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Stralsund Kapitän der „Genca“: Dieser Mann schippert die OZ-Zeitungsrollen über die Ostsee
Vorpommern Stralsund Kapitän der „Genca“: Dieser Mann schippert die OZ-Zeitungsrollen über die Ostsee
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15:00 06.12.2019
Kapitän Arnoud Tempelman mit Honda vor seinem Schiff in Hanko. Quelle: Peer Schmidt-Walther
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Stralsund/Lübeck

Dieser niederländische Kapitän kennt die berüchtigte Kadetrinne auswendig. Seit der Indienststellung des RoRo-Frachters „Genca“ im Jahr 2007 manövriert Arnoud Tempelman diesen 205-Meter-Koloss zweimal in der Woche durch die wichtige Ostseestraße.

Den 30 000-Tonner beladen mit Lkw-Trailern, Containern und Zeitungspapier-Rollen, unter anderem für die OSTSEE-ZEITUNG. „Die Strecke kenne ich im Schlaf“, sagt der 59-jährige Tempelman. „Über 1200-mal bin ich bei Tag und Nacht zwischen Lübeck und dem finnischen Hanko unterwegs gewesen.“ Immer am Horizont: die vorpommersche Ostseeküste, mit Leuchtfeuern auf dem Darß, Hiddensee und Rügen.

Das Licht zog den Niederländer, der in den Liegezeiten andere Länder gern auf seiner Honda erkundet, an. Da er selbst in der Hansestadt Deventer beheimatet ist, machte er Station in Stralsund – um einen ersten Eindruck von Vorpommern zu bekommen. OZ-Schifffahrtsexperte Peer Schmidt-Walther empfing den Kapitän am Heilgeistkloster und führte diesen durch die Hansestadt.

Allein die Anfahrt über die kaputte A 20 sei für Tempelman schon ein Erlebnis gewesen. „Schön, dass ein holländisches Unternehmen euch die provisorische Brücke gebaut hat“, grinst er, „Dank uns geht es bei euch voran“.

Kapitän Tempelman beim Auslaufmanöver in Hanko auf seiner Brücke. Quelle: Peer Schmidt-Walther

Das Heilgeistkloster mit seinen Gassen samt seiner Geschichte fasziniert ihn – und natürlich der Hafen. Die beiden zu der Zeit noch aufliegenden Versorgungsschiffe identifiziert er als niederländische, „trotz ihrer norwegischen Flagge. Die gehören zur Delfter Allseas Reederei, die auch das größte Schiff der Welt hat, nämlich das Offshore-Arbeitsschiff ‚Pioneering Spirit‘ mit über 400 000 Tonnen und 128 000 PS“.

Genca-Kapitän begeistert von Stralsund

Ein Höhepunkt für den 59-Jährigen war der Besuch der Gorch Fock I. „Ist das nicht euer Marine-Skandalschiff?“, fragte Arnoud Tempelman. Er wurde gleich korrigiert. Es sei „nur“ die historische Schwester von 1933.

Der Vorsitzende des Eignervereins, Wulf Marquard, klärt über die jüngsten Entwicklungen um die Bark auf. Dabei ging es um neue Kabineneinbauten, stockende Kauf-Verhandlungen mit der Hansestadt und einen geplanten Werftaufenthalt mit der Erneuerung des unteren Rumpfes. „Für 15 Millionen Euro“, schüttelt Marquard den Kopf, „ist sogar die ‚Alexander von Humboldt II‘ komplett neu gebaut worden, da kommen wir mit viel weniger aus!“ Seine Vision, den Dreimaster eines Tages wieder unter Segel zu bringen, gibt er nicht auf: „Dafür werde ich kämpfen!“

Stralsunder Marinemaler Thomas Quatsling (l) übergibt sein Genca-Bild an Kapitän Arnoud Tempelman Quelle: Peer Schmidt-Walther

Eine Visite bei der Kneipe „Zur Fähre“ scheitert. Ein Blick durchs Fenster muss dem Kapitän genügen. „Andererseits“, gibt Tempelman zu bedenken, „wären wir da auch nicht so schnell wieder rausgekommen.“ Am Rathaus hat der 59-Jährige ein Déjà-vu und fühlt sich an Lübeck erinnert. Denn er ist als einziger ausländischer Kapitän Ehrenmitglied in der Lübecker Schiffergesellschaft.

Stralsunder malte MS „Genca“

Das Treffen mit dem Stralsunder Marinemaler Thomas Quatsling, dessen „Genca“-Bild im Schiffsbüro neben dem niederländischen Königspaar hängt, wird auf den nächsten Vorpommern-Besuch verschoben. „Jetzt weiß ich auch, was ich all die Jahre nur am Horizont gesehen habe“, sagt Kapitän Tempelman, der über die A 20 wieder sein Schiff, das ein echter Pommer ist, weil es auf der ehemaligen Vulkan-Werft in Stettin gebaut wurde, mit Kurs Lübeck ansteuert.

Der Kapitän und sein Frachter im TV

TV-Tipp: Zwischen Kreuzfahrtkai und Kadetrinne ist auch Kapitän Arnoud Tempelman mit dem MS „Genca“ unterwegs. Im August wurde der 59-Jährige vom NDR auf seinem Frachter interviewt. Er und sein Schiff sollen am Sonntag, dem 8. Dezember, von 18 bis 18.45 Uhr in der NDR-Sendung „Hanseblick“ zu sehen sein.

Mehr zum Frachter „Genca“: Bauwerft: Stocznia Szczecinska Nowa S.A. (SSN), Szczecin/Stettin, Polen; Baujahr: 2007; Indienststellung: 26.05.2007; Typ: ConRo „B-201-11“; Schwesterschiffe: „Timca“, „Kraftca“, „Plyca“, „Trica“, Pulpca“; Reederei: Spliethoff’s Bevrachtingskantoor B.V., Amsterdam; BRZ: 28.289; Displacement: 31.105 Tonnen; Länge: 205 m; Breite: 25.50 m; Tiefgang (max.): 8,50 m; Höhe: 46,3 m; Lademeter: 2900 m; Container-Kapazität: 640 TEU; Eisklasse: 1 A Super; Hauptmaschinen: 2 x Wärtsilä 12 V46C zu je 12.600 kW (ausgerüstet mit Scrubber zur Abgasreinigung); Tagesverbrauch (bei Öko-Speed mit 75 % Auslastung): rund 60 Tonnen schwefelreduziertes Schweröl; Geschwindigkeit (max.): 23,5 kn; Crew: 21; Lkw-Fahrer: 12.

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Von Peer Schmidt-Walther

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