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Stralsund Gunter Lampe setzt sein neues Buch
Vorpommern Stralsund Gunter Lampe setzt sein neues Buch
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00:00 01.11.2017
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Stralsund

Er ist ein Meister des Wortwitzes, der Doppeldeutigkeiten und Anspielungen. Politik und Alltagsdinge kommentiert er pointiert, bissig und auch mal mit rabenschwarzem Humor. Seinen kritischen Blick will er sich nicht verstellen lassen. Und er bleibt ein Romantiker. Mit knallharten Botschaften allerdings, denn sonst wäre Gunther Lampe nicht Gunter Lampe. Als „Normalbürger“ übrigens Gunther mit „h“. Als Autor Gunter ohne „h“. Gut, dass wir dies nach fast 25 Jahren nun auch mal aufklären.

Das neueste Buch des Stralsunders heißt „Ich schreib dir paar Seemannslieder“. Und das entsteht gerade im Mückenschweinverlag – im Maschinensatz auf der Linotype, im Druck auf einer Original-Heidelberger-Zylinder, einer Buchdruckmaschine von 1959.

Das ist aufwändig. Kostet Zeit. Die nimmt sich Gunter Lampe. Und – assistiert von Verlagsleiter Fred Lautsch – nimmt er auch selbst mal an der Setzmaschine Platz, um eine ganze Zeile neu in die Tasten zu hauen. Das muss geschehen, wenn nur ein Komma falsch ist. Die Überschriften wurden in der Schweiz gesetzt. „Weil wir nicht so große Kegel haben“, erklärt Fred Lautsch.

Auf dem Titelbild wird Gunter Lampe ganz seemännisch daher kommen. Mit Pfeife im Mund, die er früher sogar geraucht hat, und Schiebermütze. „Ich bin gar kein richtiger Seemann. War nie nich auf grode Fahrt. Aber mien Deern versteh’ man, de ganzen Plünn’ sind meine Art“, dichtet Lampe und erklärt, warum ihm gerade diese Utensilien so wichtig sind.

Die verschlissene Mütze stammt von seinem Opa. Die Knöpfe, abgeschnitten von Opas alter Kriegsmarine-Uniform aus dem Jahr 1939, hat er in Omas Nähkasten in Ahlbeck entdeckt. Und das abgegriffene Zeitungs-Bild von Hans Albers aus der „Großen Freiheit Nr. 7“ hütet er seit Ewigkeiten.

„De Knöppe“ heißt denn auch eines seiner Gedichte, von denen längst nicht alle im neuen Buch Platz finden. 25 Texte werden es am Ende sein. „Alle sind sehr autobiografisch“, sagt der Dichter. Keine Frage, er fühle sich in der Region verwurzelt. Schließlich lebt der gebürtige Wolgaster mit seiner Familie schon lange und gern am Sund. Aber dennoch stecke eben doch auch etwas von einem sehnsuchtsvollen Seemann in ihm. Mit seiner ganzen Zerrissenheit.

Als Autor assoziiert Gunter Lampe mit der See und dem Meer vor allem die Verbindung zu aktuellen Themen. Wenn er also die weißen Segel auf der Hanse-Sail sieht oder Nachrichten über den gestrandeten Luxusliner „Costa Concordia“ hört, dann sind Gedanken an die Flüchtlingsströme, die übers Mittelmeer führen, nicht fern. Und ein Törn a la Lampe nach Jamaika endet dieser Tage mit Sicherheit nicht in der Karibik. „Wo geht’s hin, wie geht’s weiter“, diese Frage beschäftige ihn immer wieder neu.

„Ich möchte Gegensätze und Standpunkte nach außen bringen“, sagt der Vater von vier Kindern und schreibt’s auf. Immer wieder auch über sein „Kleines Heimatstädtchen“. Die „Gorch Fock“ ist seine „segellose Vertraute“, der er mit einem Grog zuprostet. Ein „sehnsuchtsvolles Luder“, das vielleicht doch „irgendwann mal die See, die laute“, holt. „Oh’n di“ ist eine wunderbare Liebeserklärung. Und die „Seerose“ liest sich so: „Wenn du sie liebst, kauf deiner Braut nie Blumen mit üppigem Kelche. Sie denkt dann ,Ich hab’ ein’ Kerl, der sich nicht traut.’ Also klau ihr gefälligst welche!“

Beim „Gedicht nach dem Besuch dreier Kneipen (Konnte keine Reime mehr. Allohol scheint Prosta,... tschuldigung Prosa, zu bevorzugen) drängt sich ein Bild auf: Der 44-Jährige sitzt in der „Fähre“ oder im „Ben Gun“ und sinniert über einen „Stralsunder Abend international“. Da geht’s, „alter Schwede“, von New York nach Paris, hintern Polarkreis und zur belgischen Grenze. „Wo die da rumrussen, kam ihm zwar spanisch vor, aber wenn die Schotten da erst dicht sind... und mit dem Schweizer Messer gen Italien, dann ist Polen offen.“ Was alle einte, war das irische Bier. Doch was tat Gunter Lampe?

„Ich blätterte in einem Saturnkatalog, aß einen Marsriegel und stellte, mit beiden Beinen auf der Erde stehend, fest, dass ich offensichtlich hinterm Mond lebe.“

Marlies Walther

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