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Stralsund Brandbrief nach Schwerin: In Vorpommern-Rügen fällt zu viel Unterricht aus
Vorpommern Stralsund

Brandbrief nach Schwerin: In Vorpommern-Rügen fällt zu viel Unterricht aus

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08:01 18.01.2020
Zu viel Stundenausfall: Politiker in Vorpommern-Rügen sind unzufrieden mit der Situation. Quelle: dpa
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Stralsund

In einem Brandbrief will der Kreisausschuss für Bildung, Kultur und Sport seinen Unmut über den vielen Unterrichtsausfall an Schulen im Landkreis Vorpommern-Rügen kundtun. Nach dem Vorbild der Hansestadt soll dieser an das Bildungsministerium des Landes geschickt werden. Das hatten die Mitglieder des Ausschusses in ihrer Sitzung einstimmig beschlossen.

Hintergrund der Diskussion ist, dass es am Barther Schulzentrum in diesem Schuljahr immens viel Unterrichtsausfall gab. Auch in Stralsund war der Stundenausfall an der Regionalen Schule „Adolph Diesterweg“ der Grund, warum sich der Bildungsausschuss der Stadt an das Ministerium gewandt und Position bezogen hatte. „Wir hatten diesen Brief bereits nach dem Sommer verschickt“, erklärt Maik Hofmann, Mitglied in beiden Ausschüssen, von der Fraktion Bürger für Stralsund (BfS). „Damals ging es uns auch darum, dass die Definition, was eigentlich Ausfall bedeutet, dringend überarbeitet werden muss.“

So viel Unterricht fällt in MV aus

Maik Hofmann, Bürger für Stralsund Quelle: Yvonne Moritz

Beim Bildungsministerium werden als Ausfallstunden nur solche gezählt, bei denen die Schüler tatsächlich nach Hause geschickt werden müssen. Ist ein Lehrer krank, wird in erster Linie versucht, dass sein Unterricht durch einen anderen Lehrer vertreten wird. Klappt das nicht, können Klassen zusammengelegt werden oder Aufgaben werden in Stillarbeit erledigt. All das sind keine Ausfallstunden. „Das ist doch hanebüchen“, sagt Maik Hofmann. „Wird der originäre Stoff nicht vermittelt, dann ist das eine Ausfallstunde.“

Im gesamten Land Mecklenburg-Vorpommern sind im ersten Schulhalbjahr 2018/2019 immerhin 2,2 Prozent der Unterrichtsstunden, bezogen auf das Stundensoll, an allgemein bildenden Schulen ausgefallen. An beruflichen Schulen sieht das etwas anders aus, dort sind 7,7 Prozent der Stunden ausgefallen. „Dabei darf man nicht vergessen, dass es an diesen Schulen viele Fachrichtungen und damit Fachlehrer gibt“, erklärt Henning Lipski, stellvertretender Pressesprecher des Bildungsministeriums. „Fällt dort ein Lehrer aus, ist der schwer zu vertreten.“

Unterschiede in den Schulen

Zu den 2,2 Prozent Komplettausfall kommen bei den allgemein bildenden Schulen noch die 10,5 Prozent der Stunden, die zur Vertretung anfallen, bei den beruflichen Schulen sind es sogar 14,8 Prozent. Henning Lipski fügt hinzu: „Wichtig zu wissen ist aber, dass mit den neu eingestellten Lehrerinnen und Lehrern zu Beginn des Schuljahres die Unterrichtsversorgung sichergestellt ist. Wenn Lehrerinnen und Lehrer plötzlich ausfallen und keine Vertretung gefunden wird, kommt es zu Ausfall. Die Situation kann von Schule zu Schule sehr unterschiedlich sein.“

Die Mitglieder des Bildungsausschusses sehen das etwas anders: Verfehlte Bildungspolitik, es werde viel zu wenig dafür getan, Lehrer in unserem Bundesland zu halten. „Darum geht es uns hauptsächlich in unserem jetzigen Schreiben, das in den kommenden Wochen aufgesetzt werden soll“, sagt der Ausschussvorsitzende Hofmann. Es könne nicht angehen, dass man selbst junge Menschen, die ihr Referendariat in MV machen wollen, so lange hinhält, bis sie weiterziehen. „Außerdem haben die Schulen zu wenig Mitspracherecht, wenn es um die Einstellung von Lehrkräften geht. Ganz abgesehen von den Hürden für Quereinsteiger.

„Rechtlich können wir nicht viel machen“, sagt Ausschussmitglied Axel Thiede (CDU), „aber wir wollen auch nicht die Hände in den Schoß legen“. Dieser Brief sei zumindest eine Möglichkeit, zu zeigen, dass man mit der derzeitigen Bildungspolitik nicht einverstanden sei. „Das, was uns umtreibt, ist die Ohnmacht vor Ort. Es geht doch um unsere Kinder“, sagt Maik Hofmann. „Aber das hält uns nicht davon ab, Position zu beziehen.“

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Von Miriam Weber

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