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Stralsund Geschichte(n) gegen das Vergessen
Vorpommern Stralsund Geschichte(n) gegen das Vergessen
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10:01 26.06.2018
Zwei Geschichten zu unterschiedlichen Erlebnissen in verschiedenen Epochen haben die Siebtklässler der Jona-Schule in der Buchhandlung Buch+ gehört. Quelle: Miriam Weber
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Stralsund

Geschichte gegen das Vergessen, nennt die Stralsunder Buchhändlerin Uta Reichel ihr Projekt. Eigentlich ist es kein richtiges Projekt, sondern ihr persönlicher Versuch, Geschichte nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Sie lädt Klassen in ihren Laden ein und liest ihnen dort zwei Bücher vor. Zum einen „Der Bus von Rosa Parks“ von Fabrizio Silei und als zweites „Janusz Korczak und seine Kinder – Die letzte Reise“ von Irène Cohen-Janca.

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In den Büchern werden zwei ganz unterschiedliche Epochen thematisiert, doch beide Geschichten eint, dass es um die Menschenwürde geht.

Bekannt wurde die farbige Rosa Parks, als sie sich 1955 in Amerika in einem Bus weigerte, ihren Platz für einen weißen Fahrgast zu räumen. Sie wurde daraufhin verhaftet. Ihr Fall zählte mit zu den Anfängen der schwarzen Bürgerrechtsbewegung.

In dem anderen Buch geht es um den polnischen Kinderarzt Janusz Korczak, der traurige Berühmtheit dadurch erlangte, dass er im Jahr 1942, zur Zeit des Nationalsozialismus, die jüdischen Kinder seines Waisenhauses in das Vernichtungslager Treblinka begleitete und mit ihnen so dem sicheren Tod entgegen ging.

„Der Geschichtsunterricht mit seinen vielen Fakten ist gut“, sagt Uta Reichel, „aber persönliche Geschichten machen das Ganze greifbarer.“ Und weil es ihr wichtig ist, dass die Zeiten nicht vergessen werden, lädt sie zu den Lesungen ein.

Für August Heinath, der 7.Klasse der Jona-Schule besucht, waren beide Geschichten interessant, allerdings kam er mit der über Rosa Parks besser klar. „Weil ich schon einmal etwas darüber gehört hatte und weil es verständlicher ist“, sagt der 13-Jährige. „Man kann sich nur so schwer vorstellen, dass in der Zeit des Nationalsozialismus so schlimme Sachen passiert sind.“ Genau deshalb ist es Uta Reichel so wichtig, die Geschichte lebendig zu halten. „Es gibt immer weniger Zeitzeugen, die berichten können. Und ich habe die Befürchtung, dass diese Zeit immer mehr banalisiert wird.“ Deshalb habe sie überlegt, was sie dagegen tun kann und kam auf die Lesungen für Schüler der siebten und achten Klasse.

Miriam Weber