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Stralsund Eltern sauer: 90 Euro mehr für Ganztagsverpflegung in der Kita
Vorpommern Stralsund Eltern sauer: 90 Euro mehr für Ganztagsverpflegung in der Kita
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00:00 09.05.2014
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Stralsund

Im nächsten Jahr kommt es für Eltern, die ein Kind in der Kita haben, richtig dicke: Bis zu 90 Euro im Monat müssen sie mehr zahlen. Grund dafür ist das neue Kinderförderungsgesetz (Kifög). Mit dem schreibt das Land den Trägern der Kindereinrichtungen vor, Frühstück, Mittagessen, Vesper und Obstpause anzubieten. Und all jene, die einen Ganztagsplatz gebucht haben, zahlen diesen Mehrbetrag von rund vier Euro täglich auch komplett, ob sie wollen oder nicht.

„Toller Ansatz. Aber das allen als ein Muss überzustülpen, geht gar nicht. Die Finanzierung lastet komplett auf den Schultern der Eltern. Der Betrag wird sich verdoppeln, da bisher nur für Mittagessen und Getränke gezahlt wird“, kann sich Anne Leufgen nicht mit dem Gesetz anfreunden. Die 38-Jährige ist Vorsitzende des Elternrates in der Kita Knieperdamm in Stralsund. „Hinter dem Gesetz steht sicher eine gute Absicht. Aber die Realität sieht anders aus. Denn die Kosten verteilen sich ungerecht. Wieder mal zu Lasten der Eltern“, sagt Rainer Hoppenrath. Der Vorsitzende des Elternrates der Stralsunder Kita „Lütt Matten“ fragt sich, warum das Land das Geld für die Ganztagsverpflegung nicht komplett für alle Kinder zur Verfügung stellt. „Wenn Schwerin so eine Idee hat und was Gutes tun will, muss es auch genügend Geld dafür zur Verfügung stellen“, sagt Rainer Hoppenrath und ergänzt: „Der Staat sprudelt doch angeblich vor Steuereinnahmen. Die kann man für die Vollverpflegung nutzen. Eine gute Chance, den Politikern mal eine echte Diät zu verpassen, damit dieses Geld bei denen angelegt wird, die es wirklich benötigen, nämlich bei den Kindern. Mein Kreuz der Partei, die das auf der Agenda hat.“

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Auch viele Kita-Träger sind vom Landes-Vorstoß nicht erbaut. „Es gibt hohe hygienische Anforderungen, wenn ich alle Mahlzeiten in der Kita anbiete. Das geht los bei einem Edelstahl-Tisch, gefolgt von großen Kühlschränken, Geschirrspülern, Waschbecken zum Gemüseputzen bis hin zu den Lagerkapazitäten für die Lebensmittel“, zählt Udo Hinze auf. Der Geschäftsführer des Internationalen Bundes sieht hier große Investitionen auf die Träger zukommen. „Ich habe das mal für die Kita ,Lütt Matten‘ durchgerechnet. Da müssen 33 000 Euro in die Hand genommen werden. Doch von diesen nötigen Investitionen spricht kein Mensch. Wir haben allein in Stralsund acht Einrichtungen. Da kann man schnell überschlagen, über welche Summen wir da reden.“ Dabei sei das Personal, das sich um das Essen kümmert, noch nicht einmal berücksichtigt. Außerdem platzen schon jetzt viele Kitas aus allen Nähten. Man bekomme also auch ein räumliches Problem, das nach Änderung des Betreuungsschlüssels (im Moment ein Erzieher für 16 Kindergartenknirpse) ohnehin schon mächtig drückt.

Der IB-Chef, der sich auch im Landes-Jugendhilfeausschuss engagiert, betont, dass die Kita-Träger vorab nicht angehört wurden. „Wir haben auf die Probleme aufmerksam gemacht. Immer wieder. Aber das wollte keiner hören. Frau Schwesig wollte zum Abschied noch etwas Gutes tun. Und so wurde das Kifög letztes Jahr noch vor der Sommerpause durchgewunken. Das ist jetzt Gesetz. Wer nun noch etwas ändern will, muss klagen“, so Udo Hinze. Doch nicht alle Kita-Eltern und Kita-Träger erwischt es jetzt kalt. „Wir haben schon seit vier Jahren Vollverpflegung in unseren Häusern“, sagt die Chefin der Arbeiterwohlfahrt in Stralsund und Grimmen. „Wir haben das aber gut und langfristig gemeinsam mit den Eltern vorbereitet. So konnte das Ganze wachsen. Und jetzt sind alle froh über das Ergebnis.“

Für rund drei Euro am Tag bekommen die Eltern das Komplettpaket. „Wir haben versucht, die Kinder mit einzubinden. So helfen sie beim Einkaufen. Und die Großen schmieren sich ihre Stullen selbst, lernen auch, Obst zu schneiden“, berichtet die Awo-Geschäftsführerin über die guten Erfahrungen.



Ines Sommer

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