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Stralsund Aufruf: Stralsunder wollen schwer krankem Baby helfen
Vorpommern Stralsund

Aufruf: Stralsunder wollen schwer krankem Baby helfen

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15:32 31.01.2020
„Es gibt kaum etwas Aussagekräftigeres als diesen kleinen Kerl, der selbst ein Stäbchen im Mund hat und so zur Spende aufruft“, sagt die Stralsunderin Judith Kleversaat über das Foto des erkrankten Jaron. Quelle: privat
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Stralsund/Neumünster

Die Diagnose ist der blanke Horror: Das eigene Kind, wenige Monate alt, erkrankt an hämophagozytischer Lymphohistiozytose, kurz: HLH. Eine seltene und oft tödlich verlaufende Krankheit, die unter anderem das Immunsystem angreift. Für die Familie von Steffen Mader, der von der Insel Rügen stammt und in Stralsund gelebt hat, ist diese Diagnose seit einer Woche Realität. Ihr kleiner Jaron wird seit mehreren Tagen im Krankenhaus behandelt. Zuerst in Neumünster (Schleswig-Holstein), weil die Familie dort in der Nähe wohnt, nun mittlerweile im Uniklinikum Hamburg.

Das Leben retten könnte eine Stammzellenspende. Darum ruft Judith Kleversaat, eine Stralsunder Freundin der Familie, dazu auf, sich bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) registrieren zu lassen. „Wir sind fünf Mädels, die versuchen, zu helfen. Wir wollen nicht tatenlos zusehen“, sagt Kleversaat.

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Aufruf hat schon 17 000 Personen erreicht

Eine Freundin habe einen Aufruf entworfen, eine andere habe ihn an den SV Prohner Wiek gegeben, der ihn unter den Sportvereinen der Region verbreiten soll. Mittlerweile ist er auf Facebook 17 000-mal gesehen worden. Da Kleversaat in der Stralsunder Stadtverwaltung arbeitet und einen guten Draht zu Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) hat, bat sie darum, dass auch die Stadt diesen Aufruf verbreiten sollte. Ergebnis: Die Pressestelle wird ihn zeitnah veröffentlichen.

Eine größere Typisierungsaktion ist derzeit nicht geplant. Kleversaat hofft, dass die Menschen, die von der Not der Familie erfahren, sich selbstständig bei der DKMS (07071/9430) melden. „Es funktioniert ganz einfach und kostet nichts“, wird im Aufruf geworben, „Stäbchen rein, Lebensretter sein“. Das heißt: Wer mitmachen möchte, kann sich über die DKMS ein sogenanntes Lebensretter-Set schicken lassen. Dabei geht es im Wesentlichen um ein Wattestäbchen, mit dem man einen Wangenabstrich vornimmt und es an die DKMS zurückschickt.

Auch Geldspenden helfen

Die auf den Stäbchen enthaltenen Infos werden analysiert und in eine Datenbank aufgenommen. Sollte ein genetischer Zwilling gefunden werden, kommt dieser als Stammzellenspender infrage. In 80 Prozent der Spender-Fälle ist keine Operation notwendig. Auch Geldspenden an die DKMS können helfen, da die Untersuchung der Stäbchen und die Registrierung mit finanziellem Aufwand verbunden sind.

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Von Kai Lachmann