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Stralsund Bernsteinsammlerin ist „steinreich“
Vorpommern Stralsund Bernsteinsammlerin ist „steinreich“
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00:00 16.12.2017
Über 300 Bernsteine zählt Brigitte Malig bis heute in ihrer Sammlung. Fast täglich werden es mehr. Quelle: Foto: C. Zillmer
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Göhren

Brigitte Malig zieht sich den Kragen ihrer warmen Jacke noch etwas dichter um den Hals, schlüpft in festes Schuhwerk und schnallt sich den Rucksack auf den Rücken.

Täglich zieht die Göhrenerin durch die Natur Rügens und geht dabei ihrer Leidenschaft nach: Bernstein suchen. „Schlechtes Wetter gibt es bei mir nicht, ich bin immer unterwegs und das Sommer wie Winter“, erzählt die Rentnerin aus dem Urlaubsort. Wenn sie am späten Nachmittag von ihrem Ausflug zurück kehrt in ihre Wohnung, legt sie vielleicht auch an diesem Tag einen neuen kleinen Schatz in ihre Schale auf dem Tisch. „So verrückt wie manch andere bin ich nicht, einige Leute suchen schon morgens um 5 Uhr nach einem nächtlichen Sturm mit ihren Grubenlampen am Nordstrand von Göhren nach dem gelben Gold“, erzählt Brigitte Malig. „Ich stochere am Tag einfach ein wenig im neu angelandeten Gestein und rolle mit den Schuhen das Strandgut herum. So ist mir schon mancher Fund einfach vor die Füße gefallen.“

Brigitte Malig hat eine beachtliche Anzahl von Fundstücken angesammelt. In der Schale auf dem Wohnzimmertisch liegen mehr als 300 Bernsteine. Groß, klein, goldig, orange, grünlich, braun, klar, undurchsichtig, eckig, rundlich, länglich, manchmal mit Muscheleinschlüssen. Brigitte Malig verlässt die Insel nur noch ab und zu für kurze Ausflüge. Im August ist sie 75 Jahre alt geworden. Sie hat den Geburtstag groß gefeiert mit ihrem Sohn und ist nach Warnemünde gefahren. „Wir haben im Hotel Neptun übernachtet, im 11. Stock, ich finde das Ostseebad toll, schon damals bei Betriebsausflügen, als ich noch gearbeitet habe“, erzählt sie. Ansonsten bleibt die Sammlerin auf ihrer Insel.

Malig hat Rügen lieben gelernt, denn geboren ist sie eigentlich in der Nähe von Danzig. Als dreijähriges Mädchen flohen Mutter und zwei weitere Schwestern aus Hinterpommern nach Rügen. Malig kann sich noch daran erinnern, wie die kleine Familie nach einem langen und beschwerlichen Weg in Göhren angekommen ist. „Eine alte grauhaarige Frau wies uns ein Zimmer zu. Wir schliefen mit vier Personen in einem Bett, nicht selten waren die Fenster von innen mit Raureif beschlagen. Es war kalt, aber meine Mutter schlug sich mit uns durch“, berichtet Malig aus ihrer Erinnerung. Der Vater kehrte nie aus dem Krieg zurück.

Göhren sollte bis heute das Zuhause der Rentnerin bleiben. Als Ungelernte half das damalige Mädchen im Kindergarten des Ortes aus, legte als Hilfskraft in der Einrichtung die Kinder schlafen und half beim Waschen. Später verdiente sie etwas Geld als Näherin im Göhrener Ferienheim für die Mitarbeiter des Ministeriums des Inneren der damaligen DDR. „Ich nähte Knöpfe an, besserte gerissene Bettwäsche aus oder säuberte die Bettlaken.“ Irgendwann sollte Brigitte Malig ihren Mann kennenlernen, er sprach sie vor der Kinokasse an, und die beiden heirateten. „Ich habe zwei Kinder, mein Sohn lebt hier in Göhren. Meine Tochter habe ich leider verloren.“ Es war eine schwere Zeit für die Familie. „Erst ging meine geliebte Mutter, dann mein Kind und Weihnachten 2014 ging mein Mann von uns.“ Brigitte Malig lebte in dieser Zeit „wie ein Roboter“. „Ich habe funktioniert, mehr nicht“, beschreibt sie ihre damalige Verfassung. Bei Wanderungen fasste sie neuen Lebensmut.

Auch gesammelte Donnerkeile und Hühnergötter sind neben der Bernsteinsammlung fein säuberlich auf den Kommoden der Wohnung aufgereiht. Einige Hühnergötter sehen aus wie Alligatorköpfe, andere wie Eulen und wieder andere haben so große Löcher, dass ein kleiner Finger hindurch passt. Den Wert ihrer Sammlung hat Brigitte Malig nie schätzen lassen. „Ich bin 1,50 Meter groß, aber wenn ich an einem Tag viel gesammelt habe, dann bin ich abends nur noch 1,49 Meter“, sagt Brigitte Malig lachend und erholt sich am Nachmittag auf ihrem Sessel beim Fernsehen. Die rüstige Rentnerin wird an diesem Tag nur noch ein paar Brote für ihren Sohn belegen, der sie jeden Dienstag besuchen kommt.

Christine Zillmer

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