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Stralsund Ein Schloss für die freie Entfaltung des Menschen
Vorpommern Stralsund Ein Schloss für die freie Entfaltung des Menschen
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Das Gutshaus in Hugoldsdorf und einige der Bewohner, die sich hier engagieren, um die einstige Schönheit des wegen seiner Größe auch Schloss genannten Gebäudes wieder aufleben zu lassen. Quelle: Jörg Mattern
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Hugoldsdorf

Gottfried Stockmar hält es mit Friedrich Schiller, wenn er sein Lebensmotto beschreibt „Schone fremde Freiheit. Zeige selbst Freiheit“, zitiert er den Dichter. Und der 64-Jährige hat im Gutshaus Hugoldsdorf den Ort gefunden, wo er danach leben kann. Der gelernte Heilpädagoge hatte sich als freiberuflicher Dozent im Bereich der Lehrerfortbildung und Sozialtherapie, im Bereich der Waldorf-Schulen, bundesweit einen Namen gemacht, bis es ihm 2006 in Hamburg zu eng wurde. „Da war schon alles fertig“, sagt Stockmar. Er suchte nach einer neuen Herausforderung und stieß dabei im Internet auf den einstigen Herrensitz in Hugoldsdorf – 30 Räume in zwei Wohnetagen mit jeweils 500 Quadratmetern, dazu kommen Keller- und Bodenflächen. Deckenhöhen von 4,5 Metern, Wände, die bis zu 65 Zentimeter dick sind, der mehr als 70 Quadratmeter große Saal mit kassettenförmiger Stuckdecke und dazu gut drei Hektar Fläche samt verwildertem Gutspark. Und Stockmar kaufte das Anwesen.

Der Zahn der Zeit und seine Spuren

Am Gutshaus von 1861, das im Dorf Schloss genant wird, und im Park hatte der Zahn der Zeit deutliche Spuren hinterlassen. Das alles wieder auf Vordermann bringen zu können, war nicht nur die Herausforderung, nach der Gottfried Stockmar gesucht hatte. Vielmehr wusste er: „Hier sollte sich mein Bedürfnis nach Platz und Ruhe erfüllen.“

Durch Eigentum soll keine Macht entstehen

Diesen Wunsch hatten offenbar noch weitere Freunde und Bekannte. Mit Gottfried Stockmar zogen Helfer in das Gutshaus ein und packten mit an. Heute wohnen 14 Menschen hier, Singles, Familien und ihre Kinder. Allen gemeinsam war und ist, sich hier frei entfalten zu können. „Hier muss keiner für das Haus arbeiten. Wer will, geht einfach seinen Interessen nach, die auf andere Weise die Gemeinschaft bereichern können“, sagt der Schlossherr, der inzwischen die Verantwortung nicht mehr alleine trägt, denn seit 2015 hat das Haus fünf Eigentümer. „Ich wollte stets Eigentum und Arbeit trennen. Durch Eigentum sollte keine Macht entstehen dürfen“, ist Stockmars Überzeugung. Dazu gehört auch: Wer hier wohnt, zahlt keine Miete, nur seine anteiligen Verbrauchskosten. Und er muss seine Unterkunft auch nicht durch Leistungen für die Schlosssanierung abarbeiten. Hier ist Gottfried Stockmar ganz bei Schillers „Schone fremde Freiheit“.

Freunde helfen mit Spenden und Schenkungen

Doch wie finanziert sich so die große Unternehmung Schlosserhalt? Den Grundstock dafür legte Stockmar selbst mit dem Verkauf seines Hauses in Hamburg. Er selbst leistet seinen Teil zur Sanierung durch Schreinerarbeiten. Der reparierte hölzerne Aufgang ins Obergeschoss, die originalgetreu aufgearbeiteten Dreifüllungstüren zeugen von seinem Können. Zu denen, die von Beginn an mit dabei sind, gehört Florian Lück. Schauspiel hat er einst studiert und Waldorfpädagogik. Er folgte seiner Maxime „etwas tun, was man selbst will – nicht was man muss“. Das können sie hier vor allem, weil ein großer Freundeskreis sie durch Spenden und Schenkungen unterstützt. Mancher kommt auch vorbei, arbeitet eine Zeit lang mit und fährt dann wieder nach Hause.„Die Sanierung geht immer dann weiter, wenn Geld da ist. Das Projekt ist dadurch schuldenfrei“, sagt Lück.

Das klingt langwierig und ist es vielleicht auch. Dennoch hat sich inzwischen viel getan, was man dem Gutshaus und seinem Park ansieht. Das Dach ist dicht, die Südfassade präsentiert sich nach Stuckarbeiten wie in alten Zeiten. Drinnen wurden die Zwischenwände entfernt, die nach 1945 eingezogen wurden. Zu DDR-Zeiten war das Gebäude alles – Mietshaus, Konsum, Kneipe, Arztpraxis, Eiersammelstelle.

Raum für Raum bewohnbar gemacht

Raum für Raum wurde inzwischen wieder hergestellt, bewohnbar gemacht. „Man sieht hier noch die wechselvolle Geschichte des Hauses bis hin zu Türen aus DDR-Zeiten“, sagt Florian Lück. Doch die einstige Schönheit der Räume soll wieder erlebbar werden, ebenso wie die des Parks, der vom Wildwuchs befreit wurde.

Ein Ort, der Vertrauen sucht

Marian Conens hat die Veränderungen miterlebt und -gestaltet. Sie ist vor fünfeinhalb Jahren hier eingezogen. „Ich finde diesen Ort spannend, weil er Vertrauen sucht“, sagt die 29-Jährige. „Er funktioniert nicht ohne.“ Für Florian Lück hat das viel mit dem ländlichen Raum rundherum zu tun. „Alles, was einem hier fehlt, etwa an Vereinsleben, muss man sich selber schaffen“, sagt er. Lück hat das getan. Er ist Chef der Hugoldsdorfer Feuerwehr. Gottfried Stockmar war es stets wichtig, das Haus für die Menschen offen zu halten. „So mancher Hugoldsdorfer kommt gerne vorbei, um hier einen Kaffee zu trinken und einfach mal zu reden.“ Das Schloss und seine Bewohner leben nicht im luftleeren Raum.

Jörg Mattern

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