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Stralsund Biogasanlage läuft auf Hochtouren
Vorpommern Stralsund Biogasanlage läuft auf Hochtouren
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06:30 09.07.2015
Für die Biogasanlage in Stralsund wird gehäckselter Roggen angeliefert. Derzeit rollen täglich zwischen 50 und 100 Laster auf das Gelände. Andere holen Gärreste ab, mit denen Landwirte ihre Felder düngen.
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Stralsund

Die Biogasanlage in Stralsund hat ihre maximale Leistung erreicht. Derzeit sogar überschritten. Harald Sauter, Geschäftsführer der Stadtwerke-Tochter SWS Natur GmbH: „Seit drei Monaten liegen wir bei 103 Prozent.“

Rechnerisch sei das möglich, wenn man von der maximalen Jahresleistung ausgehe und sie auf kürzere Zeiträume herunter breche, erläuterte er gestern Nachmittag während eines Besuchs von Iris Gleicke, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie, und der Stralsunder Bundestagsabgeordneten Sonja Steffen (beide SPD).

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In den ersten Monaten 2015 habe die Anlage 95 Prozent gebracht, im gesamten Jahr davor seien es 90 Prozent gewesen. 2013 begann die Produktion.

Torsten Coldewey, Betriebsleiter der Biogasanlage, erklärte, dass in Stralsund stündlich 350 Kubikmeter Methan aus nachwachsenden Rohstoffen in das Erdgasnetz – Erdgas ist auch nichts anderes als Methan – gepumpt werden.

Dazu brodeln bei 40 Grad Celsius in den riesigen Behältern auf dem Gelände der Anlage unweit des Betriebshofes des Nahverkehrs pro Jahr 23 000 Tonnen Mais, 18 000 Tonnen gehäckselter Grünroggen, 8000 Tonnen Zuckerrüben und 2000 Tonnen Gras. Die Biomasse wird von Bakterien zersetzt.

Dabei entsteht ein Gasgemisch, das zu über 50 Prozent aus Methan besteht. Pro Stunde sind das rund 1000 Kubikmeter. Um es verwerten zu können, wird es gereinigt, bis der Methangehalt bei 99 Prozent liegt.

Nicht alles wird schließlich ins Netz eingespeist: Die Biogasanlage verfügt über ein eigenes Blockheizkraftwerk für die Wärme-Selbstversorgung. Der Strom, der dabei erzeugt wird, geht ins öffentliche Netz und entspricht ungefähr der Menge, die die Biogasanlage selbst benötigt.

Vor allem die Bewohner in Knieper und Grünhufe profitieren vom Gas, das seinen Ursprung auf den Feldern von sieben Landwirten der Region hat. In drei Blockheizkraftwerken, die dort von der SWS Natur GmbH gebaut wurden, verbrennt es, wird zu Wärme und Strom aus einem Rohstoff, der unabhängig von den Preisschwankungen auf dem Öl- und Gasmarkt ist.

Hinzu kommt: Der Kohlendioxidausstoß ist fast Null, weil bei der Verbrennung nur so viel von dem Klimakiller freigesetzt wird, wie die verwendeten Pflanzen zuvor bei ihrem Wachstum aus der Atmosphäre gezogen haben. Bedenken muss man allerdings die Abgase der Landmaschinen und Transportfahrzeuge.

Biogasanlagen sind ein wesentlicher Bestandteil der von der Politik gewollten Energiewende. Allerdings sind sie auch umstritten. Kritisiert wird vor allem, dass potenzielle Nahrungsmittel verwendet werden.

Harald Sauter versuchte gestern die Vorwürfe zu entkräften. So werde der verwendete Roggen von den Landwirten ohnehin nur als Zwischenfrucht angebaut. Bei Zuckerrüben gebe es eine Überproduktion, die von Zuckerfabriken nicht mehr abgenommen werden.

Seit ihrer Gründung im Februar 2012 hat die SWS Natur GmbH 20 Millionen Euro investiert. Unter anderem auch in Photovoltaik-Anlagen auf Dächern der Stadt. Geplant ist in den kommenden Jahren ein Engagement in der Windenergie. Außerdem wird über eine Biokohle-Verbrennungsanlage nachgedacht, bei der der Brennstoff aus Klärschlamm gewonnen wird.



Jens-Peter Woldt