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Stralsund „Fridays gegen Altersarmut“: Jetzt gehen in Stralsund auch Rentner auf die Straße
Vorpommern Stralsund

„Fridays gegen Altersarmut“ in Stralsund: Jetzt gehen am Freitag auch die Rentner auf die Straße

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21:03 21.01.2020
Zwei Rentner gehen über den Markt. In Deutschland sind mittlerweile 18,7 Prozent der Rentner und Pensionäre durch Armut gefährdet. Quelle: Peter Binder
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Stralsund

Jetzt geht auch die ältere Generation am Freitag auf die Straße. Denn die Initiative „Fridays gegen Altersarmut“ erreicht Stralsund. Am 24. Januar wird es die erste Mahnwache der Bewegung in der Hansestadt geben. Bundesweit werden zur gleichen Zeit wohl rund 200 ähnliche Veranstaltungen stattfinden. In MV wird die umstrittene Gruppierung unter anderem in Rostock und auch Wolgast auf die Straße gehen.

„Wir möchten mit der Mahnwache ein Zeichen für eine sozialere Gesellschaft setzen“, sagt die Stralsunder Simone Ebert. Die 53-Jährige hat die Veranstaltung in Stralsund angemeldet. Laut Facebook tritt sie zusammen mit Walter Schabulke als Ansprechpartner auf für die Gruppierung in Stralsund auf. „Die Entwicklung unserer Renten betrachte ich mit großer Sorge. Dort muss etwas gemacht werden“, sagt Ebert.

Immer mehr Rentner von Armut betroffen

Auch in der Hansestadt würden immer mehr Rentner auf die Hilfe der Tafel angewiesen sein. Bundesweit ist die Zahl der Rentner und Pensionäre, die als armutsgefährdet gelten, zuletzt wirklich deutlich gestiegen. Im Jahr 2018 waren 3,2 Millionen Menschen von Armut bedroht, wie das Statistische Bundesamt Anfang Januar 2020 mitteilte. Das bedeutet im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg um etwa 215 000.

Als armutsgefährdet gilt dabei, wer als Alleinstehender über ein Einkommen von maximal 13 628 Euro im Jahr verfügt. Während 2010 noch 14 Prozent der Rentner und Pensionäre durch Armut gefährdet waren, stieg ihr Anteil im Jahr 2018 auf 18,7 Prozent, wie es ARD-Politikmagazin „Monitor“ hieß.

Mahnwache auf dem Alten Markt

Diese Entwicklung soll sich laut Wirtschaftsexperten in den kommenden Jahren noch verschärfen. Simone Ebert und andere Mitstreiter wollen auf diesen Missstand aufmerksam machen. Geplant ist ein friedlicher, kreativer Protest auf dem Alten Markt zwischen 15 Uhr und 18 Uhr. „Wenn 20 bis 40 Leute kommen, bin ich zufrieden“, sagt sie. „Wer teilnehmen möchte, kann gern eine Pappe mitbringen, auf der man etwas aufschreiben kann.“

Bewegung entstand über Facebook-Gruppe

Aufmerksam wurde Ebert auf die Initiative über das Internet. Die entsprechende Facebook-Gruppe wurde im letzten September gegründet. Heute zählt diese mehr als 309 000 Mitglieder. In vielen Regionen gibt es ähnliche Untergruppen. Auch in MV ist bereits eine aktiv. Direkt für Stralsund gibt es dies noch nicht. Für Irritation sorgt unter anderem der Name. Denn dieser erinnert an „Fridays for Future“, an die junge Klimaschutzbewegung, die von der erst 17-jährigen Schwedin Greta Thunberg initiiert wurde.

Abgrenzung gegen „Fridays for Future

Doch mit den „streikenden Schülern“ hat „Fridays for Altersarmut“ nichts zu tun, sagt Simone Ebert. Der wohl einzige gemeinsame Nenner: Beide Initiativen gehen am Freitag auf die Straße. Aber: „Wir sind für alle offen, sind parteiübergreifend“, sagt Ebert. „Wir fühlen uns also keiner Partei verbunden.“ Für Stralsund jedenfalls widerspricht sie damit Befürchtungen, die Gruppe könne von rechten Tendenzen oder anderen Initiativen wie den „Gelbwesten“ unterwandert sein.

Gegen diesen Aspekt gingen auch die bundesweiten Organisatoren um Heinz Madsen und Marika Timm am Sonntag auf Facebook vor. Dort schrieben die Gruppen-Administratoren „Wir distanzieren uns klar von jeder Organisation und von jeder Partei, die uns versucht zu instrumentalisieren. Passt auf, und lasst euch nicht blenden, weder von links noch von rechts.“

Linke Seiten warnen vor umstrittener Gruppierung

WARNUNG! Die (Facebook-)Gruppen "Fridays gegen Altersarmut" haben definitiv einen rechten Hintergrund - außer...

Gepostet von KKA - Kurfürstlich Kurpfälzische Antifa am Sonntag, 5. Januar 2020

Vorab gab es massive Kritik an der Gruppierung aus dem linken Spektrum. So verbreiten sich Warnungen über Facebookseiten wie „Omas gegen Rechts Deutschland-Bündnis“ und „KKA - Kurfürstlich Kurpfälzische Antifa“ seit Anfang Januar rasant im Netz. Sie schreiben und kritisieren unter anderem, dass „Fridays gegen Altersarmut außer Forderungen und rechte Hetze keine konkreten Ziele habe. Auch Hilfe für Betroffene sei nicht ersichtlich.“ Unabhängig vom politischen Diskurs wird die Mahnwache in Stralsund so wie in anderen deutschen Städten stattfinden, dies bestätigte ein Sprecher der Stralsunder Polizei. Wie jede angemeldete Veranstaltung wird auch diese entsprechend abgesichert.

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