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Stralsund Arbeitsmarkt: Rekordverdächtige Spannweite
Vorpommern Stralsund Arbeitsmarkt: Rekordverdächtige Spannweite
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06:00 05.01.2019
Nach dem Weihnachts- und Silvestergeschäft folgen für den Handel sowie den Hotel- und Gastronomiebereich magere Monate. Das lässt die Arbeitslosenzahlen in der Region steigen. Quelle: Christian Rödel
Stralsund

Der Rekordsommer 2018 hat auch auf dem Arbeitsmarkt rekordverdächtige Statistikwerte hinterlassen. „Mit 7,6 Prozent erreichte der Bezirk Stralsund der Arbeitsagentur im Oktober die niedrigste Arbeitslosenquote seit der Wiedervereinigung.“ Das machte Dr. Jürgen Radloff, Agentur-Geschäftsführer, bei der Einschätzung der Arbeitsmarktlage deutlich. Selbst die durchschnittliche Arbeitslosenquote zwischen Arkona, Grimmen und Zingst lag 2018 bei 9,1 Prozent und damit unter den 9,9 Prozent von 2017.

Arbeitslosenquote einstellig

„Vom April bis in den Dezember lag unsere Arbeitslosenquote im einstelligen Bereich. Das hätte ich mir vor Jahren nicht träumen lassen“, so der Agenturchef. Ursachen für diese Entwicklung sieht Radloff deutlich: „Es sind super Werte einer der Top-Tourismusregionen des Landes.“ Wenn die Urlauber kommen, sinkt die Arbeitslosigkeit in Hotel- und Gaststättenbereich, Handel und Dienstleistungsgewerbe. Der Geschäftsführer kennt auch die Kehrseite dieser Erfolgsgeschichte: Wenn die Touristen abgereist sind, sieht die Arbeitsmarktstatistik anders aus.

So brachte der Dezember zuletzt einen deutlichen Anstieg der Beschäftigungslosigkeit in der Region. 10 642 Männer und Frauen sind im Agenturbezirk Stralsund jetzt ohne Job. Das sind 1237 Personen (13,2 Prozent) mehr als noch im November. Besonders auffällig gestaltet sich das in den touristisch geprägten Regionen. Die Insel Rügen und der Bereich der Agenturgeschäftsstelle Ribnitz-Damgarten machen zusammen beinahe 87 Prozent am aktuellen Anstieg der Arbeitslosigkeit im Agenturbezirk aus.

3391 Frauen und Männer ohne Job

Den mit Abstand stärksten Anstieg verzeichnete die Geschäftsstelle Bergen. 3391 Männer und Frauen sind auf der Insel derzeit ohne Job. Das sind 814 Personen (31,6 Prozent) mehr als im Vormonat. Die Arbeitslosenquote auf Rügen liegt bei 10,1 Prozent. Im Vormonat wurde noch ein Wert von 7,7 Prozent registriert. In der Geschäftsstelle Ribnitz-Damgarten mit der Urlaubsregion Fischland-Darß-Zingst stieg die Beschäftigungslosigkeit um 260 auf nun 2241 Arbeitslose an. Die Quote zwischen Zingst und Marlow liegt bei 8,8 Prozent.

Verhaltener die Entwicklung in Grimmen oder Stralsund: In Grimmen sind jetzt 1172 Personen ohne Job, 56 mehr als im November. Die Arbeitslosenquote liegt bei 9,1 Prozent. In der Hansestadt Stralsund sind derzeit 2952 Arbeitslose registriert. Gegenüber dem Vormonat sind das 40 Betroffene mehr. Die Arbeitslosenquote im Stadtgebiet liegt bei 10,6 Prozent und damit 0,1 Prozentpunkte über dem Novemberwert.

Abhängig von einem Wirtschaftszweig

Aus Sicht des Agenturchefs ist es hauptsächlich der Tourismusbereich mit den Hotellerie- und Gastronomieberufen sowie dem Handel, der zu dieser Jahreszeit für die Zunahme der Arbeitslosenzahlen sorgt. Daneben trugen aber auch der Logistik-Bereich, der Baubereich sowie die Landwirtschaft zu einer Zunahme des Arbeitslosenbestandes bei. Radloff: „Der Tourismus ist und bleibt allerdings der deutliche Treiber der saisonalen Beschäftigungslosigkeit in der Region.“

Die Abhängigkeit von einem Wirtschaftszweig ist es, die zum Auf und Ab in Sachen Beschäftigung führt. „Zwischen Sommer- und Wintermonaten liegen enorme Spannweiten, wie sie in kaum einer anderen Region in Deutschland zu beobachten sind“, sagt der Agenturchef. So verzeichnete Rügen die höchste Arbeitslosenquote 2018 im Januar mit 13,3 Prozent. Das sind 7,5 Prozentpunkte über Sommerniveau. Noch deutlicher wird die Schwankung bei einer Betrachtung absoluter Zahlen. Während im August 1940 Rüganer arbeitslos gemeldet waren, lag die Zahl der Arbeitslosen im Januar noch bei 4511. In Bereich Ribnitz-Damgarten sah es ähnlich aus. Hier lag die Quote zum Jahresbeginn bei 10,9 Prozent und im Sommer bei 6,3.

Erstmals meldete die Statistik 2017 im Bereich der Arbeitsagentur Stralsund mit 9,9 Prozent einen Jahresdurchschnitt bei der Arbeitslosigkeit von unter zehn Prozent.

Im vergangenen Jahr fällt dieser Wert mit 9,1 Prozent noch einmal deutlich unter die Quote von 2017. An neunen Monaten hintereinander von April bis Anfang Dezember hielt sich der Stand der Beschäftigungslosigkeit im einstelligen Bereich.

Zum Vergleich: Im Dezember 2004 – kurz bevor die sogenannten Hatz IV-Reformen einsetzten – lag die Arbeitslosenquote zwischen Arkona, Grimmen und Zingst bei 25,1 Prozent. Damit hatten laut Statistik ein Viertel aller Arbeitssuchenden keinen Job gefunden.

Arbeitsmarktpolitische Instrumente der Arbeitsagentur sorgen dafür, dass die Statistik etwas gefälliger aussieht. Im Dezember 2018 hatten 601 Frauen und Männer einen befristeten sogenannten Ein-Euro-Job. 686 stecken in einer Maßnahme zur beruflichen Qualifikation und 55 erhielten einen Existenzgründerzuschuss. Alle diese Menschen werden in der Statistik nicht als arbeitslos aufgeführt. Die Arbeitlosenquote im vergangenen Dezember hätte sonst bei etwa 12,5 statt bei unter zehn Prozent gelegen.

Mehr ganzjährige Beschäftigung – gerade in der Tourismusbranche – sind für den Agenturchef daher wichtig. „Jahr für Jahr stehen die Unternehmen zu Saisonbeginn vor dem Problem, Arbeitskräfte zu finden. Und diese Suche wird nicht einfacher werden“, sagt Radloff auch mit Blick auf die Tatsache, dass erfahrene Arbeitskräfte in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen, junge Leute aber nicht in gleichem Maße nachrücken werden.

Jörg Mattern

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