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Stralsund Finanzspritze fürs platte Land in Vorpommern-Rügen: Bürgerbus, Tonstudio oder Genussbotschafter
Vorpommern Stralsund Finanzspritze fürs platte Land in Vorpommern-Rügen: Bürgerbus, Tonstudio oder Genussbotschafter
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13:41 22.07.2019
Hallo Stralsund Rügen heißt die neue Städte-Edition der Re Cup-Becher. Finanziert auch aus dem „Land(auf)schwung)-Programm. Florian Pachaly, Geschäftsführer der reCup GmbH, Stefan Kerth, Landrat Vorpommern-Rügen, Alexander Badrow, Oberbürgermeister Stralsund und Mana Peter, Geschäftsführerin der Tourismuszentrale Rügen. (v.l.) Quelle: Miriam Weber
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Parow/Schlemmin/Ummanz

Der Blick auf die neueste Projektliste für „Land(auf)schwung“ zeigt: Tüftler und Leute mit innovativen Ideen gehen dem Landkreis Vorpommern-Rügen nicht aus. Allein für 2019er-Maßnahmen sind aus dem Bundesprogramm bisher rund 600 000 Euro Förderung geflossen, dahinter stehen zwölf Projekte.

Was steht hinter „Land(auf)schwung“?

„Land(auf)schwung“ ist ein Bundesprogramm, das die ländliche Entwicklung vorantreiben und die Wirtschaft antreiben soll. Es geht auch um die bessere Vermarktung der regionalen Produkte und darum, Vorpommern-Rügen nach außen sichtbar und erlebbar zu machen.

Vorpommern-Rügen hatte sich 2015 für das Projekt beworben und ist seitdem eine von 13 Modellregionen. Mit der Umsetzung gilt Vorpommern-Rügen als Vorzeige-Beispiel. Bis 2018 flossen bereits 1,5 Millionen Euro in die verschiedensten Vorhaben. Bis Ende 2019 sind es noch einmal 750 000 Euro. Da sich das Land von 2016 bis 2019 pro Jahr auch mit 50 000 Euro beteiligt, kommt man insgesamt auf eine Finanzspritze von 2,45 Millionen Euro.

Das Besondere an diesem Programm: Es hängt stark vom persönlichen Engagement der Initiatoren ab. Dass es die in Vorpommern-Rügen gibt, zeigt die Projektvielfalt. Außerdem begrüßen die Einreicher die gute Zusammenarbeit mit der Koordinatorin Anne Krohn von der Entwicklungsagentur und die relativ einfache Beantragung der Mittel.

„Wir haben relativ offene Förderrichtlinien. Da stehen zwei Themen im Vordergrund: Daseinsfürsorge und regionale Wertschöpfung. Inhaltlich sind wir aber frei. Das ist ein Riesenvorteil. So können wir auch mal Querdenker fördern, die in kein anderes Programm passen“, sagt Koordinatorin Anne Krohn der OZ und ergänzt: „Wir haben ein eigenes Budget, können das Geld sofort auszahlen, auch das ist ein Plus.“ Und obendrein seien auch die Förderquoten gut. So könne man Vereine zum Beispiel mit 90-prozentiger Finanzspritze unterstützen.

Schon 18 Projekte realisiert

Neun Projekte wurden in der ersten Förderphase bis 2017 abgeschlossen. Dazu zählen der Gemüsebaucluster vom Bioland Landesverband, das Standortmarketing der Wirtschaftsfördergesellschaft, Hausgärten im Jugendhaus Storchennest, Alternative Mobilität in der Gemeinde Wittenhagen, die Paludikultur des Duene-Vereins, der Hiddenseer Kutterfisch, das Begegnungscafe Elmenhorst, die Mobile Holzwerkstatt und die Bio Rösterei LandDelikat.

Neun weitere Maßnahmen folgten bis Ende 2018: Gemüsefermentation Trebeltal, Gläserne Senfmühle Schlemmin, Grünes Netz der Klein- und Hausgärtner vom Storchennest-Verein in Niepars, Wachsen und Zusammenwachsen in der Kirchengemeinde Groß Bisdorf, Willkommens-Marketing der Wirtschaftsfördergesellschaft, Daseinsvorsorge Älterer vom Oriente-Verein, Vorpommersche GenussManufaktur von Daniel Bense sowie das Kommunikations- und Vermarktungszentrum Hiddensee.

Und das sind die 12 aktuellen Ideen:

Genussbotschafter heißt das neueste Projekt der Senfmühle Schlemmin. Dabei geht es um zwei Anhänger, in denen regionale Produkte verkauft werden. Man bringt den Menschen den Genuss mit regionalen Produkten quasi bis vor die Tür. „Wir haben die Anhänger schon in Betrieb. Einer steht auf Rügen, einer bei uns in der Senfmühle“, berichtet Ivonne Kostross.

Zum Genussbotschafter wird dieser Verkaufsanhänger, denn er bringt den Kunden die regionalen Produkte bis vor die Tür. Quelle: E-Mail-OZ-Lokalredaktion-HST

Die Wagen sind aus Holz angefertigt worden und ermöglichen durch ein Absenken, dass man mit dem Kunden auf Augenhöhe steht. Die beiden Verkaufsanhänger kosteten 61 500 Euro. 36 800 bekommt die Senfmühle aus dem „Land(auf)schwung“-Topf. Der Rest ist Eigenanteil der Senfmüller.

„Das Ganze ist sehr gut angelaufen, auch wenn wir mit der Einrichtung noch nicht ganz fertig sind. Wir können schon verkaufen, aber wir wollen noch einen Wasseranschluss legen und Ähnliches. Aber bekanntlich haben die Firmen im Moment wenig Kapazitäten. Deshalb müssen wir noch etwas improvisieren“, so die Chefin der Senfmühle in Schlemmin, die inzwischen schon sieben Mitarbeiter zählt.

Backobst aus der Parower Gärtnerei

Dörren in der Alten Gärtnerei – das ist der Wunsch des Jugendhauses Storchennest aus Niepars für die Gärtnerei in Parow.

In der Alten Gärtnerei in Parow wird ein Dörrofen gebaut, der Obst und Gemüse auf traditionelle und schonende Art trocknet. Quelle: E-Mail-OZ-Lokalredaktion-HST

„Uns geht es um die Wiederbelebung der alten Tradition des Backens und Dörrens von Obst und Gemüse. Dafür bauen wir gerade einen Ofen“, sagt Anke Ehrecke vom Verein. Gerade wenn sich alte Apfel- und Birnensorten nicht zum Lagern eigenen, sei das Dörren eine gute Alternative.

„Wir werden fünf Tage dörren auf 55 Grad, dabei verzischten wir aufs Schwefeln, wir wollen reine Natur. Auch wenn das Obst dann vielleicht nicht mehr die leuchtendste Farbe hat. Mal sehen, wir probieren das erst mal aus“, sagt die Storchennest-Chefin und denkt, dass der Ofen Ende August fertig ist. 50 000 Euro kostet der Dörrofen, 45 000 Euro stehen als Zuschuss zur Verfügung.

Gehörlose Kite-Lehrer unterrichten in Gebärdensprache

Patrick Bauer (32) aus Köln ist der zweite Gehörlose, der auf der Insel Ummanz zum Kite-Lehrer ausgebildet wird. Quelle: Pia Boni

Deaf Ventures aus Suhrendorf auf Ummanz – hinter der Firma stehen Pia Boni und Marie-Kristin Kohlen – möchte mit der Förderung des Modellprogramms die Ausbildung der Kita-Lehrer und deren Ausrüstung bezahlen. Das Besondere: Hier sollen zwei Gehörlose bzw. Hörbehinderte zu Kite-Lehrern werden. Ziel ist es, die große Nachfrage an Kitekursen in Gebärdensprache zu decken. Zur Unterbringung während der Ausbildung auf Ummanz sind zwei Wohnwagen, die auf dem nahe gelegenen Campingplatz stehen können, nötig. Geplante Kosten: 73 000, rund 44 000 fließen aus dem Fördertopf.

Mehrgenerationen-Spielplatz in Dierhagen

In Dierhagen baut die Gemeinde für rund 217 000 Euro ein Mehrgenerationen-Spielplatz mit vielen Geräten und gestaltet das Gelände mit Rasen, Wegen und Sitzstufen. Die Fördersumme beträgt 130 000 Euro.

Öffentliches Tonstudio in Bergen

In Bergen entsteht mit der Förderung ein erstes öffentliches Tonstudio, Projekteinreicher sind die Kassette Mix Studios von Danco Lewin. Hier können Jugendliche zum Beispiel Musikstücke und Hörbücher aufnehmen, es werden auch Workshops angeboten. 44 000 kostet das Ganze von der Planung bis zur Ausstattung der Räume, rund 26500 fließen als Förderung.

Streetballanlage für Sassnitz

Die Stadt Sassnitz möchte eine Streetballanlage bauen, wobei der vorhandene Platz genutzt und neue gestaltet wird. Von den Gesamtkosten in Höhe von 60 000 Euro fließen 54 000 aus dem „Land(auf)schwung“-Topf.

Bürgerbus im Amtsbereich Altenpleen

Das Amt Altenpleen will 24 Mitfahrerbänke in den Dörfern des Bereiches aufstellen. Man geht zur Bank und wird von einem vorbeifahrenden Auto mitgenommen. So soll die Mobilität der Menschen auf dem platten Land verbessert werden. Kleine Verkehrsströme werden ohne Konkurrenz zum Öffentlichen Nahverkehr durch Solidarität der Dorfgemeinschaft bedient. 80 000 Euro sind geplant, wovon 72 000 als Förderung vorgesehen sind.

Verkaufsautomat für die Ostseemühle

Die Ostseemühle Langenhanshagen verkauft die Produkte nun auch in einem Regiomaten. Quelle: OZ

Die Ostseemühle Langenhanshagen startet für 23 000 Euro (Förderung 13 000) ein Pilotprojekt zur Testung der ökonomischen Rentabilität von Verkaufsautomaten in der Region. Regional produzierte Waren der „Ostseemühle“ und deren Kooperationspartner können damit auch außerhalb der Öffnungszeiten erworben werden. Angedacht ist ein so genannter Regiomat mit Fundament, Beleuchtung, Kamera und Wetterschutz.

„Weniger fürs Meer“ auf Rügen und in Stralsund

„Weniger fürs Meer“ heißt das Projekt des Tourismusverbandes Rügen. Dabei handelt es sich um eine Initiative zur Vermeidung von Einwegplastik und zur Stärkung des Umweltbewusstseins der Insel Rügen und der Hansestadt Stralsund. 96 000 Euro kostet das Ganze. Mit den 57500 Euro aus dem Fördertopf werden Trinkflaschen, Strandaschenbecher, ReCup-Becher und recyclebare Mülltüten finanziert.

Hallo Stralsund Rügen heißt die neue Städte-Edition der Re Cup-Becher, die am Mittwoch offiziell präsentiert wurde. Florian Pachaly, Geschäftsführer der reCup GmbH, Stefan Kerth, Landrat Vorpommern-Rügen, Alexander Badrow, Oberbürgermeister Stralsund und Mana Peter, Geschäftsführerin der Tourismuszentrale Rügen. (v.l.) Quelle: Miriam Weber

Machbarkeitsstudie für Stralsunder Beachhalle

Stralsund ist gleich noch einmal vertreten durch das Projekt des Stralsunder Volleyball-Vereins. Der Verein plant den Bau einer Beachhalle in der Hansestadt und möchte mit den Fördermitteln eine Machbarkeitsstudie bezahlen. Es geht um eine Standort- und betriebswirtschaftliche Analyse, aber auch um die Klärung von Nutzungspotenzialen verschiedener Altersgruppen und die Möglichkeiten der gastronomischen Erweiterung. 37 000 Euro kostet die Studie, der Zuschuss beläuft sich auf 33 000 Euro.

Räucherofen für Fischer in Baabe

Roberto Brandt vom Fischereibetrieb und der Fischgaststätte „Zum Fischer“ in Baabe möchte die vorhandenen Fischverarbeitungsräume erweitern und modernisieren, außerdem soll die Produktpalette wachsen. Dazu sollen Räucherstrecke und Kalträucherofen eingerichtet werden. Gesamtkosten: 135 000 Euro –rund 79 000 Euro sind als Förderung eingeplant.

E-Tankstelle auf Ummanz

Die Verbesserung der E-Mobilität haben sich die Gemeinde Ummanz und das Amt West-Rügen auf ihre Fahnen geschrieben. Dabei geht es um die Errichtung einer Elektroladestation für E-Fahrzeuge. Außerdem soll ein E-Fahrzeug für sieben Personen angeschafft werden, sozusagen als Ergänzung des vorhandenen Nahverkehrs. Geplant ist eine flexible Nutzung des Fahrzeugs über digitale Anwendung. 113 000 Euro stehen als Gesamtkosten im Konzept, 102 000 Euro steuert „Land(auf)schwung“ bei.

Ende 2019 ist Schluss

Außerdem laufen zwei Projekte von 2018 weiter, für die ebenfalls noch Gelder fließen. Die Apfelscheune Mus-Hus in Starkow. Hier geht es um die Verarbeitung und Veredlung des in Starkow geernteten Obstes, aber zugleich soll ein Ort der Begegnung geschaffen werden. Aber auch das Startup „peene.one“ von Thomas Lösch läuft noch dieses Jahr.

Gemanagt wird das Ganze im Auftrag des Landkreises von der Regionalen Entwicklungsagentur. Auch die wird natürlich aus dem Fördertopf bezahlt, so dass unterm Strich die 750 000 Euro, die bis Ende 2019 zur Verfügung stehen, auch verplant sind. Dann endet das beliebte Programm, aber hoffentlich nicht der Landaufschwung!

Ines Sommer

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