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Stralsund Düsterer (Tanz-)Blick in die Zukunft
Vorpommern Stralsund Düsterer (Tanz-)Blick in die Zukunft
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13:30 18.06.2019
„Choreos / kurios“, eine Aufführung der Jugend-Compagnie von Perfom(d)ance. Für das Ensemble war es in dieser Formation die letzte gemeinsame Inszenierung. Quelle: Christian Rödel
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Stralsund

Werden wir in naher Zukunft wie Marionetten von Maschinen und deren künstlicher Intelligenz (KI) zu ferngesteuerten menschlichen Wesen gemacht? Werden uns bald implantierte Chips im Körper das Denken abnehmen und uns zu willfährigen Staatsbürgern degradieren?

Menschen mit roboterhaften Bewegungen

Diese Fragen konnten dem Publikum schon durch den Kopf gehen, als es die Premiere des Tanzstückes „ Choreos / kurios“ von der Perform(d)ance-Compagnie in der Alten Eisengießerei erlebte. Insbesondere die Choreografie „Messer, Scissors, Fork and Light“ von Dajana Voß und Stefan Hahn zeichnete ein dystopisches Zukunftsbild von der Welt, in der Menschen mit roboterhaften Bewegungen durch den Alltag marschieren, im Gleichschritt getaktet und hektisch agierend.

Menschenpark im biotechnologischen Zeitalter

Bewegen sich die Erdenbürger demnächst wie in einem sogenannten Menschenpark, wie der Philosoph Peter Sloterdijk das Leben im anbrechenden biotechnologischen Zeitalter einmal zynisch zu umschreiben versuchte? Die Antworten auf diese und ähnliche Fragen nach der ethischen Ausrichtung von Zukunftstechnologien blieben zwangsläufig offen – eine Nachdenklichkeit jedoch hallte nach.

Dajana Voß und Stefan Hahn verabschiedeten mit dieser Choreografie die Jugendcompagnie von Perform(d)ance und gaben ihnen nach eigener Aussage noch einmal die Gelegenheit, bevor sie in die Welt zum Studium oder zur Berufsausbildung hinaus ziehen, all ihre „Energie und Leidenschaft in einem kollektiven Rausch des gemeinsamen Grooves in tänzerische Bewegungen umzusetzen“. Das ist den Choreografen und ihrem Ensemble mit einer kraftvollen Performance in Form und Inhalt uneingeschränkt gelungen.

Das wahre Abbild des eigenen Ichs

In der zweiten Choreografie „frontfacebackface“ des ehemaligen Tänzers vom Theater, Nathan Cornwell, trugen die Menschen Strümpfe auf den Köpfen, um ihre Gesichter vor der Welt zu verbergen. Nach Auffassung des Choreografen hat der Mensch drei Gesichter: Das erste offenbart er der Welt, das zweite zeigt er nur seinem engsten persönlichem Umfeld. Das dritte kennt niemand außer ihm selbst, und dieses ist das wahre Abbild des eigenen Ichs. Soweit zum theoretisch intellektuellem Unterbau des Tanzstückes, in dem sich die handelnden Personen natürlich früher oder später die Masken vom Kopf rissen, um sie wenig später wieder aufzusetzen. Dieses eindrucksvolle Wechselspiel mit der Janusköpfigkeit des Menschen hatte Tiefe und rührte an den Abgründen der Seele, die sich zu schützen versucht.

Choreografie von leichter Hand

Selbstschutz wovor? In erster Linie wohl vor psychischen Verletzungen, die sich Menschen allenthalben zufügen. Die fragilen Figuren der Tänzerinnen mit ihren weißen Strumpfmasken in den dunklen Kostümen vor dem nächtlich schwarzem Bühnenhintergrund bewegten sich geschmeidig schwebend. Trotz der gedanklichen inhaltlichen Schwere des Stückes hat Nathan Cornwell die Bewegungen der Protagonistinnen mit leichter Hand angelegt und so wurde diese Chorografie zum Ende der Aufführung zu einer anmutig fließenden Welle von bemerkenswerter Ästhetik.

Mit einem ebenfalls nicht ganz einfachen Thema setzten sich an diesem Abend auch die jüngsten Darsteller der Perform(d)ance-Compagnie auseinander und beschäftigten sich mit dem Leben obdachloser Kinder und Jugendlicher. In dem altersübergreifenden Stück „draußen“ ließ die Tanzpädagogin und Choreografin Dörte Bähr ihre Eleven aus der Region Barth in einer Umgebung voller leerer Pappkartons auftreten. Das hatte zunächst etwas spielerisch Leichtes, bevor ein kleines Mädchen auf ihrer Geige eine traurige Melodie spielte und der Tragik des Lebens auf der Straße einen authentischen Unterton verlieh.

Christian Rödel

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