Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Stralsund Filetierte Dorsche im Moorteich entsorgt
Vorpommern Stralsund Filetierte Dorsche im Moorteich entsorgt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
04:45 24.10.2018
Die Idylle am Moorteich in Stralsund kann auch trügerisch sein. Rund um den Teich hinterlassen unvernünftige immer wieder Unrat.
Die Idylle am Moorteich in Stralsund kann auch trügerisch sein. Rund um den Teich hinterlassen unvernünftige immer wieder Unrat. Quelle: Jörg Mattern
Anzeige
Stralsund

Gerhard Zaade wollte seinen Augen nicht trauen. Was da im seichten Wasser des Moorteichs schwamm, waren Fischabfälle. Der Vorsitzende des Vereins Stralsunder Angelfreunde sagt: „Vor allem gehörten diese Reste zu Dorschen, einer Fischart, die im Moorteich gar nicht vorkommt, sondern nur im salzigen Wasser der Ostsee.“

Fischreste von acht bis zehn Dorschen entdeckt

Für den Vereinschef, der am vergangenen Freitagabend durch einen Angler informiert worden war, stand fest: „Hier hat einer illegal Tierkörper entsorgt.“ Zaade informierte die Polizei, die sich am Sonnabend den Fall vor Ort anschaute – an der Angelstelle hinter dem Carl-Heydemann-Ring in Höhe eines Einkaufsmarktes. Was da an Fischresten gefunden wurde, entsprach etwa acht bis zehn Dorschen. „Kopf und Schwanz hingen noch an den Gräten, nur die Filets waren säuberlich abgetrennt“, sagt Gerhard Zaade, der sich über diese Form illegaler Entsorgung sehr ärgert. „Die Mitglieder unseres Vereins halten Uferbereiche und Angelstellen an den Stadtteichen mit viel ehrenamtlichem Aufwand sauber“, betont der Vereinschef. Bei Arbeitseinsätzen wurden schon alte Kühlschränke und Fahrräder aus dem Moorteich gezogen, Gartenabfälle aus dem Uferbereich entfernt. „Aber das hier ist die Krönung“, sagt Zaade. „Da diese Fische ja nicht im Moorteich heimisch sind, besteht die Gefahr, dass Fischkrankheiten eingeschleppt werden.“ Für ihn ist dieser Fall daher absolut kein Kavaliersdelikt.

 Ärger auch beim Veterinäramt des Landkreises

Bei der Polizeiinspektion Stralsund bestätigt Sprecherin Stefanie Peter, dass zu der illegalen Entsorgung am Moorteich eine Anzeige gegen Unbekannt nach dem Ordnungswidrigkeiten-Gesetz wegen des Verstoßes gegen das Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz gefertigt wurde. Jedoch ermittelt die Polizei in diesem Fall nicht selbst. „Für Ordnungswidrigkeiten sind die Ordnungsbehörden zuständig“, sagt die Polizeisprecherin.

Geldbuße bis 100 000 Euro

Etwa 80 Mitgliederhat der Verein der Stralsunder Angelfreunde 2005. Dazu gehört auch eine aktive Kinder- und Jugendgruppe. Die Angelfreunde betreuen die Stralsunder Stadtteiche und halten die Angelstellen sowie die Uferbereiche sauber.

Seit 2017 vermittelt der Verein in Lehrgängen auch das Wissen für den Fischereischein, ohne den nicht geangelt werden darf.

Im Moorteich können viele Fischarten geangelt werden vom Aal bis Zander, darunter auch Karpfen, Barsche und Welse, aber: keine Dorsche.

Illegale Abfallentsorgung wird über das Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz als Ordnungswidrigkeit in schweren Fällen mit Geldbußen von bis zu 100 000 Euro geahndet.

Kontakt Stralsunder Angelfreunde: www.angelfreunde-hst.de

Beim Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern heißt es: nicht zuständig. Immerhin gibt es hier die Vermutung, dass wegen der Gefahr von Fischkrankheiten das Veterinäramt zuständig sein könnte. Dr. Leonore Lange, Leiterin des Fachdienstes Veterinärwesen und Verbraucherschutz des Landkreises Vorpommern-Rügen, kann den Anglern immerhin die Angst vor der Ausbreitung von Fischkrankheiten nehmen. „Zum einen ist diese Gefahr gering, da See- und Süßwasserfische nicht die gleichen Krankheiten entwickeln“, weiß die Veterinärin. Andererseits seien derzeit auch keine Fischseuchen bekannt, die ein Eingreifen des Veterinäramtes erforderlich machen müssten. Dennoch ärgert sich auch Leonore Lange über die Unvernunft von Menschen, die offenbar einen Eimer voll Fischabfällen zum Moorteich schleppen, anstatt ihn in die Mülltonne vorm Haus zu entsorgen, wo er hingehöre.

Jährlich über 100 Fälle illegaler Abfallentsorgung im Kreis

Mülltonne ist denn auch das Stichwort für Olaf Manzke, Sprecher der Kreisverwaltung Vorpommern-Rügen: „Wir haben ein funktionierendes Abfallsystem, für Haus-, Bio, und Sperrmüll, wo sich nahezu alles über die bereits entrichteten Müllgebühren fachgerecht und ohne zusätzliche Kosten entsorgen lässt.“ Dennoch geht ein Team des Landratsamtes jährlich mehr als 100 Fällen illegaler Abfallentsorgung nach, zu denen auch das heimliche Versenken der Fischabfälle am Moorteich gehört. „Wir sind für Hinweise dankbar, die zur Aufklärung dieses Falles beitragen“, sagt Olaf Manzke und bittet Zeugen, sich über den Bürgerservice, Telefon 03831/3571000, an den Fachdienst Umwelt zu wenden oder ihre Hinweise mittels formloser E-Mail unter poststelle@lk-vr.de an das Landratsamt zu senden.

Gerhard Zaade indes ist erst einmal verärgert. „Wir haben seit 2017 im Verein schon weit über 100 Angelfreunde in Lehrgängen für den Fischereischein ausgebildet. Da lernt man Fischabfälle illegal zu versenken bestimmt nicht“, grantelt der 57-Jährige und hofft, dass es gelingt, den Verantwortlichen zur Verantwortung zu ziehen.

Jörg Mattern