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Stralsund 76-jähriger Stralsunder: 5 Jahre Haft wegen Missbrauch an Enkelkindern
Vorpommern Stralsund 76-jähriger Stralsunder: 5 Jahre Haft wegen Missbrauch an Enkelkindern
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15:00 28.03.2019
Fünf Jahre Haft erhielt ein 76-jähriger Stralsunder für den sexuellen Missbrauch seiner Enkelkinder. Quelle: Stefan Sauer/dpa
Stralsund

Fünf Jahre Haft: Zu dieser Strafe hat das Landgericht Stralsund am Donnerstag einen 76-jährigen Hansestädter wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt. Damit blieb die Kammer ein Jahr unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Außerdem muss der Stralsunder seinen drei Opfern ein Schmerzensgeld in Höhe von jeweils 8000 beziehungsweise 6000 Euro zahlen.

Dem Mann ist nachgewiesen worden, sich im Zeitraum von 2013 bis 2018 an drei seiner Enkeltöchter vergangen zu haben. Das jüngste Mädchen war zum Tatzeitpunkt sechs Jahre alt. Heute sind die drei Schwestern neun, zwölf und 14 Jahren alt.

21 Taten nachgewiesen

Von den ursprünglich 58 vorgeworfenen Fällen konnten dem Mann 21 Taten nachgewiesen werden. Weil der 76-Jährige im Verfahren die Taten abgestritten hatte und sich nicht äußern wollte, mussten die Mädchen vor Gericht erscheinen und eine Aussage machen. Durch diese Zeugenaussagen konnten in vier Fällen schwerer sexueller Missbrauch und in 17 Fällen sexueller Missbrauch nachgewiesen werden. „Auf dieser Grundlage basiert die Gesamtstrafe“, erklärte der Vorsitzende Richter Olaf Witt.

Stralsund: Der Angeklagte (M) hält sich im Sitzungssaal im Landgericht Stralsund einen Aktenordner vor das Gesicht. Wegen des sexuellen Missbrauchs seiner drei Enkeltöchter ist ein 76-jähriger Mann vom Landgericht Stralsund zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Quelle: Stefan Sauer/dpa

Das Böse sitzt am eigenen Tisch

In seiner Urteilsbegründung erklärte der Richter den zahlreichen Besuchern im Saal, dass die Zeugenaussagen der Kinder das einzige Beweismittel gewesen seien. „Wir schätzen die Aussagen der Mädchen als absolut glaubwürdig ein.“ Sie hätten kein Motiv dafür, den Großvater für etwas zu beschuldigen, was er nicht getan habe, außerdem seien es keine Kinder, die sich gern im Mittelpunkt oder in einer Opferrolle sehen. Für die Glaubwürdigkeit der Kinder hätte außerdem gesprochen, dass sie sich in einem Loyalitätskonflikt gegenüber dem Opa befinden. In ihren Aussagen sei klar geworden, dass der Großvater auf der einen Seite jemand sein sollte, zu dem sie Vertrauen entgegengebracht haben und der eine Bezugsperson ist, auf der anderen Seite hat der Mann Dinge getan, die die Kinder nicht wollten. „Das Böse sitzt meistens am eigenen Tisch“, so Olaf Witt.

Aussage in der Öffentlichkeit

Dass die Mädchen das Prozedere, in der Öffentlichkeit über das schreckliche Erlebte zu sprechen, so gut überstanden haben, sei vor allem der Verdienst der psychosozialen Prozessbegleitung. „Deren Mitarbeiter haben die Mädchen stark genug für den Auftritt in der Öffentlichkeit gemacht.“

Strafmildernd hätte sich für den Angeklagten sein Alter ausgewirkt. „In meiner Karriere als Richter sind Sie der älteste Angeklagte, den ich gesehen habe“, sagte Olaf Witt in Richtung des 76-Jährigen. Es sei nicht unwahrscheinlich, dass der Mann das Ende seiner Haftzeit nicht mehr erlebe. Außerdem ist der Angeklagte nicht vorbestraft. „Es hat vor vielen Jahren eine Verurteilung gegeben, doch die ist mittlerweile verjährt. Vor dem Gesetz ist der Angeklagte deshalb nicht vorbestraft“, erklärte Witt.

Er wies in diesem Zusammenhang außerdem darauf hin, dass es das gute Recht eines Angeklagten sei, sich nicht zu äußern. „Hätte er ein Geständnis abgelegt, hätte sich das zwar strafmildernd auswirken können, aber im Umkehrschluss ist das Schweigen kein strafverschärfender Grund“, erklärte der Richter. Davon gebe es aber einige andere, die zu dem Urteil des Gerichts geführt haben. Zum einen die konkretisierten Taten, aber auch der lange Zeitraum, über den er seine Enkel und deren Vertrauen missbrauchte. Das spreche für ein planvolles und bewusstes Vorgehen.

Die Vergehen des Mannes waren eher durch einen Zufall ans Tageslicht gekommen. Im September des vergangenen Jahres hatte der Sohn des Angeklagten Strafanzeige gegen seinen Vater gestellt, nachdem sich die neunjährige Tochter ihren Eltern offenbart hatte. Den Mut dazu hatte sie gefunden, weil sie im Vorfeld an der Schule das Präventionsprojekt „Mein Körper gehört mir“ besucht hatte, bei dem es um sexuelle Gewalt bei Kindern geht.

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