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Stralsund Fairtrade-Stadt: Stralsunder Ausschuss lehnt ab
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Fairtrade-Stadt: Stralsunder Ausschuss lehnt ab

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14:30 18.01.2020
Solch ein Logo hätte Stralsund bekommen können. Der Bauausschuss allerdings votierte gegen die Initiative. Quelle: dpa/transfair Logo Fair Trade Stadt Muster
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Stralsund

Rostock und Schwerin sind es, seit Anfang Januar auch Greifswald. Doch geht es nach dem städtischen Ausschuss für Bau, Umwelt, Klimaschutz und Stadtentwicklung, wird Stralsund nicht die vierte Stadt in Mecklenburg-Vorpommern, die sich mit dem Logo „Fairtrade-Stadt“ schmücken darf. Mit nur drei Ja- gegen sechs Nein-Stimmen wurde am Donnerstagabend ein entsprechender Antrag von SPD, Grünen, Linke und offener Liste abgelehnt.

Worum geht es dabei? Fairtrade, also fairer Handel, soll dafür sorgen, dass „bessere Preise für Kleinbauernfamilien sowie menschenwürdige Arbeitsbedingungen für Beschäftigte auf Plantagen in Entwicklungs- und Schwellenländern“ erreicht werden, heißt es beispielsweise auf der Internetseite des Vereins Transfair, neben Gepa GmbH der wohl bekanntesten Initiative in Deutschland in diesem Bereich. Klassischerweise kommen einem dabei Produkte wie Schokolade, Kaffee oder Orangensaft in den Kopf, doch gemeint sind auch Gold, Blumen, Kosmetik oder Fußbälle, die nicht selten von Kindern in Indien und Pakistan genäht werden.

Fünf einfache Kriterien

Will eine Stadt verstärkt auf fairen Handel achten und sich mit einem entsprechenden Logo dafür auszeichnen lassen, muss sie dafür laut Transfair mehrere Kriterien erfüllen, die nicht sonderlich streng sind. 1. Die Kommune verabschiedet einen Ratsbeschluss zur Unterstützung des fairen Handels. 2. Eine Steuerungsgruppe wird gebildet, die auf dem Weg zur Fairtrade-Stadt und darüber hinaus die Aktivitäten vor Ort koordiniert.

3. Im Einzelhandel und der Gastronomie werden mindestens zwei Produkte aus fairem Handel angeboten. Abhängig von der Einwohnerzahl hätten dies in Stralsund zwölf Geschäfte und sechs Gaststätten sein müssen. 4. Schulen, Vereine und Kirchengemeinden setzen Informations- und Bildungsaktivitäten zu fairem Handel um und bieten Produkte aus fairem Handel an. 5. Die Steuerungsgruppe macht Öffentlichkeitsarbeit über die Aktivitäten zum Thema Fairtrade. Die Kriterien sind bewusst einfach gehalten, weil sie einen Anfang darstellen sollen.

Kritik von AfD und Bürgern für Stralsund

Allerdings kritisierte auf der Ausschusssitzung zum Beispiel Ulrich Grösser (AfD) Fairtrade-Logos allgemein. Die Kriterien, nach denen sie vergeben werden, seien zu leicht zu erfüllen, zudem sei nicht folgerichtig, dass Fairtrade auch zu besseren Arbeitsbedingungen führe. Grösser verwies auf entsprechende Artikel in der Wochenzeitschrift Die Zeit.

Auch Thomas Haack von der Fraktion Bürger für Stralsund fielen mehrere Argumente dagegen ein: Die Stadt solle den Schwerpunkt lieber auf Regionalität setzen, forderte er. Zudem regte der Ausschussvorsitzende Hendrik Lastovka an, während der Bürgerschaftssitzungen könne ja fair gehandelter Kaffee ausgeschenkt werden. Haack entgegnete scherzhaft, er hätte lieber fair gehandeltes Bier.

Letztlich halfen auch die erklärte Bereitschaft des Klimaschutzbeauftragten Stephan Latzko, sich um das Projekt anfänglich zu kümmern, und die inhaltlichen Ausführungen pro Fairtrade von Jürgen Suhr (Grüne) nichts: Die Mehrheit im Ausschuss lehnte den Antrag ab. Das letzte Wort hat die Bürgerschaft. Sie tagt wieder am 30. Januar.

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