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Stralsund FLokS: Dieser neue Verein will die Stralsunder Lokschuppen retten
Vorpommern Stralsund FLokS: Dieser neue Verein will die Stralsunder Lokschuppen retten
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11:00 10.09.2019
Blick auf das Bahnhofsgelände mit den Stralsunder Lokschuppen im Jahr 2019. Quelle: Ludwig Meier
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Stralsund

Die historischen Ringlokschuppen am Stralsunder Bahnhof sollen gerettet werden. Dafür macht sich seit Ende 2018 jetzt ein neuer Verein stark. Die derzeit neun Mitglieder des Fördervereins Lokschuppen Stralsund (FLokS) setzen sich für den Erhalt der Baudenkmäler auf dem ehemaligen Areal der Bahn ein. Ihr Ziel: Mitgestalten, Stralsunder Eisenbahn- und Technikgeschichte erlebbar machen, Nutzungspotenziale aufzeigen und – die historische Bausubstanz retten. „Stralsund hat schon viele bedeutende Bauten verloren“, sagt Marianne Störmer (69), Vorsitzende des neuen Vereins. „Wie den Wasserturm und das Stellwerk R2.“ Beide Bauwerke wurden 1995 abgerissen.

Drohnenvideo zeigt schlechten Zustand

Kaputte Dächer, demontierte Drehscheiben, Einsturzgefahr: Bei diesem Anblick müssen Eisenbahn-Freunde ganz stark sein.

Vor diesem Schicksal sollen die Lokschuppen bewahrt werden. Doch die Zeit drängt. Der Zustand ist bedenklich, wie ein Drohnenvideo aus dem Mai 2019 zeigt. Denn die Gebäude stehen schon lange leer. Bereits 1994 wurde die Nutzung des Lokschuppen 1 beendet – nach mehr als 100 Jahren. In Betrieb genommen wurde der zunächst vierständige Lokschuppen 1879. Mittlerweile liegen auch die anderen Schuppen seit fast 20 Jahren brach. Die Stilllegung des gesamten Betriebswerkes erfolgte 2001. Bei zwei Gebäuden sind die Dächer eingestürzt, die Drehscheiben wurden entfernt. „Die Substanz der Wände scheint noch in Ordnung“, sagt Marianne Störmer. „Wir haben auch das Verwaltungsgebäude von einem Architekten begutachten lassen. Auch dort ist die Substanz noch gut.“ Die technikbegeisterte Naturwissenschaftlerin würde historischen Sonderzügen in Stralsund gern wieder eine Heimat bieten. Doch dafür braucht es die Drehscheiben. „Über die Anschaffung haben wir als Verein schon nachgedacht“, sagt Störmer.

Idee für Lokschuppen: Kulturzentrum und Jugendeldorado

Sie wollen die Lokschuppen wieder mit Leben füllen: Marianne Störmer (69), Carsten Zillich (82) und Kathrin Glawe (53). Quelle: Kay Steinke

„Denkmalschutz ist nur dann erfolgreich, wenn man eine Nutzung hat“, erklärt FLokS-Mitglied Carsten Zillich. Der 82-jährige Stralsunder kennt die Probleme. 11 Jahre lang war er Leiter der Stadtplanung. „Wir stellen uns etwas aus dem Sozial-, Museums- oder Kulturbereich vor“, sagt Zillich. „Der jüngste Lokschuppen, der auch der größte ist, könnte ein Veranstaltungszentrum werden, für Konzerte, Ausstellungen und Kongresse. Der Älteste könnte ein Jugendeldorado werden, mit Proberäumen für Bands.“ Die Stralsunder Eisenbahnfreunde sind selbst an einem kleinen Stellwerk interessiert. „Als Vereinsgebäude“, sagt Störmer.

Hansestadt hat noch kein Planungsrecht

So sieht der Lokschuppen drei von Innen aus. Quelle: Walter Krassow

Doch noch ist unklar, wann genau die Entwicklung des Geländes beginnen kann. Immerhin: Das Areal mit den drei Lokschuppen befindet sich seit Mai im Besitz der LEG (Liegenschaftsentwicklungsgesellschaft der Hansestadt Stralsund), die es von der Deutschen Bahn AG erworben hat. Bis zum Eintrag ins Grundbuch bleibt die Deutsche Bahn AG jedoch Eigentümerin des Grundstücks. Bis dahin müssen durch die Eigentümerin noch Oberleitungen verlegt und die Fläche als Bahnbereich entwidmet werden. Solange hat die Hansestadt noch kein Planungsrecht. „Natürlich ist das Ziel, möglichst alle drei Lokschuppen zu erhalten“, sagt Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU). „Gemeinsam mit dem Landkreis sind wir mitten in der Ideenentwicklung. Die Fläche hat ein enormes Entwicklungspotenzial und ist alles andere als klein. Da bleibt Raum für viele Vorschläge. Im kulturellen und sportlichen Bereich oder für die behördliche Nutzung.“

Genau da will FLokS mitmischen. „Wir werden unsere Ideen einbringen“, sagt Störmer. Dabei wollen die Eisenbahn-Freunde auch die Funktionalität der Anlage schützen. Mit Sorgen guckt die FLokS-Vorsitzende auf das Zuführungsgleis. „Dieses ist gefährdet“, erklärt sie. „Die Bahn will eine ICE-Waschanlage bauen. Dafür wird ein neues Ausziehgleis benötigt. Es könnte das ganze Gelände durchschneiden.“

Das Stralsunder Bahnbetriebswerk

Am 1. November 1863 wurde der Eisenbahnknotenpunkt Stralsund an das preußische Bahnnetz angeschlossen. Am gleichen Tag eröffnete mit der Hafenbahn die Verbindung zum Seehafen.

Einen zweiten Bahnanschluss erhielt die Hansestadt am 1. Januar 1878 mit Inbetriebnahme der Nordbahn Berlin-Neubrandenburg-Stralsund. 1879 ging der Lokschuppen 1 in Bertieb.

Mit Aufnahme des Fährverkehrs Sassnitz – Schweden stiegen die Anforderungen an die Betriebswerkstatt weiter. Lokschuppen 2 wurde mit 18 Ständen erbaut. Lokschuppen 3 mit 12 Ständen und einer 23-Meter-Drehscheibe folgte 1921.

Der reguläre Betrieb des Lokschuppen 1 endete 1994. Die Stilllegung des gesamten Betriebswerkes erfolgte 2001.

Mehr Infos über den Lokschuppen und die FLoks-Vereinsarbeiten finden Sie unter im Internet unter: http://www.floks-mv.de

Mehr zu Kay Steinke lesen Sie hier.

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