die Geschichte nicht kalt. „Ich wollte Nadine gern irgendwie dabei helfen, diese Steine aus dem Weg zu räumen. Vor allem muss so einem jungen Menschen die Mobilität doch ermöglicht werden, damit sie auch später beruflich die gleichen Chancen hat wie eine normalwüchsige Person“, erklärt Thomas Hägemann-Schencke. So fragte er bei der Geschäftsleitung nach, ob der Verein diese Mitarbeiter-Initiative unterstützen würde – und rannte offene Türen ein.

Die Initiative „Nadine mobil“ war geboren. „Es ist eine wunderbare Geste unserer Mitarbeitenden, diese Aktion zu starten“, sagt Geschäftsführer Oliver Lutz. „Als ich von der Spendenaktion hörte, blieb mir die Luft weg, und ich brachte vor lauter Emotionen kein Wort heraus“, erinnert sich Nadine Schneider. Noch immer sei es für die ungewohnt, so im Fokus zu stehen, aber „ich kann noch immer nicht in Worte fassen, wie dankbar ich für jede einzelne Hilfe bin, sei es von den Kollegen, die es überhaupt möglich gemacht haben oder Familie und Freunde und allen anderen, die mir helfen, meinem Traum ein Stück näher zu kommen.“ Cindy Fedor vom Arbeiter-Samariter-Bund ergänzt: „Alle sind herzlich eingeladen, unsere ,kleine’ Azubine, die ihre Erkrankung großartig meistert, auf ihrer Reise zum Führerschein zu begleiten.“ Weitere Informationen zu der Aktion gibt es unter www.asb-nordost.de

AktionstagStralsund barrierefrei“

Auf die Situation von Menschen mit Behinderungen aufmerksam zu machen, ist auch das Ziel des AktionstagsStralsund barrierefrei“, zu dem morgen von 10 bis 18 Uhr in den Strelapark eingeladen wird. Mit einem vielfältigen Angebot und Aktionen soll vermittelt werden, dass alle Menschen von Barrierefreiheit profitieren: Menschen mit und ohne Behinderung wie auch Senioren, Kinder, Eltern oder Menschen, die vorübergehend in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Ein Aufzug hilft Eltern mit Kinderwagen ebenso wie alten und gehbehinderten Menschen gleichermaßen. Menschen mit geistiger Behinderung benötigen Texte in einfacher Sprache oder Bebilderungen, die auch vielen anderen Menschen nützen, die zum Beispiel wenig die deutsche Sprache sprechen, nicht oder kaum lesen können oder fremd in einem Ort sind. Gäste des Aktionstages haben die Möglichkeit, aktiv Anregungen und Wünsche zum Thema Barrierefreiheit abzugeben und so dazu beizutragen, dass sich die Stadt für Menschen mit Beeinträchtigung weiter entwickelt.

Aktionstag „Stralsund barrierefrei“

10 Uhr Eröffnung

10.15 Uhr musikalische Einstimmung mit dem Kinderchor des Montessori-Kinderhauses

11.30 Uhr Laienspielgruppe des Pommerschen Diakonievereins mit dem Stück „Der Fischer und sin Fru“

14 Uhr Singe- und Folkloregruppe „Slawjanotschki“

15 und 16 Uhr Kinder- und Jugendzirkus Ostsee’O’lini

17 Uhr musikalische Darbietung der Band „Sundschein“ der Stralsunder Werkstätten

Miriam Weber

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