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Stralsund Die hässliche Seite des Quartier 17
Vorpommern Stralsund Die hässliche Seite des Quartier 17
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06:21 30.06.2015
Der Innenhof  in der obersten Etage des "Quartier 17" in Stralsund wirkt wie eine Geisterstadt. Das Gras wuchert kniehoch, viele Büros stehen augenscheinlich leer.
Der Innenhof in der obersten Etage des "Quartier 17" in Stralsund wirkt wie eine Geisterstadt. Das Gras wuchert kniehoch, viele Büros stehen augenscheinlich leer. Quelle: Stefan Sauer
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Stralsund

Das Quartier 17 im Herzen der Altstadt wirkt auf den ersten Blick wie der hippe und schicke Gebäudekomplex, als der er verkauft wird. Doch wer genauer hinsieht, entdeckt auch die andere, die hässliche Seite des Ensembles. Die vielen Gerätschaften auf den Häusern passen eher zu einer Industrieanlage als zum historischen Welterbe. Direkt unterhalb der Aufbauten wuchert kniehohes Gras auf der weitläufigen Terrasse, der Innenhof mit mehreren leeren Gewerberäumen ähnelt einer Geisterstadt.

Das Bürgerkomitee „Rettet die Altstadt“ hat jetzt die Aggregate auf dem Gebäude kritisiert. In einem Beitrag der Vereins-Zeitung „Giebel & Traufen“ fragt Autorin Ingrid Kluge: „Müssen technische Zutaten an Bauten immer so hässlich sein?“ Sie stört, dass Gerätschaften, die zum Beispiel zum Belüftungssystem gehören, weithin sichtbar sind. Insbesondere der Blick von der Heilgeiststraße sei nicht vorzeigbar.

Die Firma TLG Immobilien aus Berlin, die den Komplex gebaut hat und ihn jetzt vermarktet, sieht keinen Anlass dazu, die Aufbauten künftig zu verbergen. „Eine moderne Bauweise und Gebäudetechnik bringt das leider mit sich. Insbesondere bei Lüftungs- und Klimageräten kann auf Grund der nötigen Luftzirkulation nur mit erheblichem Aufwand eine Verkleidung hergestellt werden“, sagt Sprecher Christoph Wilhelm.

Viele Fragen wirft auch der Innenhof auf dem Dach des Quartier 17 auf, der so gar nicht zur grünen Wohnoase passen will, die im Internet beworben wird. Die Stimmung wirkt wie in einer Geisterstadt. Das Gras wuchert kniehoch, die Platten am Boden wackeln bei jedem Schritt. Von den Gewerbe- und Wohneinheiten in dem Rondell steht ein großer Teil augenscheinlich leer. Die Hausmeister müssen regelmäßig die Wasserhähne in den verlassenen Räumen aufdrehen, damit sich keine Bakterien in den Leitungen breitmachen.

Die TLG teilt dazu mit, dass es in letzter Zeit bei den Wohnungen zu „ersten Mieterwechseln“ kam – gemeint sind Kündigungen. „Ebenfalls befinden sich noch die letzten Praxis- oder Büroflächen in der Vermietung mit teilweise vielversprechenden Mietinteressenten“, sagt Sprecher Christoph Wilhelm.



Alexander Müller