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Stralsund Snazz: Mit dieser Fashion-App soll die Modebranche grüner werden
Vorpommern Stralsund Snazz: Mit dieser Fashion-App soll die Modebranche grüner werden
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10:00 28.08.2019
Vivian Tasch und Frenzy Klöckner, Zweite bei den Wahlen zur Miss MV, bei einem Shooting für Snazz im Bergener Stadion. Quelle: (C) Matthes Trettin
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Stralsund

„Du hast ein Vorstellungsgespräch und kannst nicht schlafen, weil du nicht weißt, ob du die passende Kleidung gewählt hast?“, sagt Hannes Trettin (29). „Für genau dieses Phänomen haben wir jetzt die Lösung.“ Mit seinem älteren Bruder Matthes Trettin (34) steht der junge Gründer an Deck der „Gorch Fock“ im Stralsunder Hafen. Eine Location-Besichtigung für ein Shooting. Für Snazz, eine neue Fashion-App, mit der die Brüder und der Schweriner Software-Entwickler Toni Gurski (30) die Modewelt grüner machen wollen. Seit einem Jahr feilen Toni Gurski, der in Ueckermünde geboren wurde, und die beiden gebürtigen Rüganer an der Idee. Ende Juli waren sie beim Notar in Stralsund und haben die Firma gegründet. „Wir sind jung und wollen etwas verändern“, sagt Hannes Trettin. Der seinen Job als Projekt-Manager bei Bosch hinter sich gelassen hat, um sich auf das neue Programm zu konzentrieren. Um die Welt reist er trotzdem noch. Aber in eigener Sache – und für Snazz. So nahm er zuletzt zum Thema „Nachhaltigkeit im Bereich Fashion“ auf dem „About you Pangea“-Festival auf der Halbinsel Pütnitz teil, traf sich am Montag mit Landrat Stefan Kerth (SPD) und wird Snazz im September auf dem Lollapalooza-Festival in Berlin präsentieren.

Modeberatung, Shopping und Social Media in einer App

Blick in die Snazz-App. Quelle: Snazz

Mit ihrer Fashion-App verbinden sie spielend Modeberatung, Inspiration, Shopping und Social Media. „Derzeit sind wir in der Betaphase“, sagt Toni Gurski. Getestet wird mit rund 150 Nutzern. Die Idee sei, eine Gemeinschaft aufzubauen, in der die Teilnehmer ihre Outfits teilen und darauf Feedback bekommen und geben. „Ursprünglich hatten wir eine Whatsapp-Gruppe. In dieser haben wir uns gegenseitig beraten“, sagt Gurski. „Bis es irgendwann 100 Leute waren. Wir haben gesehen, dass es ein Bedürfnis nach schneller Beratung gibt“, sagt Hannes Trettin. Er selbst sei damals in China gewesen. War seine Freundin in einem Laden, konnte er nicht helfen. Doch die Community sprang ein. „Genau so stellen wir uns das bei Snazz vor“, sagt Trettin. Nur eben nachhaltiger.

Jährlich wird Kleidung im Wert von 35 Milliarden Euro verbrannt

Die App sammelt die Daten der Nutzer und lernt so den persönlichen Stil kennen. Über die Daten soll perspektivisch die Ressourcenverschwendung der Modebranche reduziert werden. So jedenfalls der Anspruch der Gründer. „Aktuell wird ein Drittel der weltweit produzierten Kleidung nicht verkauft“, erklärt Trettin. „Wegen Überproduktion und weil der Kundengeschmack nicht getroffen wird. Die Kleidung wird nicht recycelt. Sie wird oft einfach verbrannt – weil es günstiger ist.“ So werden jährlich Klamotten im Wert von 35 Milliarden Euro vernichtet.

So soll die Snazz-App finanziert werden

Mit der Snazz-App soll dies geändert werden. Ein Teil des Geschäftsmodells ist ein Abo für Unternehmen der Modebranche. Die Daten sollen Trends sichtbar machen, sodass die Produktion und der Verkauf von Kleidungsstücken planbarer werden. Ziel ist, nur noch das herzustellen, was der Kunde kaufen wird. „Unsere Nutzer behalten die Hoheit über ihre Daten und wissen immer, was sie preisgeben“, sagt Hannes Trettin. Die Datenbasis für die Unternehmen sei anonymisiert. „Derzeit haben Filialleiter nur ein Gefühl, was in den Läden läuft. Mit unserer App wollen wir sichtbar machen, welche Stücke in welcher Farbe und Größe an welchem Standort benötigt werden.“ All dies wird über ein Dashboard dargestellt. Unternehmen, die Standorte in Stralsund, Greifswald, Rostock oder auf Usedom haben, wissen dann, wo die Kleidung am besten abgesetzt werden kann. „Noch haben wir zu wenig Nutzer“, sagt Trettin. „Aber schon jetzt ist sichtbar, dass in Städten wie Stralsund oder Greifswald funktionelle Kleidung aus dem Sportbereich dominiert. Schon in Schwerin wird eher ’Urban Lifestyle’ getragen“, sagt Trettin.

Finanzierung wird von drei Gründern getragen

Entwicklung und Finanzierung tragen die drei Gründer momentan allein. „Ein halbes Jahr ist sicher“, sagt Hannes Trettin. Für die Zeit danach wird neben dem Abo-Modell für Unternehmen eine weitere Einnahmenquelle angepeilt. „Auf Basis der Daten können wir gezielt Werbung ausspielen“, erklärt Trettin. Hinzu kommt eine Form des Empfehlungsmarketings. Werden bereits verlinkte Sachen nachgekauft, erhält Snazz eine Provision. Davon sollen auch Nutzer profitieren. „Verlinkt man seine eigene Kleidung, können darüber Gutscheine verdient sowie Bäume gepflanzt werden.“

Modebranche muss nachhaltiger werden.“

So viele Klamotten. Doch welche sind die richtigen für Model Stefan Gurski? Quelle: Matthes Trettin

Derzeit steht der Aufbau einer Community im Vordergrund. Über die Digitalisierung des eigenen Kleiderschranks soll den Nutzern bewusster gemacht werden, was sie haben, was sie tragen – und was sie brauchen. „Wir müssen dahin kommen, dass die Lebenszyklen von Klamotten verlängert werden“, sagt Trettin. Daher würde Snazz primär mit Modemarken zusammenarbeiten, die fair und nachhaltig produzieren. „Rund 20 Marken sind dabei“, sagt Trettin. „Aber auch das Thema Second Hand wird eine Rolle spielen.“ Die Gründer wollten was für Nachhaltigkeit tun, weil sie an die Zukunft ihrer Kinder denken – wie Fotograf Matthes Trettin, der demnächst zum zweiten Mal Vater wird. So unterstützen sie die Aktion „Entrepreneurs for Future“. Darüber würden sich bisher 2426 Unternehmen für mehr Klimaschutz einsetzen.

App als Weg zurück nach Vorpommern

Kümmert sich um die Entwicklung der Software: Toni Gurski aus Schwerin. Quelle: (C) Matthes Trettin

Der größte Teil der Arbeit findet ortsunabhängig über das Internet statt, für Absprachen gibt es Telefonkonferenzen. Denn die Gründer arbeiten in unterschiedlichen Städten: Hannes Trettin in Berlin, Programmierer Toni Gurski in Schwerin und Matthes Trettin betreibt ein Fotostudio in Putbus. „Jeden Monat gibt es ein Treffen“, sagt Matthes Trettin. „Meist bei mir.“ Sein eigenes Studio hat er vor 15 Jahren gegründet. Dem Standort Rügen ist er treu geblieben. „Läuft die App, wollen wir unser Unternehmen in Vorpommern ansiedeln“, sagt Trettin.

So funktioniert das Gründen unter Brüdern

Location-Besichtigung in Stralsund: Matthes und Hannes Trettin auf der Gorch Fock. Quelle: Kay Steinke

Drei Gründer, gleiche Rechte – aber zwei Brüder in einem Team. „Es ist anders als mit einem normalen Mitarbeiter“, sagt Matthes Trettin. „Uns verbinden viele Sachen. Man kennt sich gut und kann sich auf den anderen verlassen.“ Trotzdem sei manchmal ein komisches Gefühl dabei, bei komplizierten Entscheidungen. „Im Zweifelsfall entscheidet die Mehrheit“, sagt Hannes Trettin. „Wenn eine Idee von Toni gut ist, stimme ich dafür. Da ist es egal, ob Matthes mein Bruder ist.“ Komplettiert wurde das Team jüngst von Min Ye (34). Die gebürtige Chinesin ist Datenspezialistin und beschäftigt sich wissenschaftlich mit Big Data und künstlicher Intelligenz. Mit ihren Kompetenzen wird das Aufbauen der Datenbanken und des Snazz-Dashbords erst möglich. „Aktuell arbeitet sie als Partnerin mit“, sagt Hannes Trettin. „Wir werden sie aber noch ins Gründungsteam mitaufnehmen.“

SNAZZ, deine Fashion-App

Snazz ist ein junges Gründerteam um den Modeliebhaber Hannes Trettin (29), den Fotografen Matthes Trettin (34) und den Softwareentwickler Toni Gurski (30). Die Gründer kennen sich von Rügen. Seit einem Jahr arbeiten sie an Idee und App. Ende Juli 2019 haben sie Snazz als Unternehmergesellschaft gegründet. Jüngstes Mitglied im Team ist Data Scientist Min Ye (34).Snazz soll nicht nur Modeliebhaber glücklich machen, sondern die Welt auch grüner. Mit Prognosen über Verkäufe und richtige Locations soll Verschwendung in der Industrie (Überproduktion, Transporte) verhindert werden.Design und Logo wurde von Matthes Trettin entwickelt. Snazz kommt aus dem Englischen und kann mit „schnieke“ übersetzt werden. Wobei „snazz up“ auch „schick machen“ heißen kann. „Mit seinen fünf Buchstaben war Snazz für uns der perfekte Markenname“, sagt Matthes Trettin.Mit 20 Modemarken, die nachhaltig produzieren, sind bereits eine Kooperationen geplant. Weiterhin wird Snazz von 20 Influencern unterstützt.

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Von Kay Steinke

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