Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Stralsund Schrottplatz-Feuer in Duvendiek: “Das sah aus wie ein Vulkanausbruch“
Vorpommern Stralsund Schrottplatz-Feuer in Duvendiek: “Das sah aus wie ein Vulkanausbruch“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:08 30.06.2019
Feuer auf dem Schrottplatz in Duvendiek: Rund 300 Autos, die am Montag eigentlich zur Verwertung abgeholt werden sollten, brannten am Sonntag völlig aus. Quelle: Stefan Tretropp
Anzeige
Duvendiek

Es ist für manche Familien noch Sonntags-Frühstückszeit, als plötzlich dicke, schwarze Wolken den Himmel über Duvendiek verdunkeln. „Ich dachte wirklich, unser Haus brennt, als die schwarze Wand über uns stand“, sagt Peter Leupold.

Der Duvendieker betreibt in dem kleinen Dorf den Campingplatz und betreut gerade seine Gäste, als er die Rauchschwaden bemerkt. Schnell wird klar: Der Schrottplatz schräg gegenüber brennt. „Das sah aus wie ein Vulkanausbruch.“

In Duvendiek bei Niepars brannte am Sonntag ein Schrottplatz. Das Feuer griff bereits auf ein Feld über. Etwa 150 Feuerwehrleute haben den Brand am Nachmittag löschen können.

Berufswehr und 14 Freiwillige Feuerwehren im Einsatz

300 alte Autos stehen in Flammen. Weil Reifen und Plastikteile mit brennen, steigt eine schwarze Wand gen Himmel. Der Wind treibt sie Richtung Altenpleen. Feuerwehr und Polizei bitten deshalb nicht nur die Duvendieker, sondern auch die Bewohner der Nachbarorte, Fenster und Türen geschlossen zu halten.

Der OZ-Liveticker zum Schrottplatzbrand zum Nachlesen

Zwar sind die Nieparser Feuerwehrleute die ersten Brandbekämpfer am Einsatzort, doch schnell wird klar: Das Feuer ist mit einem Tanklöschfahrzeug nicht zu bändigen. Hilfe wird angefordert, und so kommen im Laufe des Sonntagvormittags immer mehr Einsatzkräfte samt Fahrzeugen nach Duvendiek. Am Ende sind mehr als 150 Feuerwehrmänner und -frauen daran beteiligt, den Kampf gegen die Flammen aufzunehmen.

Auch Landwirte helfen bei Brandbekämpfung

Auch ein Feld hatte Feuer gefangen, ist aber schnell gelöscht – mit Hilfe der Landwirte. Sie ziehen Furchen, damit sich die Flammen nicht ausbreiten können. Andererseits sichern sie feldseitig mit Tanks auf Traktoren ein Übergreifen des Brandes ab, wie der Nieparser Agrar-Chef Rolf Mathiszik berichtet.

„Das ist wirklich schlimm, zum Glück hat das Feuer nicht das Wohnhaus erreicht. Gar nicht auszudenken, was da passiert wäre“, so Bärbel Schilling. Die Nieparser Bürgermeisterin informiert sich am Mittag über den Einsatz und dankt den Feuerwehrleuten für diese Hitzeschlacht.

Der Nieparser Wehrleiter Matthias Horn, Silvio Egdorf von der Berufsfeuerwehr, Einsatzleiter Benjamin Lange aus Niepars und der Kreisfeuerwehr-Chef Florian Peters (v.l.) werten Drohnenbilder aus, die Infos zu Glutnestern geben. Quelle: Ines Sommer

14 Freiwillige Feuerwehren, Berufsfeuerwehr Stralsund, Katastrophenschutz, Rettungsdienst (der zum Glück nicht gebraucht wird) und Polizei sind bei sengender Hitze im Einsatz. Im Schatten werden immerhin 34 Grad gemessen. Unter den Atemschutzgeräten sind es locker 60 Grad. „Deshalb mussten die Brandbekämpfer nach etwa 20 bis 30 Minuten an der Feuerfront erst einmal 30 Minuten pausieren“, meint der Nieparser Feuerwehr-Chef Matthias Horn.

Schreckmoment dann gegen Mittag im benachbarten Niepars. Ein Fahrzeug der Feuerwehr aus Sanitz ist auf dem Weg zum Schrottplatz in einer engen Kurve umgekippt. Die zwei Männer im Wagen wurden zwar verletzt, konnten sich aber selbst aus dem zerstörten Auto befreien.

Von großen Tanklöschfahrzeugen bis zur Drehleiter, Drohnen, Tragkraftspritzen, Einsatzleitungsfahrzeugen, Rettungswagen und Löschautos sind über 30 Fahrzeuge in Duvendiek an den Löscharbeiten beteiligt. Messwagen fahren die Umgebung ab, um die Schadstoffbelastung zu kontrollieren. „Natürlich entstehen bei so einem Brand Schadstoffe, aber durch die günstige Windrichtung haben wir Glück, dass die Belastung sehr gering ist“, sagt Kreiswehrführer Florian Peters.

Gefahr gegen 14 Uhr gebannt

Problem bei so einem Großbrand sei die Wasserversorgung, so Peters. „Wir mussten in alle Richtungen kilometerweit Schläuche legen, um an die Hydranten ranzukommen. Das dauert seine Zeit.“ Außerdem wurde das Wasser direkt aus dem Prohner Bach und aus dem Teich hinterm Campingplatz gepumpt.

Doch wie kriegt man 300 brennende Schrottautos überhaupt unter Kontrolle? „Wir haben zunächst mit Wasser gelöscht, um den Brandherd runterzukühlen. Dann werden die Autos auseinander geschoben und noch einmal mit Schaum gelöscht, so dass auch wirklich jedes Brandnest bekämpft ist“, erklärt Einsatzleiter Benjamin Lange von der Freiwilligen Feuerwehr Niepars.

Gegen 14 Uhr ist die große Gefahr gebannt. Die Feuerwehren haben den Brand unter Kontrolle, es brennen nur noch vereinzelt Autos. Deshalb geht die Einsatzleitung davon aus, dass der Einsatz noch bis in die späten Abendstunden dauert. Inzwischen hat die Polizei die Ermittlungen aufgenommen. Der Schaden wird auf 25 000 Euro geschätzt.

Zum Glück wurde niemand verletzt

Und während der Betreuungszug des DRK aus Stralsund die Einsatzkräfte mit kalten Getränken und Bockwurst versorgt, steht einer noch immer ganz fassungslos vor dem Schrottplatz: Detlef Salomon, Chef des Dapa-Familien-Unternehmens, zu dem auch Sohn Frank gehört, der die Schrottplatz-Firma in Duvendiek leitet. „Ich bin froh, dass niemand verletzt wurde. Aber trotzdem ist das ein ganz schöner Schlag. Dabei sollten die Autos Montag abgeholt und der Platz leer gemacht werden...“, schüttelt er den Kopf.

Überall werden die Kameraden mit Wasser versorgt. Immerhin sind 34 Grad im Schatten Quelle: Ines Sommer

Ines Sommer

In Duvendiek bei Niepars (Vorpommern-Rügen) brannte am Sonntagmorgen ein Schrottplatz mit rund 300 Autos. Etwa 150 Feuerwehrleute haben bei großer Hitze den Brand unter Kontrolle gebracht.

30.06.2019

Konzert für Bariton und Orgel am 3. Juli um 20 Uhr in der Marienkirche Stralsund, Matinee beginnt am 7. Juli um 11.45 Uhr.

30.06.2019

Auf dem Weg zum Großbrand in Duvendiek ist in Niepars (Kreis Vorpommern-Rügen) ein Feuerwehrauto umgekippt. Dabei wurden zwei Feuerwehrleute verletzt.

30.06.2019