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Stralsund Ein Stralsunder Maler und seine beinahe unendliche Geschichte
Vorpommern Stralsund Ein Stralsunder Maler und seine beinahe unendliche Geschichte
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11:34 24.04.2019
Zehn Jahre und immer wieder noch ein Pinselstrich: Eckhard Buchholz und sein Schill-Gemälde. Quelle: Carsten Schönebeck
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Stralsund

Das berühmte Zitat des preußischen Offiziers Ferdinand von Schill muss man in diesem Fall wohl etwas anpassen: Kein Ende mit Schrecken, aber ein Bild ohne Ende ist es geworden, was der Stralsunder Maler Eckhard Buchholz da erschaffen hat. Schill, hoch zu Roß und im Kampf mit französischen Truppen hat er in Öl auf eine Leinwand gebannt. „Jetzt ist es fertig“, sagt Buchholz, auch wenn die Signatur rechts unten auf der Leinwand andeutet, dass er sich den Abschluss seines Werkes nicht leicht gemacht hat.

Wer Buchholz Atelier im Osten der Stadt besucht, der steht zunächst vor einer unscheinbaren Doppelhaushälfte. Durchs Gartentor, am Eingang vorbei, ein paar Meter weiter und ums Eck öffnet sich die Glastür in einen gefliesten Raum voll Farbe, Bildern und Zigarettenrauch. Mittendrin ein kleiner Tisch und zwei Korbstühle. Saftgläser, Zeitungsschnipsel und ein Aschenbecher. Auf der anderen Seite des Raums ein großer Fernseher. Nein, er und seine Frau hätten einfach andere Vorlieben, was das Programm betrifft. Sie schaue dann drüben im Wohnzimmer und er eben im Atelier. Bewegte Bilder, historische Dokumentationen flimmern dann durch seine kleine Welt. Das passt. Bewegung und Dynamik finden sich in vielen seiner Bilder, die durchaus dokumentarischen Charakter haben.

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Rauch über dem Sammelsurium

Historische Motive vom Mittelalter bis zur Moderne beschäftigen ihn seit vielen Jahren. Buchholz sitzt auf dem Korbstuhl, die Zigarette hat er mal eben auf dem Aschenbecher abgelegt, um mit beiden Händen seine Worte zu unterstreichen. Er erzählt vom Triptychon, einem dreigeteilten Gemälde, dass er mit Motiven der Deutschen Einheit gestaltete. Vom Wikinger-Zyklus, Störtebeker, der Schlacht an der Raxa und anderen Szenen der Geschichte. Immer wieder drückt sich der 78-Jährige aus dem Stuhl. Zwei, drei Schritte hinüber zu den Leinwänden die in kleinen Stapeln an der Wand lehnen. Zwei, drei Handgriffe, dann hat er was er sucht. Zieht eines der Bilder heraus und erzählt. Irgendwie ja auch Historisch, das Gemälde eines sinierenden Herren vor einem Schachbrett: „Der hier, das war der größte Strolch von Stralsund“, sagt er und lacht. Ein Hochstapler, der sich mit falschen Titeln geschmückt hatte und bei ihm ein Portrait in Auftrag gegeben hatte. Das Bild war fertig, doch die Geschichte flog auf und bis heute steht die Leinwand im Atelier.

Die historische Malerei lässt den Stralsunder Künstler einfach nicht los. Quelle: Carsten Schönebeck

Kommerziell war Buchholz malerische Leidenschaft nicht immer vom Erfolg gekrönt. Na klar, die eine oder andere Geschichte kann er auch erzählen vom unverhofften Käufer, von Summen, die ihn selber überrascht haben. „Aber die meisten sagen ja: Buchholz du bist verrückt. Konzentrier’ dich doch auf maritime Malerei. die verkauft sich“, sagt er mit einem Grinsen. Ein bisschen verrückt darf man als Künstler schließlich sein. Trotzdem ist es noch gar nicht lange her, dass er verkündete: „Das ist zwar mein Lebenswerk, aber jetzt ist das Thema Historie durch.“ Aber das Lebenswerk lässt ihn eben doch nicht los. Und auch die Kampfszene zwischen Preußen und Franzosen in Stralsund hat ihn über die Jahre wieder und wieder beschäftigt.

Schlacht-Gemälde in Kriegszeiten

Das Schill-Gemälde – eigentlich ein naheliegendes Motiv für den gebürtigen Stettiner, der seit seiner Kindheit in Stralsund lebt. Aber leicht ist es dann eben doch nicht gefallen. Die historischen Details wie Kleidung und Architektur seiner Werke erarbeitet er gemeinsam mit dem Historiker Lutz Mohr. Aber das ist bei solchen Szenen ja nicht die einzige Hürde. Pferde, Menschen, Schlachtgetümmel. „Jede Figur muss ja anders sein“, erklärt er. Seit rund zehn Jahren jedenfalls stand das Gemälde schon in seinem Atelier und wer nicht genau hinschaut, könnte übersehen, dass sich immer wieder Details veränderten. Mehr Licht, mehr Bewegung beim Pferd, Details in den Gesichtern. Jetzt aber, glaubt Buchholz, sei es fertig. „Sowas macht ja heutzutage keiner mehr“, glaubt Buchholz und fremdelt doch ein wenig mit seinem Werk. Ein bisschen besorgt sei er ja, dass seine Leidenschaft für das historische mißverstanden wird. „Ich will ja nicht, dass einer denkt: ’Es gibt so viel Kriege in der Welt und der malt solche Kampfszenen.’“, sagt er.

Carsten Schönebeck