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Stralsund Drama im Stralsunder Tierheim: Katzenseuche ausgebrochen
Vorpommern Stralsund Drama im Stralsunder Tierheim: Katzenseuche ausgebrochen
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14:00 13.11.2019
Im Stralsunder Tierheim ist die Katzenseuche ausgebrochen. Die verbleibenden Stubentiger stehen bis auf Weiteres unter Quarantäne. Quelle: Kai Lachmann
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Stralsund

„Zuerst lag eine Katze am Morgen tot in ihrem Raum. Das kommt mal vor“, blickt Stralsunds Tierheimleiterin Kathrin Scheurich ein paar Wochen zurück. „Aber am Tag darauf war die nächste Katze tot. Da sind wir stutzig geworden.“ Kotproben wurden genommen und im Labor untersucht. Während Scheurich und ihre Kollegen auf die Ergebnisse warteten, verendeten immer mehr Katzen. „Manchmal drei oder vier am Tag“, berichtet sie.

21 Katzen sind zwischen Mitte und Ende Oktober gestorben – fast die Hälfte der Miezen, die auf ein neues Zuhause gewartet haben. Grund für das Drama ist die Katzenseuche Panleukopenie. Die Überlebenschancen von ungeimpften Katzen sind gering. Auch Kitten, deren Immunsystem noch nicht sonderlich stark ist, sind stark gefährdet. Eine Todesrate von 50 Prozent des Bestandes sei noch gut, habe man ihr gesagt, so Scheurich. Oft würden gar 75 Prozent so einen Ausbruch nicht überleben.

Infizierte Tiere sterben binnen kurzer Zeit

Warum so viele? Bis sich die Symptome zeigen, kann es bis zu zehn Tage dauern. Nachdem die Krankheit ausgebrochen ist, geht es mit dem Tier innerhalb kurzer Zeit zu Ende. Die Katzen fressen einen Tag lang nicht, krampfen, die Nieren hören auf zu arbeiten, Durchfall läuft permanent hinten raus, die Katzen dehydrieren und sterben. Geimpft werden können Jungtiere erst ab der achten Woche und der Schutz wird auch erst nach 14 Tagen wirksam.

Für Menschen ungefährlich

Der Erreger der Katzenseuche, das Feline-Panleukopenie-Virus, kommt weltweit und in allen Katzenpopulationen örtlich begrenzt vor. Die Inkubationszeit beträgt zwei bis zehn Tage. Häufige Symptome sind Müdigkeit und Apathie sowie hohes Fieber (bis 41 Grad Celsius), Durchfall, Erbrechen, Schmerzen im Bauchbereich und Verweigerung der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme.

Je nach Krankheitsverlauf kann der Tod binnen weniger Stunden eintreten.Besonders gefährdet sind ungeimpfte Jungkatzen, Katzen mit Auslauf, Katzen in Tierheimen, -pensionen oder -kliniken. Die Infektion erfolgt sowohl durch direkten Kontakt der Katzen untereinander als auch über Kot und Erbrochenes. Für Menschen besteht kein Infektionsrisiko. Für einen effektiven Schutz sollten Katzenwelpen unbedingt im Alter von acht und zwölf Wochen erstmalig geimpft werden.

Spendenkonto:Tierheim Stralsund, Betreff: Katzenseuche, DE 03 1505 0500 0100 0742 43 , Sparkasse Vorpommern, PayPal: tiernotaufnahme-stralsund@t-online.de. Dringend benötigt werden auch Sachspenden: nicht klumpendes Katzenstreu, Einmalhandschuhe, Händedesinfektion, Krankenunterlagen, Flächendesinfektion, wenn es wirksam gegen Parvoviren ist, sowie Flüssigfleischnahrung.

Woher das Virus kommt, ist nicht klar. Wahrscheinlich von einem abgegebenen Fundtier. „Die kommen bei uns erst mal 14 Tage in Quarantäne“, erzählt die Leitern. Jedoch sei es gut möglich, dass das für Menschen und übrigens auch für Hunde ungefährliche Virus über Mitarbeiter an andere Katzen übertragen wurde. „In der Vergangenheit hatten wir viele Katzenjunge, die wir mit der Falsche aufgezogen haben.“ Der Übertragungsweg von einer infizierten zu einer gesunden Katze war also nicht weit.

Kosten: 250 Euro am Tag

„Bei großen Tieren lassen sich die Infektionen heilen“, sagt Scheurich. Infusionen, Medikamente, Antibiotika für die Behandlung von Begleitkrankheiten seien dafür notwendig. Das gehe natürlich ins Geld. Die Kosten summierten sich fürs Heim auf 250 Euro pro Tag. Doch der Erfolg ist sichtbar: Seit Anfang November ist keine Katze mehr gestorben.

Das Tierheim hat außerdem weitere Maßnahmen ergriffen: Alle Vermittlungskatzen stehen bis Ende des Jahres unter Quarantäne. „Wenn sie die Krankheit überstanden haben, sind sie noch sechs Wochen lang Ausscheider“, sagt die Tierheimleiterin. Das heißt, über ihre Exkremente kann der Virus noch übertragen werden.

Tierheimleiterin Kathrin Scheurich kümmert sich, so gut es geht, um die Katzen. Sie hofft, dass der Seuchenausbruch bis zum Ende des Jahres ausgestanden ist. Quelle: Kai Lachmann

Im Notfall erst einmal anrufen

Die Mitarbeiter achten zudem verstärkt auf Desinfektion. Beim Betreten des Hauptgebäudes und von Katzenräumen werden Schuhsohlen von Bakterien befreit. Potenziell infiziertes Inventar, wie Kratzbäume, haben die Mitarbeiter entsorgt. Die verbliebenen Katzen wurden geimpft und sind somit ein Jahr geschützt. Zudem gibt es einen Vermittlungsstopp: Bis Ende des Jahres werden Katzen weder angenommen noch abgegeben. Für Hunde gilt das nicht. „Wenn es zu einem Notfall kommt, dann bitte erst mal bei uns unter Tel. 038 31 / 305 318 anrufen“, meint Scheurich.

Das gelte auch, wenn Leute dem Tierheim Sachspenden zukommen lassen wollen. Denn neues Mobiliar ist zwar nötig, aber jetzt noch nicht. Denn sollte eine Katze, die das Virus noch in sich trägt, sich zum Beispiel an einem Kratzbaum austoben, müsste dieser sofort wieder entsorgt werden, damit sich nicht weitere Tiere daran infizieren.

Deshalb sind die Räume, in denen die Katzen noch ausharren müssen, auch nur sehr spartanisch eingerichtet. Schaut man einem dieser Stubentiger in die Augen, vermag man am Ausdruck feststellen, dass den Miezen die Situation gehörig auf die Nerven geht.

Die Katze sieht nicht gerade begeistert aus. Bis zum Ende des Jahres muss sie aber noch in Quarantäne bleiben. Quelle: Kai Lachmann

Keine Gefahr für die nähere Umgebung

Olaf Manzke, Sprecher des Landkreises Vorpommern-Rügen, beurteilt nach Rücksprache mit der Amtstierärztin die vom Tierheim ergriffenen Maßnahmen als sinnvoll und ausreichend. Eine Gefahr für die Katzen in der näheren Umgebung bestehe nicht.

Für das Tierheim ist das natürlich eine tragische Situation. Darüber hinaus ist sie aber nicht beunruhigend.“ Weitere Ausbrüche der Katzenseuche sind dem Landkreis nicht bekannt.

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Von Kai Lachmann

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