Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Stralsund Autor veröffentlicht 5. Stralsund-Krimi: Warum die Recherche auch schon mal gefährlich wird
Vorpommern Stralsund

Fünfter Stralsund-Krimi: Autor berichtet von "Altstadt-Gold" und gefährlicher Recherche

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:00 23.08.2021
Der Stralsunder Autor Peter Hoffmann hat den fünften Stralsund-Krimi in seinem Strandläufer-Verlag herausgebracht.
Der Stralsunder Autor Peter Hoffmann hat den fünften Stralsund-Krimi in seinem Strandläufer-Verlag herausgebracht. Quelle: Wenke Büssow-Krämer
Anzeige
Stralsund

In seinem Strandläufer-Verlag hat Peter Hoffmann (53) nun mit „Altstadt-Gold“ nach „Die Pilzsammlerin“, „Blauzahns Schatz“, „Die Fischhändlerin“ und „Hanse-Häppchen“ den fünften Stralsund-Krimi veröffentlicht.

Mit der OSTSEE-ZEITUNG plauderte der gebürtige Oldenburger über das Schreiben, die Zusammenarbeit mit seiner Frau Katrin und die Eigenheiten der Hansestadt und deren Bewohner.

Was führt einen in Oldenburg geborenen Diplom-Ökonom an den Sund?

Meine Frau ist Stralsunderin und hat hier ihre Familie. Als 2004 unsere Tochter unterwegs war entdeckten wir durch Zufall ein Haus in der Mönchstraße – eine Ruine – und entschlossen uns zur Sanierung.

Aber wie kam es zum ersten Stralsund-Krimi und letztendlich auch zum Strandläufer-Verlag?

Viel gelesen und auch geschrieben habe ich eigentlich schon immer. Die erste Geschichte „Die Pilzsammlerin“ haben wir schon mit nach Stralsund gebracht. Sie beruht nämlich auf einem Erlebnis. Wir haben einst diesen legendären Giftpilz gefunden und die Geschichte daraus gesponnen. So haben wir 2008 den Verlag gegründet und als Strandläufer – der Name ist Programm – den Urlaubern sommerleichte Lektüre an den Strandkorb gebracht. Mit einem Bauchladen.

Was macht die Hansestadt als Handlungsort eines Krimis so reizvoll?

Stralsund ist eine Stadt voll mit Geschichte und Geschichten. Außerdem leben wir hier, da bekommt man viele Zwischentöne mit. Wir gehen mit offenen Augen durch die Stadt. Man muss sich nur irgendwo hinsetzen in Stralsund. Die komischen Sachen kann man nicht erfinden, das kommt aus dem Erleben. Die Ideen kommen von alleine. Da dienen uns dann Personen als Vorbild, die zusammengefügt und verfremdet zu unseren Figuren werden. „Die Pilzsammlerin“ gibt aber zum Beispiel atmosphärisch etwas wieder, was es heute nicht mehr gibt.

Stralsund-Krimi „Altstadt-Gold“

Ines Hübner arbeitet seit den Wendejahren in ihrer Geburtsstadt Stralsund als erfolgreiche Wohnungsverwalterin und Maklerin. Mit Effizienz und Sorgfalt hat es die unauffällige Kauffrau zu einer eigener Firma auf der Kronlastadie gebracht und gilt als feste Größe in der örtlichen Immobilienbranche. An so jemanden wendet man sich vertrauensvoll, wenn es um das schöne Wohnen in der altehrwürdigen Hansestadt geht. Wenn Geld keine Rolle spielt und man alles gern dienstbaren Geistern anvertraut. Doch verbergen sich gerade hinter den heilsten Fassaden mitunter die tiefsten Abgründe...

„Altstadt-Gold“ von Peter Hoffmann, erschienen im Strandläufer-Verlag, erhältlich für 11,90 Euro in der Strandläufer-Verlagsbuchhandlung, Mönchstraße 38, Stralsund

Klingt denn Stralsund heute anders?

Ja, es ist nicht mehr das Stralsund von 2008. Das fällt auch den Lesern auf, die heute „Die Pilzsammlerin“ lesen und erkennen, so wurde damals gesprochen, heute aber nicht mehr. Und so bewahrt man diesen Typ Mensch. Ein Vorteil für uns ist zudem, dass wir vor Ort sind. Wir bekommen es tagtäglich hautnah mit. Denn die Leute erzählen in unserer Buchhandlung viel mehr als beim Bäcker. Wir sind ja zur Verschwiegenheit verpflichtet, nichtsdestotrotz gibt es manche Inspiration.

Bietet die Stadt tatsächlich so viele interessante Vorlagen für Romanfiguren?

Ja, und da wird manchmal die Recherche sogar gefährlich. So wollte ich eigentlich zwischen Pütte und Zimkendorf nur Laufen gehen am Waldrand. Ein Jäger, der eigentlich auf Wildschweine wartete, klärte mich dann erbost auf, dass er mich von seinem Hochstand aus beinahe erschossen hätte. Er hatte schon angelegt. Und diesen Hochstand habe ich nun literarisch verarbeitet.

Das Schöne ist, dass man so stille Rache üben kann, wenn man Leute verfremdet zum Beispiel von der Treppe schubst. Man kann seine Boshaftigkeit ausleben. Man muss nur neugierig sein auf Menschen und Geschichten. Stralsund hat da eine gute Größe. Einerseits kein Dorf, wo jeder jeden kennt. Andererseits nicht so anonym wie die Großstadt. Man entdeckt immer noch etwas Neues. Und doch können wir die Leute in Ecken schicken, die sie so vielleicht noch nicht entdeckt haben.

Die Romane „Blauzahns Schatz“ und „Die Fischhändlerin“ sind Gemeinschaftswerke des Ehepaares Peter und Katrin Hoffmann. Wie funktioniert die Zusammenarbeit als Autorenduo?

Es ergänzt sich gut, da ich als Zugezogener auch nach 20 Jahren noch einen anderen Blick habe als ein Einheimischer. Katrin ist dann für den historischen Part zuständig und ich eher für die Real-Satire. Es gibt bei uns dann so einen Zettelkasten. Darin landen Ideen, Motive oder Personen, die in der Geschichte verarbeitet werden könnten.

Kommt es dann auch mal vor, dass ein Partner sagt: „Schatz, das kannst Du so nicht schreiben.“?

Nein, eigentlich nicht. Auch wenn Katrin diejenige ist, die vieles auf die Richtigkeit überprüft. Sie hat ihre Kindheit hier verbracht. Ich würde mir zum Beispiel nie anmaßen, darüber zu schreiben, wie sich das Leben hier zu DDR-Zeiten angefühlt hat. Da kann ich nicht mitreden.

Ihr Newsletter für Stralsund und Umgebung

News, Tipps und Maritimes aus der Hansestadt Stralsund und dem pommerschen Umland. Jede Woche Mittwoch gegen 18 Uhr im E-Mail-Postfach.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Im Jahr 2014 wurde die Strandläufer-Verlagsbuchhandlung im Museumshaus eröffnet, in der beide Autoren täglich anzutreffen sind. Wie bleibt da noch die Zeit zum Schreiben?

Nur mit einer gewissen Diszipliniertheit. Aber letztendlich dreht sich ja bei uns alles ums Buch. Das Besondere ist, dass wir Autoren, Verleger und Buchhändler in einem sind. Wie man es schafft, weiß ich nicht, aber es klappt. Außerdem haben wir einen kurzen Arbeitsweg in der Mönchstraße. Jetzt haben wir die Corona-Zeit zum Schreiben genutzt. Obwohl wir jeden Tag für unsere Kunden erreichbar waren, blieb etwas mehr Zeit im Block. Es sind aber auch unsere Leser, die nach dem nächsten Stralsund-Krimi fragen. Da ist man schon unter Zugzwang.

"Altstadt-Gold", Ein Stralsund-Krimi von Peter Hoffmann im Strandläufer-Verlag Quelle: Strandläufer-Verlag

Worum dreht es sich in dem neuesten Stralsund-Krimi „Altstadt-Gold“?

Wir tauchen diesmal ins Immobilien-Milieu der Stadt. Wir werden tatsächlich von vielen Kunden, die hier zu Gast sind, gefragt, ob wir nicht eine freie Wohnung kennen würden. Die Immobilien sind das Altstadt-Gold. Der Markt hat sich sehr verändert in den letzten 20 Jahren. Quasi auferstanden aus Ruinen. Und wenn man in der Innenstadt lebt, bekommt man es auch in der Nachbarschaft mit, dass Immobilien immer irgendwie Thema sind. Im Übrigen sind unsere Hauptprotagonisten allesamt Frauenfiguren. Warum weiß ich auch nicht. Vielleicht sind Frauen einfach vielschichtiger.

Von Wenke Büssow-Krämer