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Stralsund Breakdance in der DDR: Stralsunder „Melodics“ feiern 35-Jähriges
Vorpommern Stralsund Breakdance in der DDR: Stralsunder „Melodics“ feiern 35-Jähriges
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14:45 29.05.2019
Kassettenrekorder im Hintergrund, vorn zwei B-Boys der „Melodics“ Mitte der 80er-Jahre bei einem spontanen Auftritt. Quelle: PRIVAT
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Stralsund,

„Diese Zeit ist ein Stück von unserem Glück / Du hast uns geprägt wie nichts anderes in unserem Leben / Deshalb werden wir dir immer etwas zurückgeben.“

Diese Zeilen aus einem Hip-Hop-Song sind fünf Jahre alt. Geschrieben wurden sie von ehemaligen Breakdancern aus Stralsund, die in den 1980er-Jahren als Schüler die Moves und Breaks in die Stadt brachten. Die Truppe nannte sich „The Melodic Dancers“, später nur noch „Melodics“. Morgen feiern sie – öffentlich in Stralsund – ihr 35-jähriges Jubiläum. Frank Salewski, einer der B-Boys der ersten Stunde am Sund, sagt: „Die Zeilen des Songs sind nach wie vor für uns aktuell.“ Der 50-Jährige ist so etwas wie das lebende Lexikon der ostdeutschen Breakdance-Szene, eine Art Hobby-Historiker. Zwei Jahre Vorbereitung für das Jubiläum in der Anker-Werkstatt in der Stralsunder Straße An der Fährbrücke 8 liegen hinter ihm.

Frank Salewski beriet schon Filmleute

Frank Salewskis Wissen wird immer mal wieder nachgefragt. Vom Norddeutschen Rundfunk etwa. Oder vom Nachrichtensender ntv. Oder von Filmleuten. So beriet er etwa den Szenenbildner von „Dessau Dancers“, einem Streifen, der 2015 in die Kinos kam und vom Aufblühen des Breakdance im politisch nicht unproblematischen Umfeld der DDR berichtete. Er stand auch zusammen mit dem Choreografen und B-Boy-Legende Niels Robitzky alias „Storm“ am Filmset. Der beinahe schüchtern wirkende Frank „Salli“ Salewski kann wirklich viel berichten, von früher und von heute.

Frank Salewski als junger Breakdancer 1985 in der Sporthalle der Juri-Gagarin-Schule Stralsund Quelle: privat

MC Trix kommt nach Stralsund

Morgen moderiert Frank Salewski die Veranstaltung (Ticket kostet 7 Euro) zusammen mit MC Trix, der als Stimme des Hip Hop gilt, weil der Engländer bekannt ist für seine famos-energiegeladenen Ansagen und seine beeindruckende körperliche Präsenz. Dessen Credo lautet in etwa: Es ist alles Hip-Hop, egal welche Himmelsrichtung.

MC Trix moderiert in Stralsund Quelle: Albert Trix Thompson

Auf der Party mit den Melodics-Haudegen wird es unter anderen einen filmischen Streifzug durch die Zeit des „sozialistischen“ Breakdance geben. Ein Soundprogrammierer aus Dresden, Thomas Enge, gibt eine Synthie-Performance mit selbst gebastelten Tracks, die ein wenig an „Kraftwerk“ erinnern. Vor der Tür steht eine Graffiti-Wall, die von Profi-Sprayern live belebt wird.

Schon Freitag gibt es um 19.30 Uhr eine (kostenfreie) Lesung mit Frank Salewski im Stralsunder Grünen-Büro am Alten Markt 7. „Paradiesvogel – im grauen Alltag“ heißt das noch nicht gedruckte Werk von ihm. „Es ist ein Abriss meiner aktiven Breakdance-Zeit mit Kapiteln, die von Tänzern aus jener Zeit geschrieben wurden“, berichtet Salewski. Ebenso ist Dr. Leonard Schmiedling dabei, der das Buch „Das ist unsere Party – Hip-Hop in der DDR“ verfasst hat.

„Die Melodics waren bis zu sieben Leute, fast alle kommen morgen“, sagt Spiritus Rector Frank Salewski. Sie reisen aus den Regionen an, wohin sie die Zeit verschlagen hat: München, Hamburg, Dresden, Schleswig-Holstein. „Nach wie vor fasziniert mich, dass Hip-Hop eine weltweite Subkultur ist, die vor mehr als 40 Jahren in New York ihren Ursprung hatte.“ Noch immer lautet das weltweite Motto der B-Boys und B-Girls: Love, peace, unity and having fun.

Internationaler Battle in Rostock am 22. Juni

Dieses Motto gilt auch bei einem sogenannten Battle, bei dem Tänzer gegeneinander antreten, wo es durchaus emotional werden kann. Beim Internationalen Fishbattle am 22. Juni in Rostock (www.bcmv.de) ist so eine „Schlacht“ live zu sehen. In Rostock trifft sich die aktuelle Breakelite zu diesem Ereignis und es ist, wenn man jetzt frei konstruieren möchte, so etwas wie die Fortsetzung dessen, was vor 35 Jahren die Stralsunder Teenager in selbst genähten Klamotten tanzend angeschoben haben. „B-Boy zu sein, ist ein Lebensgefühl, das mich mich bis heute prägt“, sagt Salewski.

Klaus Amberger

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