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Stralsund Die Violine von 1889 nie im Koffer
Vorpommern Stralsund Die Violine von 1889 nie im Koffer
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00:05 03.03.2017
Zwischen Konzerten in Südafrika und China: Martin Panteleev am Barther Hafen. Quelle: Foto: Detlef Lübcke
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Barth

Das Festival der leisen Töne: Heute beginnen die 16. Barther Kammermusiktage – wie immer unter Leitung des Weltmusikers Martin Panteleev (40). Zuhause am Bodensee, reiste der gebürtige Bulgare dazu bisher mit seiner Familie an. Diesmal kam der Dirigent, Geiger und Komponist jedoch ohne Frau und Kinder.

Weshalb sind Sie in diesem Jahr allein gekommen?

Meine Tochter Moana besucht inzwischen das Gymnasium. Dort darf sie nicht so lange im Unterricht fehlen. Drei Tage hätte sie frei bekommen, aber nicht zehn. In den letzten Jahren kam es häufiger vor, dass Moana und mein achtjähriger Sohn Martin in den Auftrittsorten die Schule besuchten, während meine Frau und ich in Deutschland Konzerte gaben.

Dann ist die Familie erstmalig nicht mit in Barth dabei?

Doch, nur nicht während des gesamten Festivals. Meine Frau Lida und die beiden Kinder kommen zu den letzten beiden Konzerten. Sie werden voraussichtlich am Donnerstag anreisen.

Sie geben auf der ganzen Welt Konzerte. Wann haben Sie Ihre Familie zum letzten Mal gesehen?

Bevor ich mich auf den Weg nach Barth gemacht habe. Aber nur kurz. Ich kam da gerade von einem Konzert mit dem Cape Town Philhermonic Orchestra aus Kapstadt zurück. Zuletzt für ein paar Tage zusammen waren wir über Weihnachten und den Jahreswechsel.

Oha, Südafrika. Ist am anderen Ende der Welt nicht gerade Sommer?

Ja, richtig heiß ist es dort zurzeit. In Kapstadt hatte ich Temperaturen um 30 Grad.

War der Temperaturumschwung dann nicht relativ krass, als Sie in Deutschland aus dem Flugzeug stiegen?

War er. Das bin ich gewöhnt. Im vergangenen Jahr bin ich auf vier Kontinenten aufgetreten. In Barth ist es ja gegenwärtig auch schon fast frühlingshaft. Ich habe dort zu den Kammermusiktagen schon Jahre erlebt, in denen es um diese Zeit eisig kalt war.

Hätten Sie Ihre Lieben jetzt gern um sich?

Natürlich sehne ich den Tag herbei, an dem sie kommen. Aber so viel Zeit wäre eh nicht für gemeinsame Unternehmungen gewesen. Das wäre zwar schön, aber die Arbeit geht vor. Das Publikum soll die Konzerte genießen können.

Aber Sie haben ja gewissermaßen nun erst mal durch Ihren Bruder familiären Ersatz . . .

Oh ja. Er reist heute an, war gerade mit seinem Orchester auf einer Asien-Tournee. Ich habe meinen Bruder schon lange nicht mehr getroffen. Es ist sehr selten, dass wir gemeinsam ein Konzert geben.

Daher ist es eine große Freude für mich, dass wir es trotz seiner und meiner Engagements geschafft haben, in Barth gemeinsam aufzutreten.

Wie lange proben Sie für die Barther Konzertabende?

Der Tag ist im Prinzip mit Proben ausgefüllt.

Gab es vorher schon eine Gelegenheit, mit den Künstlerkollegen zu proben?

Nein, das war nicht möglich, weil alle Solisten auf der ganzen Welt unterwegs sind. Jeder bereitet sich zunächst allein vor. Gemeinsam wird dann erst nach der Anreise geprobt.

Wie oft treffen Sie sich dazu?

Wir haben ein sehr anspruchsvolles Programm. Mindestens drei Proben müssen sein. Es gibt Orchester, die können und müssen mit nur einer Probe auskommen, auch wegen der finanziellen Mittel.

Auch die ganz großen Orchester dieser Welt?

Auch die. Ich war zum Beispiel vor Kurzem bei dem Royal Philharmonic Orchestra in England. Wir haben zusammen am 21. September um 19.30 Uhr ein Konzert und ich habe mich nach den Terminen zum Proben erkundigt. Wie ich erfuhr, gibt es nur einen Termin, und zwar am 21. September, also an dem selben Tag, um 16 Uhr (lacht).

Für eine gute Konzert-Violine soll ja ein Vermögen draufgehen. Haben Sie eine oder für den Fall, dass sie mal abhanden kommen sollte, mehrere?

Meine Violine ist eine französische von 1889. Ich habe meine ganzen Ersparnisse in sie investiert und hoffe nicht, dass sie mal wegkommt. Das ist mir zum Glück noch nie passiert. Ich habe sie über einen guten Geigenbauer. Er war auch mein Lehrer in Bulgarien. Sie ist aber nicht so wertvoll wie die meines Bruders. Er spielt eine Violine, die im Moment auf acht Millionen Euro geschätzt wird. Diebe hätten allerdings kaum Chancen, sie zu verhökern. Die Violine ist bei Interpol und beim FBI registriert.

Sicherlich nur mit weißen Handschuhen benutzbar?

Ich würde es nicht wagen, sie zu berühren (lacht).

Dann haben Sie Ihr Instrument auf Flugreisen bestimmt immer am Mann?

In den Koffer kommt sie nicht. Ich habe sie immer im Handgepäck dabei. Immer mehr Airlines wollen derlei Handgepäck jedoch nicht befördern, weil es angeblich zu groß sei. Ich sollte unlängst bei einer Billig-Airline für die Violine ein Extra-Ticket lösen, für 600 Euro, während das eigentliche Flugticket nur 40 Euro kostete. Das ließ sich aber, zum Glück, verhindern.

Worauf freuen Sie sich in Barth?

An erster Stelle freue ich mich einfach, hier zu sein. In Barth entdeckt man die Musik auf ganz anderen Ebenen. Dieses spontane Miteinander macht die Musik noch lebendiger. Alle fünf Konzerte sind besonders, ich freue mich auf jedes. Alle haben Topsolisten. Peter Vogel reist extra nur für einen Abend an, fliegt danach sofort wieder weiter. Er hat für mich ein paar sehr schöne Soli komponiert. Darüber bin ich sehr glücklich.

Wie schaffen Sie es, Musikerkollegen, die ebenfalls in den großen Häusern Konzerte geben, ins kleine Barth zu locken?

Sie kennen Barth nicht. Auch die Gage zählt nicht. Sie machen das aus freundschaftlicher Verbundenheit und um den Zuhörern etwas Schönes zu bieten. Alle Solisten waren bisher begeistert und würden wieder nach Barth kommen. Es ist für uns alle ein Fest. Deshalb passt der Name Festival richtig gut.

Wo treten Sie nach den Barther Kammermusiktagen auf?

In China.

Können Sie Chinesisch?

Man braucht nicht so viele Worte. Die Musik ist so eine universale Sprache, die stärkste Sprache zwischen den Menschen auf der ganzen Welt.

Interview: Detlef Lübcke

Fünf Konzertabende am Barther Hafen – heute beginnen Kammermusiktage

Künstler aus aller Welt spielen vom 3. bis 11. März unter Leitung Martin Panteleevs im Hotel Speicher direkt am Barther Hafen Sinfonien aus Klassik und Jazz. Die fünf Konzertabende werden vom örtlichen Art-Club Martin Panteleev organisiert und unterstützt.

Heute: Eröffnungsabend mit Werken von Bach, Vivaldi, Mendelssohn; Solist: Vesko Eschkenazy, Konzertmeister beim Royal Concertgebouw Orchester, Amsterdam.

Samstag, 4. März: Klavierabend „Fantasie“, Werke von Schumann, Brahms, Chopin, Liszt, Berg, Skriabin; Solist: Antonio di Cristofano.

Mittwoch, 8. März: „Jazz trifft Klassik“, Crossover mit Peter Vogel und Ensemble, Vorprogramm vom Schulorchester des Gymnasialen Schulzentrums Barth und dem Hausmusikkreis Barth.

Freitag, 10. März: „Zugabe“, Werke von Mozart, Beethoven, Brahms, Tschaikowski; mit Lida und Martin Panteleev.

Samstag, 11. März: „Zauberflöte“, Werke von Bach, Bizet (Borne), Tschaikowski; Solisten: Mario Carbotta und Lida Panteleev

Restkarten: Für den 4., 8. und 10. März sind Tickets erhältlich in der Barth-Information und an der Abendkasse.

OZ

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