Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Stralsund Akuter Personalmangel: Jugendnotdienst in Stralsund muss schließen
Vorpommern Stralsund Akuter Personalmangel: Jugendnotdienst in Stralsund muss schließen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:01 18.04.2019
Der Kinder- und Jugendnotdienst des Internationalen Bundes in der Friedrich-Naumann-Straße in Stralsund muss vorerst schließen. Von sechs Sozialpädagogen sind vier für lange Zeit krank, neue Fachkräfte sind nicht zu finden. Quelle: ib
Stralsund

Das hat es in der 23-jährigen Geschichte des Kinder- und Jugendnotdienstes in Stralsund noch nicht gegeben: Wegen akuten Personalmangels muss der Internationale Bund (IB) seine Einrichtung vorerst schließen.

Normalerweise betreuen dort sechs Erzieher und Sozialpädagogen Mädchen und Jungen, die aus unterschiedlichsten Gründen aus ihren Familien herausgenommen und vom Jugendamt in Obhut genommen wurden.

Hoher Krankenstand: IB zieht Notbremse

„Doch von den sechs Mitarbeitern sind vier langzeit-krank. Wir suchen seit Monaten Fachkräfte für diese Jugendhilfe-Einrichtung des Kreises. Bisher ohne Erfolg. Deshalb müssen wir nun die Notbremse ziehen und melden unser Angebot zum 26. April ab“, sagt der Stralsunder IB-Geschäftsführer Martin Pollmann am gestrigen Mittwoch der OZ und betont, dass es grob fahrlässig wäre, mit zwei Fachkräften alles absichern zu wollen. „Wir müssen da für unsere Leute auch Verantwortung übernehmen.“

Können Kita-Erzieher aushelfen?

Der IB ist ein großer Träger der Jugendhilfe, betreibt Kitas und Wohngruppen im ganzen Land. Konnte da keiner einspringen? „Wir haben eine sehr große Bereitschaft unserer Kollegen aus den Stralsunder Kitas. Dafür bin auch dankbar.“

Aber der Jugendnotdienst sei schon eine besondere Aufgabe. „Hier kommen wirklich Problemfälle an, da braucht man Erfahrung. Deshalb arbeiten zwei Erzieher jetzt als Unterstützung mit. Sonst wäre der Betrieb über die Feiertage gar nicht möglich“, so Martin Pollmann. In IB-Einrichtungen anderer Kreise war auch nichts zu holen, weil die Fachkräfte-Situation natürlich überall angespannt ist.

„Nach unserer heutigen Krisensitzung steht aber fest, dass die jetzt kranken Mitarbeiter wieder in den Notdienst zurückkehren wollen, wenn sie gesund sind. Zeitgleich suchen wir Verstärkung für das Team, das ab 1. Juli auf acht Mitarbeiter aufgestockt wird. Die Bewerbungsgespräche laufen“, sagt der IB-Chef am Mittwoch und hofft, dass man in ein paar Wochen, spätestens aber am 1. Juli, das Hilfsangebot wieder bereithalten könne. „Dann wollen wir wieder voll durchstarten.“

Jugendamt sucht intensiv Ersatz

Im Haus in der Friedrich-Naumann-Straße in Stralsund sind zehn Plätze für in Not geratene Jugendliche reserviert. Fünf sind zurzeit belegt. „Für diese fünf Betroffenen werden wir eine Lösung finden. Auch wenn das nicht leicht wird, denn der Jugendnotdienst in Stralsund ist für ganz Vorpommern-Rügen eine wichtige Einrichtung“, sagt Falk Ellwitz, Fachdienstleiter des Sozialpädagogischer Dienst in der Kreisverwaltung, und erklärt:

„Hier kommen in Not geratene Jugendliche unter, werden betreut, bevor gemeinsam mit Eltern und Jugendamt entschieden wird, welche Hilfe für sie am besten sind. Aber wir sind auch froh, dass der IB die Oster-Feiertage noch absichert, das verschafft uns etwas Lust.“

In Frage kommen andere stationäre Einrichtungen oder auch Wohngruppen in Stralsund, auf Rügen oder in Nordvorpommern, dabei wolle man das soziale Umfeld der Jugendlichen berücksichtigen. „Für den Notdienst, der Kinder und Jugendliche in Obhut nimmt, gelten besondere Anforderungen, deshalb wird das eine intensive Suche.“ Zum Teil könnten die Betreuten aber auch in andere Hilfe-Angebote einsteigen.

Bis zum 1. Juli Übergangslösung

Trotz allen Lückenstopfens steht fest: Der Landkreis steht im Moment ohne Kinder- und Jugendnotdienst da. Im Zuge der Umstrukturierung sollen die schnellen Hilfen für Kinder und Jugendliche getrennt werden.

Wie die OZ mehrfach berichtete, werden die Lütten von 0 bis 13 künftig vom Verbund für Soziale Projekte betreut. Die Einrichtung in der Richtenberger Chaussee wird dafür gerade umgebaut. Hier sollen fünf Kinder von sieben Fachkräften rund um die Uhr betreut werden. Der Jugendnotdienst soll mit zehn Plätzen und acht Erziehern und Sozialpädagogen im 24-Stunden-Rhythmus beim Internationalen Bund in der Naumann-Straße bleiben.

Aber: Das neues System greift wahrscheinlich erst ab 1. Juli. Bis dahin wird es also in Notfällen bei Notlösungen bleiben, für die das Jugendamt sorgen muss.

Ines Sommer

Eier verstecken, Eier suchen, zwischendurch das Familienfrühstück. Soweit, so gut. Aber natürlich lässt sich in der Region am langen Wochenende noch viel mehr erleben.

18.04.2019

Vor 150 Jahren starb Carl Loewe, der König der Balladen. Gewirkt hat er vor allem in Pommern. Die englische Königin Victoria gehörte zu seiner großen Fangemeinde. Auch Udo Jürgens sang seine Lieder.

18.04.2019

Feuerwehrleute aus Tribsees (Vorpommern-Rügen) halfen per Drehleiter, um die Nester noch schnell zu reinigen, bevor auch die Störchin ankommt und brütet.

18.04.2019