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Stralsund Erst zu Frau Merkel, dann zum Kreistag
Vorpommern Stralsund Erst zu Frau Merkel, dann zum Kreistag
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02:28 15.05.2014
Ingulf Donig, SPD, Landtagsabgeordneter Quelle: Fotos: OZ
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Stralsund

Erst Debatte zur Lage von MV, Deutschland und der Welt, dann Abstimmung über Hilfen für die Freiwillige Feuerwehr: Unter den Kandidaten für den nächsten Kreistag befindet sich viel Polit-Prominenz aus der Bundes- und Landespolitik. Sechs Männer und Frauen aus SPD und CDU, die auf der Karriereleiter weit nach oben geklettert sind, kämpfen bei der Kommunalwahl um einen Sitz im Kreistag von Vorpommern-Rügen. Wenn sie künftig zwischen Berlin, Schwerin und Stralsund hin und her fahren, dann pendeln sie auch zwischen politischen Welten.

Auch Landeswirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) will in den nächsten fünf Jahren weiter in der Kommunalpolitik mitmischen. Seit 1990 sitzt der gebürtige Greifswalder in den Regionalparlamenten.

„Meine Heimat ist und bleibt Vorpommern. Mir ist es wichtig, auch künftig vor Ort etwas zu bewegen. Auf der Ebene der Kommunalpolitik werden Entscheidungen getroffen, die landesweit Relevanz haben“, sagt der 60-Jährige, der vor seiner politischen Karriere als Krankenpfleger arbeitete. Der knappe Terminkalender eines Ministers setzt ihm jedoch Grenzen. „Es sind Kompromisse und ein strukturierter Alltag nötig. Ich kann nicht auf allen Hochzeiten gleichzeitig tanzen“, sagt Glawe.

Diese Erfahrung musste auch die Stralsunderin Sonja Steffen (50) machen, die für die SPD in Bundes- und Kreistag sitzt. „Am Anfang habe ich versucht, überall zu sein. Dann merkte ich, dass mich das kaputt machen würde“, sagt die Anwältin. Mittlerweile hat sie einen klaren Plan: Während der Sitzungswochen des Bundestags weilt sie in der Hauptstadt, die restliche Zeit im Nordosten. Die Werftenrettung sei ein gutes Beispiel, wie sehr Kommunal- und Bundespolitik miteinander verbunden sind. „Da hat es viele Gespräche in Berlin gegeben. Wenn nicht Bund, Land und Kommunen zusammengearbeitet hätten, gebe es die Rettung so heute wohl nicht.“

SPD-Kollegin und Landtagsmitglied Susann Wippermann aus Ribnitz-Damgarten glaubt, mit Mandaten in Land- und Kreistag ihre Heimat am besten unterstützen zu können. Beispielsweise will sie die Außenstellen der Kreisverwaltung in der Bernsteinstadt erhalten. „Als Kreistagsmitglied ist man eher Erfüllungsgehilfe der Verwaltung, im Landtag hat man wesentlich mehr Einflussmöglichkeiten, zum Beispiel direkt ins Gesetzgebungsverfahren einzugreifen“, sagt die 42-Jährige Der Marlower Heino Schütt (CDU) hat in seinem Leben schon viele politische Stationen hinter sich. Der gelernte Bauhandwerksmeister war Bürgermeister seiner Heimatstadt, Kreistagspräsident in Nordvorpommern und geht jetzt im Schweriner Schloss ein und aus — ohne seine Wurzeln aus den Augen zu verlieren. Im Fall seiner Wiederwahl in den Kreistag will der 69-Jährige sich für den Ausbau der Radwege und die Sanierung der Landstraße im Ortsteil Alt Guthendorf einsetzen. „Kommunalpolitik sollte jeden Landespolitiker interessieren.“ Ähnlich sieht es sein Stralsunder CDU-Kollege Detlef Lindner. „In der Kommunalpolitik ist man oft näher dran an den Themen. Das schätze ich an der Arbeit“, sagt der 50-Jährige.

Der Rügener SPD-Landtagsabgeordnete Ingulf Donig will die Landespolitik auf Kurs bringen, wenn sie nicht zu den Interessen seiner Heimat passt. „Hier muss man vermittelnd wirken und sich im Landesparlament für seinen Kreis stark machen“, sagt der 61-Jährige.

6 Kandidaten für den Kreistag von Vorpommern-Rügen haben ein Mandat im Land- oder Bundestag. Insgesamt kämpfen laut Landeswahlleiterin 319 Bewerber um die 69 zu vergebenden Sitze im Regionalparlament. Das Gremium wird für fünf Jahre gewählt.
2418 Kommunalpolitiker bewerben sich am 25. Mai um die Sitze in den Kreistagen der Landkreise sowie den Bürgerschaften der kreisfreien Städte in Mecklenburg-Vorpommern. In den sechs Kreistagen und in Rostock sowie Schwerin sind 520 Mandate zu besetzen.
77,2 Prozent der Bewerber werden von den im Bundestag und Landtag vertretenen Parteien CDU, SPD, Linke, FDP, Grüne und NPD gestellt. Der Rest kommt aus kleineren Parteien und Wählergruppen oder tritt als Einzelbewerber an.
Wenn ich versuche überall zu sein, dann macht mich das kaputt.“Sonja Steffen, für die SPD im Bundestag
Enges Rennen um Sitze in den Kreistagen des Landes
Meine Heimat bleibt Vorpommern. Ich will hier etwas bewegen.“Harry Glawe, CDU-Wirtschaftsminister



Alexander Müller

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