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Stralsund Das ist das Schmuckstück des Stralsund Museums
Vorpommern Stralsund Das ist das Schmuckstück des Stralsund Museums
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18:05 15.08.2019
Maren Heun, Leiterin des Stralsund Museums, schwärmt von ihrer kleinen Außenstelle. Vom Keller bis zum Lastenrad unterm Dach lassen sich hier Spuren der Bewohner aus Jahrhunderten entdecken. Quelle: Jörg Mattern
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Stralsund

Das Museumshaus in der Mönchstraße 38 feiert Geburtstag. Vor 20 Jahren überließ die Deutsche Stiftung Denkmalschutz das von ihr sorgsam restaurierte Gebäude dem damaligen Kulturhistorischen Museum der Hansestadt. Für das heutige Stralsund Museum ein guter Anlass, das Jubiläum mit einer Festwoche zu feiern.

Und so bliesen die Mitglieder der Gruppe Gryffenhain am Dienstag vor dem Museumshaus ordentlich in ihre Dudelsäcke und schwangen die Trommelstöcke, um Passanten auf das Ereignis aufmerksam zu machen. Maren Heun, Leiterin des Stralsund Museums, lud derweil ein zu einem Rundgang vom Keller bis zum Dach ein. „Hier lassen sich auf Wänden und Decken die Spuren der Bewohner aus Jahrhunderten verfolgen“, sagte die Museumschefin und bewundert die Arbeit der Restauratoren.

Diese haben in der einstigen Schwarzen Küche im ersten Stock sogar verrußte Staubfäden mit Haarspray konserviert, die von den Deckenbalken wie kleine Stalaktiten herabhängen. An anderen Stellen im Haus finden sich Tapentenschichten aus vielen Jahrzehnten samt einst untergeklebter Zeitungen, deren Frakturschrift noch zu lesen ist. Von der Kunst der Wand- und Deckenverzierung aus Zeiten, in denen Tapeten nicht üblich waren, künden ornamentale Malereien. Freigelegt in einer Wand des Treppenhauses findet sich der Seitenstein eines alten Kamins. In Vitrinen liegen Fundstücke aus verschiedenen Zeiten, die bei den Restaurationsarbeiten unter den Hausdielen gefunden wurden.

Porträts der Kaufmannsfamilie von Kathen

In der sogenannten Hübschen Stube des Hauses hängen zwei Porträts der Kaufmannsfamilie von Kathen. Die Nachfahren von Gottfried und Margarethe von Kathen hatten diese dem Museum 1999 zur Eröffnung des Museumshauses zunächst als Kopien übergeben. Einhergehend mit der Übergabe erging damals die verbindliche Zusage, dass das Museum die Originale als Erbschaft zugesprochen bekäme. „Nun hängen sie wieder hier, wo sie vermutlich einst ihren Platz hatten“, sagt Maren Heun. Gottfried Kathe, der später geadelt wurde, starb 1698.

Haus war früher Warenlager

Über schmale Treppen windet sich die Führung weiter in die oberen Stockwerke. Hier wird die eigentliche Bestimmung des Hauses sichtbarer, das vor allem als Warenlager genutzt wurde. „Gewohnt wurde dereinst zumeist im Kemladen auf der Hausrückseite“ erläutert die Museumsleiterin. Den Kemladen gibt es nicht mehr. Er wurde wegen Baufälligkeit abgerissen. An seiner Stelle steht nun ein Treppenhaus mit zeitgemäßen Fluchtwegen.

In den Vitrinen der Lagerräume künden original erhaltene Frachtbriefe an die Kaufmannsfamilie Niejahr aus der Zeit um 1900 von der andauernden Nutzung als Handelshaus. Und ganz oben unterm Spitzdach findet sich dann tatsächlich noch eine Attraktion des Hauses – ein original erhaltenes Aufzugsrad, mit dem über einen Schacht in der Mitte des Hauses Säcke und Kisten in die Lagergeschosse gehievt wurden.

Zeitreise durch die Jahrhunderte

Das Giebelhaus Mönchstraße 38 ist nachweislich eines der ältesten der Stadt Stralsund. Jedenfalls stammen die Deckenbalken im Kellerbereich aus dem Jahre 1320. Das Gebäude besitzt noch zwei Ausbauten (niederdeutsch: Utlucht), die aus dem 18. Jahrhundert stammen und so wie heute als Verkaufsräume genutzt wurden.

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts gehörte das mittelalterliche Haus Kaufmann Gottfried Kathe. Friedrich Theodor Most, der dort eine Zigarren- und Tabakhandlung betrieb, erwarb es im Jahre 1857. Später besaß Kaufmann H. W. Niejahr Haus und Laden. Neben Tabakwaren verkaufte er auch Lebensmittel. Auf einem Werbeschild am rechten Ausbau warb er für den Verkauf von Maggi.

Im Jahre 1994 übergab eine Erbengemeinschaft das kulturgeschichtlich wertvolle Haus der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Eine äußerst vorsichtige Sanierung begann. Ziel war es, alle Umbauten und die Spuren der natürlichen Abnutzung zu erhalten. Hier fanden Restauratoren stellenweise bis zu 40 Tapetenschichten übereinander. Für den Besucher des Museumshauses wird so die unterschiedliche Nutzung des Hauses über Jahrhunderte nacherlebbar.

Eine der Hauptattraktionen des „kleinen Museums“ ist das funktionsfähige gotische Aufzugsrad, das zu den ältesten Nordeuropas gehört.

Eine kulinarisch Reise in das Mittelalter mit Katrin Hoffmann und Ralf Kasten von „Die Suppenmacher“ ist am heutigen Donnerstag, 17 Uhr, ein Höhepunkt des Festprogramms „20 Jahre Museum im Krämerhaus“. Eintritt: 8 Euro. Teilnahme: Maximal 20 Personen.

Öffentliche Führungen stehen am Freitag um 11, 14 und 16 Uhr im Programm. Die Maximalteilnehmerzahl liegt bei 20 Personen. Am 17. August werden diese jeweils umm 11 und 14 Uhr angeboten. Um 16 Uhr heißt es am Samstag dann öffentliche Führung mit Mittelalter Schnack.

„Taps, taps durch die Jahrhunderte“ heißt die öffentliche Führung für Kinder am Sonntag, 11 Uhr. Mususmsdirektorin Maren Heun lädt dann um 12 Uhr zur öffentlichen Führung ein. Und wer vor dem Kaffee noch auf eine Zeitreise durch die Jahrhunderte unternehmen will, kann dies für 14 Uhr einplanen.

Katrin und Peter Hoffman vom Strandläuferverlag fühlen sich wohl im Museumshaus. Das Paar betreibt hier im Erdgeschoss einen gut besuchten und liebevoll ausgestatteten Buchladen. Sie sind sich einig: „Das Haus ist ein magischer Ort.“ Und Katrin Hoffmann sagt: „Wir werden von unseren Kunden oft darauf angesprochen, dass es hier ein bisschen so aussieht wie in Ollivanders Zauberstabladen bei Harry Potter.“ Und so ist es kein Wunder, dass sich das Paar als 25. Händlergeneration des Krämerhauses in der Mönchstraße versteht.

Mehr zum Autor Jörg Mattern

Von Jörg Mattern

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