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Stralsund „Irgendwann hat einen das Theater“
Vorpommern Stralsund „Irgendwann hat einen das Theater“
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10:45 09.07.2019
Berit Schönegge (rechts) und Sophia Tilsen haben am Theater Vorpommern ihr Freiwilliges Soziales Jahr absolviert. Quelle: Miriam Weber
Stralsund

Sie sind ein eingespieltes Team, ergänzen sich bei den Antworten und wirken vertraut. „Wir sitzen in einem Büro und helfen uns auch mal“, erklärt Berit Schönegge. Gemeinsam mit Sophia Tilsen absolviert sie derzeit ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Bereich Kultur am Theater Vorpommern. „Allerdings sind wir in verschiedenen Bereichen eingesetzt“, erklärt die 19-Jährige Berit. Während sie im Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Dramaturgie unterwegs war, ist die gleichaltrige Sophia in der Theaterpädagogik eingesetzt.

Das Beste, was man machen kann

„Das passt gut, denn schon zu Hause in Wismar habe ich selbst Theater gespielt und Gruppenleiterkurse gemacht, sodass das mit der Pädagogik für mich optimal ist.“ Für die beiden war nach dem Abitur klar, dass sie sich mit einem FSJ noch einmal Zeit nehmen wollten, bevor eine endgültige Entscheidung über das künftige Studium fällt. „Es war das Beste, was ich machen konnte“, ist Berit Schönegge überzeugt. Nun sei nicht nur klar, dass sie im Herbst ein Studium der Musikwissenschaft beginnen wird, sondern sie habe auch unheimlich viele Erfahrungen gesammelt.

„Zu meinen Aufgaben gehörte es auf der einen Seite, Aushänge zu machen und Info-Materialien zu verteilen, aber ich habe auch Handzettel für Extra-Veranstaltungen erstellt“, schaut sie zurück. „Ich komme aus einem kleinen Ort im Allgäu. Auch wenn ich schon immer großes Interesse für Kultur hatte, gab es dort nicht so viele Möglichkeiten, ins Theater zu gehen“, sagt Berit Schönegge. Umso schöner sei es deshalb, dass sie in diesem Jahr sozusagen das volle Programm Theater erlebe. Neben ihrer Arbeit im Organisatorischen spielt sie im Enthusiastenorchester.

Einmal Theater, immer Theater

„Irgendwann hat ein das Theater einfach“, sagt Berit Schönegge mit einem Lachen und Sophia Tilsen nickt bestätigend. „Ich hatte zwar schon lange den Wunsch, Musikwissenschaft zu studieren, aber dieses Jahr hat das noch einmal bestätigt. Ich habe so viele Ideen und Wünsche entwickelt, ich möchte auf jeden Fall gern am Theater arbeiten.“

Auch Sophia Tilsen wird den Weg konsequent weiter verfolgen, den sie in Stralsund eingeschlagen hat. „Ich habe mich für den Studiengang Theater Lehramt beworben, am liebsten würde ich das an der Universität der Künste in Berlin studieren“, sagt sie sehnsüchtig. Am Theater Vorpommern durfte sie bereits in viele Bereiche hineinschnuppern. Sie übernahm die Regieassistenz bei einer Kinderoper, assistierte bei der Leitung des Kinder- und Jugendspielclubs, arbeitete mit den Jugendlichen zusammen und spielte sogar selbst mit.

Zum FSJ gehören aber auch Seminare, an denen alle Freiwilligen der Region gemeinsam teilnehmen. „Da gibt es dann Workshops zu unterschiedlichen Themen, die alle im weitesten Sinne etwas mit Kultur zu tun haben. „Klangcollage, Bildhauerei, Metall-Kunst, alles stand unter dem großen Überthema ,Identität und Kulturschock’“, sagt Sophia. Das Schöne sei nicht nur gewesen, dass die Teilnehmer sich auch untereinander kennengelernt haben, sondern dass man zum Beispiel auch für die Bewerbung um einen Studienplatz einiges mitnehmen konnte.

Ein Stück Lebenswirklichkeit

„Man nimmt in diesem Jahr so unglaublich viel mit, nicht nur auf der fachlichen Ebene“, sagt Berit Schönegge. Dadurch, dass man mit so vielen unterschiedlichen Leuten zu tun habe, lerne man auch, mit Menschen umzugehen. „Es ist in diesem Jahr nie langweilig geworden und genau das stelle ich mir auch für meine berufliche Zukunft vor. Man entwickelt in der Pädagogik über ein Jahr mit Kindern und Jugendlichen ein Projekt, und nach der Vorstellung fängt man wieder mit etwas Neuem an.“ Man müsse sich ständig auf neue Situationen einlassen, könne aber auch mal Fehler machen und aus diesen lernen. „Der große Vorteil an diesem im Vergleich kleineren Theater ist, dass wir so viel aus ganz verschiedenen Bereichen mitkriegen. Ich denke, dass wir das große Glück haben, einen besseren Einblick zu bekommen als vielleicht an einem großen Haus.“

Doch neben den Erfahrungen im Theater sei der wichtigste Nebeneffekt für die jungen Frauen gewesen, dass sie sich persönlich weiter entwickelt haben. „Man wird schon selbstständiger, ganz einfach, weil man dazu gezwungen ist“, sagt Sophia und erzählt mit einem Lachen, dass ihr das am Anfang nicht unbedingt leicht gefallen sei. „Sich selbst zu versorgen, den Haushalt zu wuppen und zu arbeiten, das ist schon ein ordentliches Stück Lebenswirklichkeit.“ Beide verraten kichernd, dass Berit manchmal bei Sophia vorbei gekommen ist, um den Abwasch zu machen oder für ihre Freundin zu kochen. „Ich habe den großen Vorteil, dass ich hier bei Verwandten leben kann“, erklärt Berit.

Auch wenn es beide nach ihrem FSJ zunächst in eine andere Stadt ziehen wird, sind sie von Stralsund begeistert. „Ich nenne die Stadt immer ,The sleeping beauty’, die schlafende Schönheit“, sagt Sophia. „Es ist zwar recht ruhig hier, aber eben schön. Ich habe das ganze Jahr über so viele Leute eingeladen, um ihnen die Stadt zu zeigen. Wir genießen die Zeit hier sehr.“

Wer sich für ein Freiwilliges Soziales Jahr im Bereich Pädagogik interessiert, kann sich direkt beim Theater Vorpommern bewerben. Allerdings wäre es von Vorteil, wenn der- oder diejenige schon ein wenig musikalische oder Spielerfahrung mitbringt.

Miriam Weber

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