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Stralsund DLRG: Zu wenig Kinder können schwimmen
Vorpommern Stralsund DLRG: Zu wenig Kinder können schwimmen
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06:00 18.01.2019
Schwimmen lernen mit Ausbilder Carsten Rosenberg (Mitte) im Schwimmlager Prerow der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Quelle: Thorsten Erdmann/DLRG
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Stralsund

Ist die Badesaison erst einmal vorbei, bedeutet das für die ehrenamtlichen Rettungsschwimmer der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) keinesfalls, dass sie sich ausruhen können. Im Winter steht Training und Ausbildung statt Wache schieben auf dem Plan. Das große Ziel: die Zahl der Nichtschwimmer zu reduzieren. Denn aktuell können fast 60 Prozent aller Zehnjährigen nicht sicher schwimmen – „für ein Tourismusland wie Mecklenburg-Vorpommern, mit seinen wunderschönen Binnenseen und den herrlichen Küstenabschnitten nicht hinnehmbar“, sagt DLRG-Landespräsident Knut Abramowski.

Für 2019 ist daher Folgendes angesagt: Es sollen mehr Ausbilder ausgebildet, zusätzliche Hallenzeiten, sofern das möglich ist, gebucht und neue Kontakte geknüpft werden. Eine nicht leicht zu bewältigende Aufgabe für die DLRG, die sich vorrangig über Mitgliedsbeiträge und Spenden finanziert. Umso wichtiger werden künftig Partner wie der Mineralwasserhersteller „Glashäger Brunnen“ aus Bad Doberan, der den Verein seit vergangenem Jahr unterstützt. Für das Traditionsunternehmen ist die Partnerschaft eine Herzensangelegenheit: „Ich war wirklich schockiert, als ich gehört habe wie viele Kinder nicht richtig schwimmen können“, sagt Marketingleiter Axel Schümann. Also laufe die 2018 gestartete Kampagne weiter.

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„Glashäger Brunnen“-Marketingleiter Axel Schümann (2. v. l.) übergibt Renaldo Hocher, Oliver Habel und Thorsten Erdmann von der DLRG den Spendenscheck. Quelle: Christian Rödel

Baderegeln knapp erklärt

Bestandteil dessen sei auch weiterhin nicht nur die finanzielle Unterstützung, sondern auch die Aufmerksamkeit für die Problematik zu erhöhen. Gemeinsam mit der DLRG habe Glashäger daher zehn Baderegeln für mehr Sicherheit aufgestellt, von denen drei knapp erklärt auf Flaschen gedruckt worden sind. Hinzu kam eine Aktion, bei der der Mineralwasserhersteller 10 Cent pro verkauften Kasten Wasser an die DLRG spenden wollte. Insgesamt 50 000 Kästen wurden gekauft. Damit konnte Schümann nun ein Scheck im Wert von 5000 Euro übergeben. „Eine große Hilfe für uns“, sagt Landesverbandssprecher Thorsten Erdmann und bedankt sich herzlich. Das Geld fließe in Hallennutzungsgebühren, in die Weiterbildung von Trainern und komme sozial schwächeren Familien zu Gute. Denn jedes Kind sollte die Möglichkeit erhalten, schwimmen zu lernen.

Etwa 800 Kindern hat die DLRG im vergangenen Jahr das Schwimmen beigebracht. Bis Ende 2019 soll die Zahl in den vierstelligen Bereich steigen. „Zu den Kleinen kommen ungefähr 100 Erwachsene, die ebenfalls durch uns schwimmen gelernt haben“, ergänzt Erdmann. Ihr Angebot umfasse nämlich nicht nur Babyschwimmen und die Rettungsschwimmerausbildung – auch Senioren und Eltern können lernen, sich über Wasser zu halten. Und das sei wirklich wichtig: „Mütter und Väter können ihren Kindern besser beibringen zu schwimmen, wenn sie es selber können.“

Sicheres Schwimmen ab Bronze

Doch ab wann gelten Schwimmer laut der DLRG überhaupt als sichere Schwimmer? „Ab dem Bronze-Abzeichen“, sagt Erdmann. Das Seepferdchen sei zwar eine wichtige Grundlage, bescheinige Kindern meist aber nur, dass er sich über Wasser halten kann. Eine Ursache, warum die Zahl der Nichtschwimmer so hoch ist, sei unter anderem das Bädersterben. „Davon ist MV nicht so stark betroffen wie andere Bundesländer.“ Hier stünden noch einige Schwimmhallen, Freibäder und in warmen Monaten auch die Ostsee zur Verfügung. Dennoch werde es genau wie in anderen Teilen Deutschlands manchmal knapp. In Stralsund zum Beispiel sei die Nachfrage so groß, dass Eltern ein halbes bis ganzes Jahr warten müssen, bis ihre Kinder einen Platz im Schwimmkurs ergattern.

Ebenso mit verantwortlich an der hohen Nichtschwimmer-Rate sei laut DLRG der nicht an allen Schulen stattfindende Schwimmunterricht. Deshalb arbeite der Verein auch daran, Sportlehrer weiterzubilden und sich für Möglichkeiten zum Schwimmen einzusetzen. Schließlich sei dies eine wichtige Basiskompetenz.„Es gibt also noch reichlich zu tun“, zieht Erdmann sein Fazit. Man könne sich nicht einfach auf den Erfolgen der vergangenen Jahre ausruhen – damit sei der gängige Scherz, dass Rettungsschwimmer während der Wintermonate nichts zu tun zu haben wohl hinreichend widerlegt.

Zahl der Badetoten hat sich verdoppelt

25 Menschensind 2018 in Mecklenburg-Vorpommern beim Baden an den Küsten, Binnenseen und Flüssen des Landes gestorben. Der jüngste Verunglückte war ein siebenjähriger Junge aus Grevesmühlen, der bei einem Feriengruppenausflug in einem See bei Thelkow (Landkreis Rostock) ertrank. Er konnte nicht schwimmen und wurde erst nach einer Suchaktion von Polizeitauchern gefunden.

Im Jahr 2017 wurden nur elf Badetote gezählt. Ein Grund für den starken Anstieg ist der monatelange Sommer.

Landesweit sind nach Angaben der Wasserschutzpolizei insgesamt 32 Menschen im Wasser verunglückt. Darunter sind auch Menschen, die nach hohem Alkohol­genuss in Seen oder Flüsse gestürzt und ertrunken sind.

Pauline Rabe

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