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Stralsund Diese Einsätze brachten die Feuerwehren in Vorpommern 2019 ins Schwitzen
Vorpommern Stralsund

Diese Einsätze brachten die Feuerwehren in Vorpommern 2019 ins Schwitzen

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09:34 05.01.2020
Ende Juni 2019 brach zwischen Karlshagen und Peenemünde ein Feuer im munitionsbelasteten Waldgebiet aus. Rund 150 Feuerwehrleute kamen zum Einsatz.  Quelle: Hannes Ewert
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Peenemünde/Wustrow

Brandgefährliches Vorpommern: Im vergangenen Jahr wurden die Feuerwehren zwischen Ribnitz-Damgarten und Usedom zu einigen spektakulären Einsätzen gerufen worden. Ob im munitionsbelasteten Gebiet oder auf dem Schrottplatz: Ein Überblick über die eindrucksvollsten Rettungsmanöver.

150 Einsatzkräfte beim Waldbrand auf Usedom

Zu den größten Bränden der jüngeren Geschichte gehört auf der Insel Usedom der Waldbrand zwischen Karlshagen und Peenemünde. Aus ungeklärter Ursache brannte Ende Juni 2019 auf einer Fläche von rund vier Hektar der Wald. Das Problem: Die Flammen befanden sich in einem gesperrten, munitionsbelasteten Gebiet und so war es für die Einsatzkräfte zunächst gar nicht so einfach, zu löschen.

In einem Wald bei Peenemünde ist ein Brand ausgebrochen. Weil das Gebiet stark munitionsbelastet ist, steht die Feuerwehr vor großen Problemen. Quelle: Hannes Ewert

Nach Rücksprache mit allen zuständigen Behörden durfte dann gelöscht werden. Am Einsatz waren rund 150 Einsatzkräfte von weiten Teilen der Insel und dem Festland beteiligt. Die Deutsche Bundesstiftung (DBU) gehört die Flächen. Im Spätsommer bedankte sich die Stiftung in Karlshagen mit einem großen Grillfest bei allen Kameraden für den Einsatz. Das Feuer loderte 24 Stunden im Wald. Nachlöscharbeiten wurden dann von Mitarbeitern der Forst erledigt.

Scheune mit Oldtimern brannte auf Rügen

Mitte Juni stand in Gagern eine Scheune in kürzester Zeit im Flammen. 68 Einsatzkräfte waren an dieser Brandbekämpfung beteiligt, darunter die Feuerwehren aus Kluis, Trent, Gingst, Samtens, Dreschvitz, Bergen sowie Mitglieder der Amtsfeuerwehr. „Wir mussten die Schläuche von Gagern bis Gagern-Ausbau legen. Deshalb waren wir froh, dass uns ein Landwirt aus dem Ort sofort Hilfe angeboten hat“, sagte damals der Einsatzleiter Mathias Brandt von der Feuerwehr Kluis.

In Gagern ist eine Scheune bis auf die Grundmauern abgebrannt. 68 Einsatzkräfte aus Bergen, Dreschvitz, Gingst, Samtens, Trent, Kluis und Mitglieder der Amtsfeuerwehr West-Rügen waren im Einsatz. Quelle: Feuerwehr

In dem Behälter auf seinem Anhänger befanden sich 10 000 Liter Wasser. „Dies haben wir für die Erstbekämpfung genutzt, bis die Schläuche ausgelegt waren“, sagte er. Den Feuerwehrleuten gelang es, ein Übergreifen auf andere Gebäude zu verhindern, die Scheune war jedoch nicht mehr zu retten. Laut Polizei waren zu diesem Zeitpunkt aber keine Menschen in Gefahr. Besonders tragisch: Eine Tischlerwerkstatt, antike Möbel, drei historische Traktoren und zwei Oldtimerautos befanden sich im Gebäude. Dadurch ist ein Schaden von rund 370 000 Euro entstanden.

Brennende Wackerower Hainbuche für Löscharbeiten gefällt

Diese Hainbuche wuchs bereits zu Zeiten von Caspar David Friedrich (1774-1840), im vergangenen Jahr wurde das stattliche Naturdenkmal der Gemeinde Wackerow unwiederbringlich zerstört. Der etwa 300 Jahre alte Baum am Flemmingberg wurde am letzten Aprilwochenende in Brand gesetzt – und dann für die Löscharbeiten von der Feuerwehr gefällt. Der Alternative Träger des Nobelpreises, Michael Succow, kritisierte die Fällung als voreilig. Die Feuerwehr habe nicht lange genug um den Baum gekämpft.

Abgeholzte Hainbuche am Flemingberg in Wackerow. Quelle: Martina Rathke

Der damalige Bürgermeister Manfred Hering (CDU) stellte sich demonstrativ vor die Feuerwehrtruppe. Zunächst vermuteten Anwohner, dass Kinder mit Böllern an dem Baum gezündelt hatten. Umso überraschender dann die Polizeimeldung vom Oktober: Gegen einen 31-jährigen Mann aus Sundhagen wurde Haftbefehl erlassen. Er soll für 16 Brandstiftungen in und um Greifswald verantwortlich sein, darunter auch die Brandstiftung an der Hainbuche. In Wackerow soll in den kommenden Monaten ein Ersatz gepflanzt werden.

Schrottplatz-Brand bei Stralsund wurde zur Hitzeschlacht

Dieser Brand wird vielen Menschen im Gedächtnis bleiben. Denn die dunkle Rauchsäule, die am letzten Sonntag Ende Juni hoch über Duvendiek stand, war kilometerweit zu sehen und erschreckte so auch viele Stralsunder. Auf dem Schrottplatz von Unternehmer Detlef Salomon hatten sich mehrere Autos selbst entzündet. In kurzer Zeit standen bis zu 400 ausrangierte Pkw in Flammen. Für die Brandbekämpfer entwickelte sich eine Hitzeschlacht. Immer wieder explodierten Airbags.

Ein Drohnen-Video zeigt, wie verheerend war das Feuer auf dem Schrottplatz in Duvendiek war. (Screenshot) Quelle: Stefan Sauer

Heiß war allen Löschkräften, die von kurz nach 10 Uhr bis gegen 19.30 Uhr bei 34 Grad im Schatten mit dem Feuer kämpften. „Zwei Feuerwehrmänner erlitten aufgrund der Hitze einen Schwächeanfall, aber ansonsten haben wir den Einsatz unbeschadet“, sagte der Nieparser Feuerwehr-Chef Matthias Horn. „Das war ein krasser Einsatz – und die reinste Materialschlacht.“

Am nächsten Tag beherrschte die Farbe Grau das Gelände, die Fahrzeuge waren völlig ausgebrannt und nur noch Sondermüll. Die Polizei schätze den Schaden auf rund 24 000 Euro. Unternehmer Salomon, der am Brandtag 58 Jahre alt wurde, war froh, dass niemandem etwas passiert war. „Das war der heißeste Geburtstag meines Lebens...“

Einfamilienhaus brennt in Elmenhorst

Für das Elmenhorster Ehepaar war es der Schock ihres Lebens: Anfang Dezember brannte das Einfamilienhaus, in dem sie wohnten. Das Dachgeschoss des Hauses stand aufgrund eines Kabelschadens plötzlich in Flammen. Dichter Rauch drang aus den Fenstern. Dutzende Einsatzkräfte von mehreren Feuerwehren, Rettungsdienst und Polizei eilten in das Dorf zwischen Grimmen und Stralsund. Darunter waren die Kameraden aus Elmenhorst selbst, aber beispielsweise auch die Grimmener Wehr. Beim Eintreffen der ersten Feuerwehrleute hatte die Frau mit ihrem Hund bereits das Haus verlassen und wurde im Rettungswagen behandelt.

Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Grimmen bringen die Drehleiter in Stellung.  Quelle: Raik Mielke

Inzwischen brannte das gesamte Obergeschoss. In der engen Dorfstraße war es schwierig, den Einsatz zu koordinieren. Das tonnenschwere Tanklöschfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Grimmen blieb beim Versuch, es auf dem sandigen Randstreifen zu parken, sogar stecken. Dennoch konnte die Wasserversorgung vorerst über das Fahrzeug abgesichert werden. Danach allerdings wird sogar Wasser aus dem Pool des Nachbarn genutzt, um die Flammen zu bekämpfen. Es entstand ein Schaden von mehr als 200000 Euro.

Traditionshotel in Wustrow in Flammen

22.30 Uhr: Die Restaurantmitarbeiter des Ostseehotels Wustrow bereiten gerade das Frühstück für die Gäste für den nächsten Morgen vor, als am späten Freitagabend des 14. Junis ein Gast an die Küchentür klopft. Eigentlich wollte der Mann nur noch ein letztes Bier trinken. Stattdessen informiert er die Mitarbeiter darüber, dass es in einer Ecke des reetgedeckten Hotels brennt. Was folgt, ist einer der größten Feuerwehreinsätze in der Region Ribnitz-Damgarten der vergangenen Jahre.

Mehr als 100 Feuerwehrleute waren beim Brand im Ostseehotel in Wustrow im Einsatz. Quelle: Robert Niemeyer/Carolin Riemer

Mehr als 100 Einsatzkräfte der Feuerwehren der Region kämpfen stundenlang gegen die Flammen. Zu retten ist das Traditionshotel auf dem Fischland nicht mehr. 71 Gäste werden in der Nacht evakuiert und auf umliegende Unterkünfte verteilt. Verletzt wird glücklicherweise niemand. Der Sachschaden: rund zwei Millionen Euro geschätzt. Die Brandursache: offenbar ein technischer Defekt.

Für die Hotelbetreiber hat das Unglück katastrophale Folgen. Buchungen müssen storniert werden, an die Urlaubssaison 2020 ist nicht zu denken. Mitarbeiter werden freigestellt. Doch schon wenige Tage nach dem Brand gibt sich Hotelchef Hendrik Schinkmann zuversichtlich. Das Ostseehotel wird wieder aufgebaut und soll 2021 wieder eröffnen.

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Von OZ

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