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Stralsund Hansa Rostock in Niepars: Wie dieser Mann aus einem Acker einen Fußballplatz machte
Vorpommern Stralsund

Hansa Rostock in Niepars: Mann macht aus Acker Fußballplatz

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20:25 31.08.2020
Stephan Kräge kümmert sich um die Pflege des neuen Rasens beim SV Niepars. Zum Dank überreichte Lennart Goldbecher das Geschenk der Mannschaft: Ein Sensenmäher. Quelle: Horst Schreiber
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Niepars

Bei jeder Grätsche, mit der ein Nieparser am Freitagabend im Freundschaftsspiel gegen Ball und Spieler von Hansa Rostocks U 21 über den Rasen schlitterte, müsste Stephan Kräge zusammengezuckt sein. Der 39-Jährige schaute hinter der Stadionbande des SV Niepars angespannt zu – allerdings sorgte er sich weniger um die Spieler als vielmehr um das Grün.

“Ich gucke eher auf den Rasen, weniger auf die Partie”, gestand Kräge lachend. Denn der Mann hatte – neben zahlreichen weiteren freiwilligen Helfern – monatelang mit Hingabe dafür gesorgt, dass aus dem einstigen Fußballacker ein dicht bewachsener “Teppich” wurde. Am Freitag weihten die Kreisoberliga-Kicker und die Profi-Reserve der Kogge den neuen Platz ein. Der SV93 ging mit 0:14 unter. Wichtiger war aber: Der neue Rasen hatte den Härtetest bestanden.

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“Ich denke, das Ergebnis kann sich sehen lassen”, stellte Kräge zufrieden fest. Hansa-Stürmer Henry Haufe lobte ebenfalls: “Aktuell ist der Nieparser Rasen besser als unser Platz im Volksstadion.” Und auch SVN-Kicker Richard Möller freute sich über die Rückkehr auf das eigene Geläuf: “Das war ein ungewohntes, aber geiles Gefühl. Ich kann nur allen danken!”

Ständig mähen und “Zaubermittel” gegen Unkraut

Der Ausfallschritt von Christian Keil als letzte Rettung wirkt nicht, Hansas Cosmo Syrbe zieht trotzdem Richtung Tor. Quelle: Horst Schreiber

Im März 2019 sperrten die Nieparser auf eigenen Wunsch den Platz. Ein Fußballspiel darauf war nicht mehr möglich – Maulwürfe, Unebenheiten und wenig Grün. Seitdem bestritt das Team jedes Spiel auswärts. Eineinhalb Jahre später können sie endlich ins eigene Stadion zurückkehren.

Dafür sorgte unter anderem Stephan Kräge. Mit angelesenem Wissen, selbst gebauten Gartengeräten und Expertenwissen vom Greenkeeper-Team des Golfparks am Strelasund wurde der Platz komplett umgekrempelt. “Das Wichtigste ist: mähen, mähen, mähen!”, verriet Kräge. Das macht er dreimal pro Woche, notfalls auch mit der Handschere, um einzelne Halme an den Pfosten zu kürzen. Gegen das Unkraut half ein “Zaubermittel vom Golfpark”. Rezeptur geheim. Nur ein winziger Erdfleck nahe der Mittellinie war noch zu sehen. “Ja, der Maulwurf, ne?! Der kam vor zwei Tagen. Da habe ich ihm eine Schacht angedroht und seitdem ist er verschwunden”, unkte Kräge.

Viele Anfragen bei Greenkeeper Kräge

Wie viele Stunden der gelernte Maurer seit Januar im Nieparser Stadion verbracht hat, weiß er nicht. Eigentlich sei er jeden Tag dort. “Ich bin froh, dass ich eine starke Frau habe, die das mitmacht”, dankte Kräge. Nicht nur die Frau muss seit dem Vollzeit-Projekt zurückstecken, auch der heimische Garten sei nicht mehr ganz so gut in Schuss. Dafür gäbe es zahlreiche Anfragen von Bekannten, um deren Grünflächen sich Kräge doch nun auch kümmern könnte.

Seit Freitag dürfte es einige Interessenten mehr geben, die von Kräges Grünpflege-Wissen profitieren wollen. 500 Fans verfolgten das ungleiche Duell Niepars gegen Hansa und machten sich ein Bild vom Platz.

Drei Großchancen für Niepars, acht Tore Henry Haufe

“Im Spiel ging natürlich alles schneller als gedacht”, offenbarte NieparsRichard Möller. So netzte Henry Haufe bereits nach wenigen Sekunden zum 1:0 ein. Der erste Hansa-Angriff landete im Tor. Sieben weitere Treffer folgten bis zur Pause. Haufe kannte keine Gnade mit dem um fünf Klassen tiefer spielenden Gegner, traf insgesamt sieben Mal. “Ich bin Stürmer. Warum soll ich danebenschießen?”, fragte der Routinier verschmitzt. “Das war ein gutes Kontrastprogramm zum Ligastart. Es tat gut, mal Tore zu schießen. Allerdings ging es vorwiegend um das Event.”

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Und das zelebrierten die Fans. “Alle haben gejubelt, sobald wir in Richtung gegnerisches Tor gelaufen sind. Das war cool!”, befand Möller, der in der 28. Minute die größte von insgesamt drei Nieparser Chancen hatte. Möller stand völlig frei vor Hansa-Schlussmann Oliver Gaedtke, der Sieger im Duell blieb. “Ich hatte nur noch einen Tunnelblick. Und dann hält der Keeper natürlich super. Schade, ein Tor wäre geil gewesen”, bilanzierte Möller und hofft: “Vielleicht kommen nun auch zu den Ligaspielen wieder mehr Zuschauer.”

Greenkeeper Stephan Kräge hat einen anderen Traum: “Ein richtig guter Rasenmäher wäre top.” Immerhin: Die Pfosten muss er nun nicht mehr mit der Handschere freischneiden. Die Mannschaft bedankte sich in der Halbzeitpause für Kräges Arbeit mit einem neuen Sensenschneider bei ihrem Platzwart.

Von Horst Schreiber