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Stralsund Der Zorn der Schiffbauer
Vorpommern Stralsund Der Zorn der Schiffbauer
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00:00 01.02.2014
Grimmige Gesichter, leere Hände: Die Werftarbeiter forderten gestern von Landesregierung, Oberbürgermeister und IG Metall mehr Einsatz.
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Stralsund

Es ist eisig gestern Mittag vor dem Tor der Stralsunder Volkswerft. Das Wetter sowieso, aber auch die Stimmung unter den noch verbliebenen 350 Arbeitern auf der Werft ist weit unter den Gefrierpunkt gesunken. Ihre Wut richtet sich vor allem gegen Wirtschaftsminister und CDU-Kreischef Harry Glawe und Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD).

Selbst Glawes Parteifreund, Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU), hielt mit seiner Enttäuschung nicht hinter den Berg. „Ich habe Wut“, wetterte das Stadtoberhaupt gegen die Landesregierung. Grund sei der Umgang mit den Werftarbeitern während der Insolvenzphase, die seit 17 Monaten andauert. Ihm und den Stralsundern sei in Schwerin immer versprochen worden, dass ein neuer Investor, der am Sund weiterhin Schiffe bauen will, Vorrang habe. „Ich kann nicht verstehen, dass man uns immer wieder vor den Kopf schlägt, ohne zu versuchen, den Schiffbau zu erhalten“, sagte Badrow, der mit seiner dunklen Dienstlimousine eilig von einem anderen Termin in Greifswald angerauscht kam, nachdem die IG Metall gestern spontan zu der Kundgebung vorm Werkstor aufgerufen hatte. 250 Werftarbeiter waren dem Appell der Gewerkschaft gefolgt.

Der IG Metall-Bevollmächtigte Guido Fröschke forderte Sellering auf, die Zukunft der Volkswerft „endlich zur Chefsache“ zu machen“. Noch am Mittwoch sei ihm und dem Betriebsrat der Volkswerft, Jürgen Kräplin, in Gesprächen mit den Fraktionen im Landtag sowie einer Runde in der Staatskanzlei zugesichert worden, dass der Schiffbau am Sund Priorität habe. Vorgestern, während der Debatte zur Zukunft der Werft im Landtag, habe Wirtschaftsminister Glawe plötzlich etwas von „nicht maritimen Investoren gefaselt“. Fröschke dazu wörtlich: „Die wollen uns wohl vergackeiern.“

Trotz der deutlichen Worte wollte ein Großteil der Arbeiter den Aussagen von Fröschke und Badrow nicht so recht glauben. „Wir haben viel zu lange still gehalten“, schallte es den beiden unter dem zustimmenden Gemurmel anderer Werftarbeiter entgegen. Grund für den zornigen Ausbruch der Schiffbauer war die Ankündigung Fröschkes, dass „wir ab nächster Woche hier richtig Rambazamba machen“, wenn die Landesregierung an ihrem Kurs, den Standort Stralsund zu zerschlagen, festhält. „17 Monate zu spät. Wir hätten viel eher protestieren müssen“, warfen die Beschäftigen Fröschke daraufhin vor. „Ihr habt zu lange mit der Landesregierung gekuschelt, damit die Politiker die Wahlen gewinnen können. Das können Sie sich auch auf Ihre Fahne schreiben, Herr Oberbürgermeister“, erwiderte ein zorniger Werftarbeiter aus der Menge auf die Reden von Fröschke und Badrow. „Was hier in den letzten Jahren gelaufen ist, ist eine Meisterleistung politischer Inkompetenz.“

Erhard Kruska, der seit 40 Jahren auf der Werft arbeitet, hat genug von den Widersprüchen: „Wir wollen wissen, warum unsere Schiffe so billig verkauft werden. Dabei hoffen wir immer noch, dass Frau Merkel einen Investor aus der Tasche zieht.“ Der Konstrukteur fordert von der Gewerkschaft mehr Einsatz. „Als 1996 der Bremer Vulkan untergegangen ist, haben wir die B 96 gesperrt. Das fehlt jetzt.“ Der Umweltschutzbeauftragte der Werft, Andre Voigt, ergänzt: „Wir hatten bisher kein Feindbild, gegen das wir protestieren konnten. Das wird nun mit der Landesregierung geschaffen.“

18. Friedensgebet für den Schiffbau
Jetzt nur nicht nachlassen ist das Motto des 18. Friedensgebetes für die Volkswerft am kommenden Montag um 19 Uhr in der Marienkirche.



In dem Aufruf heißt es: „Der Schiffbau gehört zum industriellen Gerüst der ganzen Region. Betroffen sind neben den Mitarbeitern der Volkswerft die Fremdfirmen, Zulieferer, Versorger, Einzelhändler — letztlich jeder!“



Wie betroffen gerade die Frauen sind, soll am Montag besonders deutlich gemacht werden. Ökumenische Christinnen, Frauen vom politischen runden Tisch und von der Sundine werden zu Wort kommen.

Die Friedensgebete für die Volkswerft sind seit Bekanntwerden der Insolvenz des Traditionsbetriebes Sprachrohr und haben ganz sicher zu Mut und Zuversicht beigetragen. Sie fanden und finden immer am ersten Montag eines jeden Monats statt.



Die Initiatoren sind die Kirchengemeinden der Stadt. Zum ersten Mal hatten sie für den 3. September 2012 zum Friedensgebet aufgerufen.



Eine dringende Petition der Kirchen, der Hansestadt, des Landkreises und der Belegschaften ging im vergangenen Monat als Notsignal an die Bundes- und Landesregierung.



Benjamin Fischer und Johanna Hegermann

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