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Stralsund Hausarzt-Mangel auf dem platten Land verschärft sich
Vorpommern Stralsund Hausarzt-Mangel auf dem platten Land verschärft sich
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00:00 09.07.2015
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Stralsund

Schon jetzt fehlen auf dem platten Land viele Hausärzte. Gibt es in ganz Mecklenburg-Vorpommern 117 unbesetzte Stellen, so spitzt sich die Situation besonders in der Region Grimmen jetzt zu. „Uns fehlen 7,5 Hausärzte in diesem Gebiet. In Ribnitz ist eine halbe Stelle unbesetzt. Im Bereich Stralsund Land sind es fünf Arztpraxen, die unbesetzt bleiben“, sagt Jörg Heusler. Der Leiter des Gesundheitsamtes Vorpommern-Rügen kann nur für Rügen und die Hansestadt Entwarnung geben, hier gibt es ausreichend Ärzte.

Das Land versucht mit einem Zuschuss von 50000 Euro pro Mediziner, Fachärzte für Allgemeinmedizin in die so genannten unterversorgten Gebiete zu locken. Doch auch der Landkreis hat eine Initiative ins Leben gerufen, um gerade junge Ärzte nach Vorpommern oder Rügen zu bekommen. 2011 hatte der Kreis Nordvorpommern die Idee, Medizin-Studenten schon während der Ausbildung rechtzeitig an sich zu binden, so dass sie später als junge Ärzte hier praktizieren. Vorpommern-Rügen setzt die Initiative fort. Der Kreistag hat am Montag in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause beschlossen, interessierten Studierenden eine Studienbeihilfe zu gewähren. Und das wurde bis 2019 festgeschrieben.

Wie funktioniert die Förderung? Auf Antrag können jährlich drei Studierende eine Unterstützung von monatlich 500 Euro in Anspruch nehmen. Dieser Zuschuss wird für maximal vier Jahre gezahlt.

Voraussetzung ist, dass man an einer deutschen Uni Medizin studiert. Außerdem muss der Student bereits den ersten Abschnitt der ärztlichen Ausbildung absolviert haben, sprich das Physikum muss bestanden sein.

Im Gegenzug verpflichten sich die jungen Leute, nach absolvierter Facharztausbildung oder ähnlicher Weiterbildung, in einem unterdurchschnittlich versorgten Bereich des Landkreises Vorpommern-Rügen die ärztliche Versorgung für mindestens vier Jahre sicherzustellen. Für den Begriff „unterversorgt“ gilt nicht das subjektive Empfinden, sondern die Statistik der kassenärztlichen Vereinigung. Im Moment gilt der Bereich rund um Grimmen als solch ein Einsatzgebiet.

Die Aktion läuft. Vier Studenten — drei Frauen und ein Mann — sind bisher in diesem Programm registriert. Zwei von ihnen werden zurzeit noch mit monatlich 500 Euro unterstützt. Die anderen beiden haben ihr Studium abgeschlossen und befinden sich zurzeit in der Facharztausbildung. Da diese mindestens fünf Jahre dauert, kann der Landkreis also frühestens 2020 mit der Niederlassung eines jungen Arztes rechnen.

„Die Förderung ist eine langfristige Geschichte, sozusagen ein Blick in die Zukunft“, so Heusler. Der Allgemeinmediziner, der zudem Facharzt im öffentlichen Gesundheitswesen ist, hält Kontakt zu den angehenden Ärzten. „Alle vier kommen von der Uni in Greifswald. Und sie sind mit der Region verbunden, denn sie wohnen in Vorpommern-Rügen oder Vorpommern-Greifswald“, sagt der 48-jährige Fachdienstleiter Gesundheit der Kreisverwaltung. Allerdings macht er kein Hehl daraus, dass sich in der gesamten Republik am System etwas ändern müsste, um dem Problem bundesweit zu begegnen.

Nur Rügen und die Stadt Stralsund sind gut versorgt

117 Hausärzte fehlen in MV, davon 86 in so genannten unterversorgten Gebieten. In Vorpommern-Rügen sind 13 Stellen nicht besetzt.
7 Mediziner-Stellen sind allein rund um Grimmen frei, im Altkreis Stralsund sind es fünf. Gesperrt für jegliche Arztzulassungen sind die Hansestadt und Rügen.
12 500 Euro zahlt der Kreis in diesem Jahr an Studienbeihilfen. Bis 2019 summiert sich die Förderung auf 72000.



Ines Sommer

Stralsund/Steinhafen/Zandershagen - Windräder: 10 Kilometer Abstand zur Ostseeküste
09.07.2015