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Stralsund Altes Auto zu verkaufen: Stralsunds Händler im Test
Vorpommern Stralsund Altes Auto zu verkaufen: Stralsunds Händler im Test
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07:28 05.10.2015
OZ-Redakteur Alexander Müller machte den Test und bot Stralsunds Kärtchen-Händlern einen alten VW Polo zum Verkauf an. Quelle: Maik Bleidorn
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Stralsund

Jeder Autofahrer kennt die bunten Kärtchen von Gebrauchtwagenhändlern mit zweifelhaftem Ruf an der Scheibe. Die Zettel sind oft mit schicken Sportwagen bedruckt, daneben stehen Slogans wie „Wir kaufen Autos in jedem Zustand“. Hohe Kilometerstände, kein Tüv, Unfallschäden - angeblich alles völlig egal. Die OSTSEE-ZEITUNG macht den Test: Wir wollen wissen, was an den Versprechen wirklich dran ist. Und vor allem, was für ein Preis sich mit einem alten Auto noch erzielen lässt. 

Unser Testwagen ist ein blauer VW Polo, der zum ersten Mal 2003 auf die Straße durfte. Rund 230000 Kilometer hat das gute Stück auf dem Buckel. Technischen Schnickschnack gibt es keinen, nur einen wackeligen Getränkehalter, der auf Knopfdruck ausfährt. Ansonsten ist Fahren das Stichwort - denn das tut dieser Wagen weiterhin verlässlich wie ein treuer Begleiter. 

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Um für ein knallhartes Verkaufsgespräch gewappnet zu sein, haben wir den Wagen von der Dekra bewerten lassen. Die Mängelliste ist lang: Die Bremsscheiben und -beläge sind nahezu verschlissen, die Handbremse ist nicht richtig eingestellt, der Nachschalldämpfer am Auspuff völlig verrostet. Restwert: 500 Euro. Wir pokern sogar noch höher und wollen 800 Euro als Verhandlungsbasis ansetzen.

Die erste Nummer, die wir anrufen, steht auf einem rosa Kärtchen. Der Händler wirbt damit, 24 Stunden erreichbar zu sein.  Es meldet sich eine Stimme mit ausländischem Akzent. Ohne Umschweife fragt der Mann nach den den Fakten: Marke, Alter, Motor, Klima. Wir verabreden uns für den nächsten Tag. 

Zum vereinbarten Zeitpunkt steigt ein Herr mit dunkler Hautfarbe und schwarzem Rauschebart aus einem Geländewagen. Während Händler in schicken Autohäusern stundenlang mit Sekt in der Hand um polierte Karossen tänzeln, geht hier alles ganz schnell. „Das ist er?“- „Ja, das ist er“ - „Was willst du dafür haben?“ - „800 Euro“ - „Geht klar, geb‘ ich dir.“  Der angebotene Preis liegt deutlich über dem Wert, den die Dekra ermittelt hatte. Der Mann erklärt, dass er den Wagen gar nicht in Deutschland verkaufen will. „Den knallen wir mit Ersatzteilen voll und schicken alles nach Afrika.“ Dort werden die Teile zu Geld gemacht.

Als nächstes fahren wir auf den Hof eines An- und Verkaufs.  Ein kräftiger Mann, der eben noch unter einem der Autos lag, schaut sich unseren Polo an. Die Inspektion dauert ebenfalls nur wenige Sekunden, dann bietet der Händler 600 Euro - immerhin 100 Euro über dem realen Wert. Was will er mit dem Auto machen? „Weiß ich noch nicht. Vielleicht ab nach Polen.“

Es bleibt die Erkenntnis, dass die Händler abseits der Hochglanz-Autohäuser besser sind als ihr Ruf - sofern man kein Problem mit Hinterhof-Geschäften hat. Sie boten in unserem Test vernünftige Preise und kamen ohne viel Drumherum zum Kauf.



Alexander Müller