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Stralsund „Gorch Fock I“ wird zur Volkswerft geschleppt
Vorpommern Stralsund „Gorch Fock I“ wird zur Volkswerft geschleppt
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10:59 11.04.2015
Die „Gorch Fock I“ liegt seit 2003 im Stralsunder Hafen. Am 14. März 2015 soll sie zur Volkswerft geschleppt werden.
Die „Gorch Fock I“ liegt seit 2003 im Stralsunder Hafen. Am 14. März 2015 soll sie zur Volkswerft geschleppt werden. Quelle: Stefan Sauer
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Stralsund

Die „Gorch Fock I“ wird am kommenden Dienstag zur Volkswerft Stralsund geschleppt. Dort sollen die Schiffbauer die Bark für ein neues Schwimmfähigkeitszeugnis fit machen. Das ist - vergleichbar mit der Hauptuntersuchung fürs Auto - ein Zertifikat, das alle sieben Jahre vom Germanischen Lloyd erneuert werden muss.

Wulf Marquard vom Verein Tallship Friends, dem das Schiff gehört, sagte am Freitag gegenüber der OSTSEE-ZEITUNG: „Weitere Arbeiten sind nicht geplant. Wir beschränken uns auf das Notwendigste.“ Ziel sei ein möglichst kurzer Aufenthalt auf der Werft, um die Einnahmeverluste gering zu halten.

Ursprünglich sollte das Schiff bereits am 9. März zur Werft gebracht werden. Damals war auch noch die Rede davon, Teile des Rumpfes und des Decks zu erneuern.

Das Vorhaben scheiterte laut Eignerverein vor sechs Wochen jedoch, weil nur ein Schlepper in Stralsund war. Nötig sind jedoch zwei, um den Dreimaster sicher durch die Ziegelgrabenbrücke zu bringen.

Marquard hofft, dass der jetzt angepeilte Werftaufenthalt nicht länger als zehn Tage dauert. Er geht davon aus, dass die „Gorch Fock I“ schon am 23. April wieder an der Ballastkiste im Stralsunder Hafen festmachen kann.

Dort hat das Schiff seit fast 12 Jahren seinen festen Liegeplatz. Gebaut wurde es 1933 bei Blohm & Voss in Hamburg als Segelschulschiff für die Reichsmarine.

Ende des Krieges lag der Großsegler im Stralsunder Hafen und wurde von der Wehrmacht Ende April 1945 im Strelasund vor Drigge versenkt, damit er nicht Beute der Roten Armee  wird.

Die Sowjetunion ließ die „Gorch Fock“ später bergen und reparieren. Unter dem Namen „Towarischtsch“ (Genosse) fuhr sie dann als Schulschiff für die Marine der UdSSR und nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Riesenreichs für die Ukraine.

Der Verein Tallship Friends kaufte das inzwischen völlig marode Schiff im Jahre 2003 und ließ es nach Stralsund bringen. Dort wurde es dann auf „Gorch Fok I“ umgetauft.

Die römische Ziffer soll eine Verwechslung mit dem Schulschiff der Deutschen Marine verhindern, das den selben Namen trägt, fast baugleich ist, jedoch erst 1958 bei Blohm & Voss vom Stapel lief.

Im Frühjahr 2014 wurde in der Öffentlichkeit bekannt, dass die Stadt Stralsund bereits seit längerer Zeit mit Tallship Friends über den Kauf des Schiffes verhandelt. Wann und ob es wirklich zu dem Deal kommt, ist weiter ungewiss.

Einer der Streitpunkte ist der Kaufpreis. In den politischen Gremien herrscht aber auch Uneinigkeit, ob die Stadt finanziell überhaupt in der Lage ist, das Schiff zu halten.



Jens-Peter Woldt