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Stralsund „Gorch Fock“ wird zurück in den Hafen geschleppt
Vorpommern Stralsund „Gorch Fock“ wird zurück in den Hafen geschleppt
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11:22 27.05.2015
Die „Gorch Fock“ liegt seit dem 18. Mai auf der Volkswerft. Am 27. Mai soll sie wieder zu Wasser gelassen und einen Tag später in den Stralsunder Hafen geschleppt werden.
Die „Gorch Fock“ liegt seit dem 18. Mai auf der Volkswerft. Am 27. Mai soll sie wieder zu Wasser gelassen und einen Tag später in den Stralsunder Hafen geschleppt werden.
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Stralsund

Die „Gorch Fock“ (I)  aus Stralsund hat für die nächsten fünf Jahre das Schwimmfähigkeitszeugnis vom Germanischen Lloyd erhalten. Das sagte am Mittwochmorgen Wulf Marquard vom Schiffseignerverein Tallship Friends.

Am 18. Mai war die Bark von ihrem Liegeplatz an der Ballastkiste im Stadthafen zur Volkswerft geschleppt worden. Zahlreiche Stralsunder und Touristen verfolgten das Spektakel.

Noch am selben Tag beförderte der Schiffslift den Traditionssegler ins Trockene, damit die Experten den stählernen Rumpf in Augenschein nehmen konnten.

Marquard: „Das Schiff ist unterhalb der Wasserlinie in einem recht guten Zustand. Nur Etwas mehr als ein Quadratmeter der Außenhaut musste erneuert werden.“

Zuletzt war die „Gorch Fock“ Ende des Jahres 2008 auf der Werft. Damals wurden am Rumpf unterhalb und oberhalb der Wasserlinie immerhin 200 Quadratmeter Stahl - gespendet von der Salzgitter AG - ausgetauscht. Die Kosten damals: 250 000 Euro.

Wie teuer der jetzige Werftaufenthalt wird, steht noch nicht genau fest. Marquard rechnet mit einer Summe zwischen 50 000 und 100 000 Euro. Der Hohe Preis hängt vor allem auch mit den  gescheiterten Schleppversuchen in den vergangenen Wochen zusammen.

Der ursprüngliche Termin Anfang März war wegen eines fehlenden Schleppers geplatzt. Mitte April verhinderten immer wieder zu starker Wind und zu hoher Wasserstand die Passage der Ziegelgrabenbrücke.

Für die Rückkehr des ehemaligen Segelschulschiffs in den Hafen von Stralsund hofft Marquard auf gutes Wetter. „Wir wollen am Donnerstag den Brückenzug um 8.20 Uhr nutzen“, sagte er. Bereits am Mittwoch werde das Schiff auf der Werft mit dem Lift wieder zu Wasser gelassen.

Am Freitag wird die „Gorch Fock“ an der Ballastkiste wieder für Besucher öffnen. Am Wochenende sind an Bord Trauungen geplant.

Gebaut wurde das Schiff 1933 bei Blohm & Voss in Hamburg als Segelschulschiff für die Reichsmarine. Ende April 1945 wurde es von der Wehrmacht im Strelasund vor Drigge versenkt, damit es nicht Beute der Roten Armee wird.

Die Sowjetunion ließ die „Gorch Fock“ später bergen und reparieren. Unter dem Namen „Towarischtsch“ (Genosse) fuhr sie als Schulschiff für die Marine der UdSSR und nach deren Zusammenbruch für die Ukraine.

Der Verein Tallship Friends kaufte das inzwischen völlig marode Schiff 2003 und ließ es nach Stralsund bringen. Dort wurde es auf „Gorch Fock“ umgetauft.

Um eine Verwechslung mit dem aktuellen Schulschiff der Deutschen Marine zu verhindern, das den selben Namen trägt, fast baugleich ist, jedoch erst im Jahre 1958 bei Blohm & Voss vom Stapel lief, wird dem Namen die römische Ziffer I angehängt.

Im Frühjahr 2014 wurde in der Öffentlichkeit bekannt, dass die Stadt Stralsund bereits seit längerer Zeit mit dem Eignerverein Tallship Friends über den Kauf des Schiffes verhandelt.

Wann und ob es wirklich zu dem Deal kommt, ist allerdings weiterhin ungewiss. Einer der Streitpunkte ist der Kaufpreis. In den politischen Gremien herrscht derzeit aber auch darüber Uneinigkeit, ob die Hansestadt finanziell überhaupt in der Lage ist, das Schiff zu halten.



Jens-Peter Woldt