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Stralsund „Gorch Fock“ auf der Volkswerft angekommen
Vorpommern Stralsund „Gorch Fock“ auf der Volkswerft angekommen
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11:18 19.05.2015
Seltener Anblick: Die "Gorch Fock" vor der Stralsunder Stadtkulisse.
Seltener Anblick: Die "Gorch Fock" vor der Stralsunder Stadtkulisse. Quelle: Elisabeth Woldt
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Stralsund

Nach mehreren gescheiterten Versuchen hat die „Gorch Fock I“ am Montagvormittag ihren Liegeplatz im Hafen von Stralsund verlassen und ist zur Volkswerft geschleppt worden. Das Schiff legte gegen 12 Uhr ab und fuhr nach der Brückenöffnung um 12.20 Uhr am Dänholm vorbei zur Werft.

Schon seit mehreren Wochen soll die Bark ins Trockendock, damit das Schwimmfähigkeitszeugnis erneuert werden kann und Experten einen Blick auf den Rumpf des Schiffes werfen können. Hintergrund sind Verhandlungen zwischen dem Eignerverein und der Hansestadt Stralsund, die die „Gorch Fock“ kaufen möchte.

Vorhaben bereits mehrfach verschoben

Zuletzt waren am Wochenende vom 18. und 19. April Versuche gescheitert, den Dreimaster mit Hilfe von zwei Schleppern zur Werft zu bringen. Erst war es erneut der Wind, der stärker als die erlaubten drei Beaufort blies, dann war der Wasserstand für eine Passage des Ziegelgrabens mit Rügenbrücke und Hochspannungsleitung zu hoch.

Veranschlagt sind inzwischen nur noch zehn Tage, an denen das traditionsreiche Schiff nicht an seinem Liegeplatz an der Ballastkiste besichtigt werden kann. Am 30. Mai ist an Bord eine Hochzeit geplant, die man nur ungern absagen möchte.

Das bedeutet aber auch, dass Tallship Friends auf das lukrative Pfingst-Geschäft verzichten muss.

Wechselvolle Geschichte des Segelschiffs

Gebaut wurde das Schiff 1933 bei Blohm & Voss in Hamburg als Segelschulschiff für die Reichsmarine. Ende April 1945 wurde es von der Wehrmacht im Strelasund vor Drigge versenkt, damit es nicht Beute der Roten Armee wird.

Die Sowjetunion ließ die „Gorch Fock“ später bergen und reparieren. Unter dem Namen „Towarischtsch“ (Genosse) fuhr sie als Schulschiff für die Marine der UdSSR und nach deren Zusammenbruch für die Ukraine. 

Der Verein Tallship Friends kaufte das inzwischen völlig marode Schiff 2003 und ließ es nach Stralsund bringen. Dort wurde es auf „Gorch Fock I“ umgetauft.

Die römische Ziffer soll eine Verwechslung mit dem aktuellen Schulschiff der Deutschen Marine verhindern, das den selben Namen trägt, fast baugleich ist, jedoch erst im Jahre 1958 bei Blohm & Voss vom Stapel lief. 

Stralsund verhandelt über den Kauf der „Gorch Fock“

Im Frühjahr 2014 wurde in der Öffentlichkeit bekannt, dass die Stadt Stralsund bereits seit längerer Zeit mit dem Eignerverein Tallship Friends über den Kauf des Schiffes verhandelt. Wann und ob es wirklich zu dem Deal kommt, ist allerdings weiterhin ungewiss.

Einer der Streitpunkte ist der Kaufpreis. In den politischen Gremien herrscht derzeit aber auch Uneinigkeit, ob die Hansestadt finanziell überhaupt in der Lage ist, das Schiff zu halten.

 

 


Video: Die Gorch Fock verlässt den Hafen



Jens-Peter Woldt und Elisabeth Woldt