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Stralsund Heißsporne aus Vorpommern
Vorpommern Stralsund Heißsporne aus Vorpommern
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00:09 19.05.2018

In der Politik gilt die Frage nach den Zukunftsaussichten eigentlich als unangemessen. Ein Mandat, egal ob im Bundestag oder im Landtag, hat man auf Zeit. Als berufliches Fundament taugt es nicht. Andernfalls besteht die Gefahr, dass sich Politiker in Ermangelung von beruflichen Alternativen (Was hat der eigentlich gelernt?) zu sehr an ihre Macht klammern und zur Abhängigkeit neigen könnten.

Insofern liegen die beiden jungen Berufspolitiker aus Vorpommern, der Bundestagsabgeordnete Philipp Amthor (CDU) und der Landtagsabgeordnete und Staatssekretär Patrick Dahlemann (SPD), auf den ersten Blick gleichauf. Aber: Amthor hat sein Jurastudium an der Universität Greifswald mit Prädikat abgeschlossen und arbeitet nebenher an seiner Promotion. Dahlemann hat indes außer Abitur und Führerschein nichts vorzuweisen und ist streng genommen noch ein Dauerstudent, sodass man ihm eine größere Motivation unterstellen darf, sich an die Politik als Broterwerb klammern zu müssen, während Amthor auch als Jurist gute Aussichten haben dürfte.

Gelingt es beiden, politisch weiter aufzusteigen, dürfte Dahlemann im Land die besseren Karten haben, ein Ministeramt zu erobern, was für Amthor auf Bundesebene wegen der deutlich größeren Konkurrenz naturgemäß schwieriger zu erreichen ist. Allerdings wird er als potenzielles Talent gehandelt. Dahlemann ist indes auf Landesebene bereits parlamentarischer Staatssekretär und steht damit auf der Startrampe zum Ministeramt.

Guten Kontakt zur ihrer Parteiführung haben übrigens beide. Amthor gilt als „Muttis Liebling“, Dahlemann als Schoßhündchen von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig.

Fazit: Unentschieden

Für wen ging es steiler nach oben?

Beide Jungpolitiker haben einen außergewöhnlichen Senkrechtstart hingelegt – der sowohl bei Philipp Amthor als auch bei Patrick Dahlemann durch das Internet so richtig Fahrt aufnahm.

Es war im Sommer 2013, als Dahlemann bei einer NPD-Kundgebung in seiner Heimatstadt Torgelow das Mikro ergiff, um gegen Fremdenhass und dumpfe Parolen anzureden. Das Video landete später bei Youtube und wurde zum Hit. Der bis dahin weithin unbekannte Kommunalpolitiker wurde plötzlich in ganz Deutschland als mutiger Verfechter demokratischer Werte gefeiert, der sich auch von einer Horde Rechtsextremer nicht abschrecken lässt. Es gab kaum eine Talkshow, in der Dahlemann nicht saß, kaum eine Zeitung, der er kein Interview gab. Fortan ging es steil nach oben. Es folgten der Einzug in den Landtag und die Berufung zum Staatssekretär für Vorpommern.

Der Auftritt, der Philipp Amthor bundesweit Respekt und Anerkennung einbrachte, richtete sich gegen die AfD. Nachdem er als zweitjüngstes Mitglied in den Bundestag eingezogen war, wurde er von vielen zunächst für sein streberhaft anmutendes Aussehen belächelt. Das änderte sich aber schlagartig im Februar 2018. An diesem Tag zerfetzte Philipp Amthor den Antrag der AfD-Fraktion zum Burka-Verbot rhetorisch in tausend Stücke – und die Antragsteller gleich mit. Legendär wurde sein Satz: „Hören Sie mir mal zu, dann können Sie noch was lernen über die Verfassung.“ Der Mitschnitt des Auftritts wurde im Internet hundertausendfach angesehen. Den Mann unterschätzt jetzt keiner mehr.

Fazit: Unentschieden

Wer trat weniger ins Fettnäpfchen?

Wer mit Mitte 20 in die Spitze der Politik vorstößt, auf den richten sich plötzlich die Scheinwerfer der Öffentlichkeit. Manch einer unkt: Vom Kreißsaal über den Hörsaal direkt in den Plenarsaal – das funktioniert nicht. Doch während Patrick Dahlemann tatsächlich immer wieder mit seinem Privatleben Schlagzeilen macht, bleibt Philipp Amthor so glatt und fehlerlos wie sein jungenhaftes Gesicht. Berufsprovokateur Jan Böhmermann hat in seiner Sendung versucht, den Jungpolitiker genau damit vorzuführen. Er hielt ein Bild Amthors in die Kamera und fragte: „Wie auch immer er dieses Gesicht über die Schulzeit gerettet hat – unversehrt.“ Das hat Böhmermann zwar Lacher eingebracht, Amthor aber wohl nur ein müdes Lächeln abgerungen. Trotz des Spotts denkt er nicht daran, etwas an seinem kauzigen Auftreten zu ändern. Im Gegenteil, er macht es zu seinem Markenzeichen und kann sich – auch dadurch – vor Aufmerksamkeit kaum retten.

Auch Patrick Dahlemann bekommt viele Presseanfragen, doch nicht immer sind sie vorteilhaft. Nachdem er sich zum Jahreswechsel per Facebook vom Strand am Roten Meer meldete und eine Ansprache über Gott und die Welt hielt, hagelte es Kritik. Er sei ein Wichtigtuer, der Beruf und Privatleben nicht trennen könne. Auch ein Foto, dass ihn Shrimps mampfend im Urlaub zeigt, bekräftigte seinen Ruf als Paradiesvogel. Zuletzt wurde über Patrick Dahlemann berichtet, dass er versucht hat, in seiner Dienstlimousine eine Spielkonsole anzuschließen.

Fazit: Punkt für Philipp Amthor

Wie bringen beide unsere Region voran?

Politisch haben sowohl Philipp Amthor also auch Patrick Dahlemann die Region allein damit vorangebracht, indem sie bemerkenswert engagierte Wahlkämpfe hingelegt haben, die der politischen Kultur in Vorpommern gut getan haben. Dahlemann zog 2016 erneut in den Landtag und schlug in seinem Wahlkreis um Torgelow und Ueckermünde den Konkurrenten von der AfD. Amthor deklassierte bei der Bundestagswahl 2017 die AfD ebenfalls.

Auch finanziell lohnt sich das Engagement der zwei jungen Politiker für Vorpommern. Staatssekretär Dahlemann zieht mit seinem Vorpommern-Fonds übers Land, aus dem er pro Jahr drei Millionen Euro in kleinen Häppchen an Vereine und Projekte verteilen kann. Auch Philipp Amthor versucht unbürokratisch Hilfe zu leisten und organisierte beispielsweise kürzlich 50000 Euro zur Reparatur des Daches des historisch-technischen Museums in Peenemünde. Zudem habe der Bund, wie Amthor sagt, im vergangenen halben Jahr deutlich mehr als sieben Millionen Euro in Vorpommern investiert. Dennoch: Drei Millionen als feste Summe pro Jahr kann er anders als Dahlemann nicht versprechen.

Fazit: Punkt für Patrick Dahlemann

Philipp Amthor

Philipp Amthor wurde am 10. November 1992 in Ueckermünde geboren. Amthor wuchs in Torgelow auf und legte 2011 in Ueckermünde das Abitur ab. Von 2012 bis 2017 studierte er an der Universität Greifswald Rechtswissenschaften. Seit 2017 arbeitet er an seiner Dissertation. Bei der Bundestagswahl 2017 gewann Amthor das Direktmandat im Wahlkreis Mecklenburgische Seenplatte I – Vorpommern-Greifswald II für die CDU. Er ist damit der zweitjüngste Abgeordnete des Deutschen Bundestages.

Patrick Dahlemann

Patrick Dahlemann wurde am 18. Juli 1988 in Pasewalk geboren. Genau wie Philipp Amthor ist er in Torgelow aufgewachsen und hat in Ueckermünde Abitur gemacht. Von 2008 bis 2014 studierte Dahlemann an der Uni Greifswald, ohne einen Abschluss zu erreichen. Danach wechselte er zur Fern-Uni Hagen. 2014 rückte Dahlemann in den Landtag nach. Bei der Landtagswahl 2016 errang er für die SPD das Direktmandat im Wahlkreis Vorpommern-Greifswald IV. Kurz darauf wurde er Staatssekretär für Vorpommern.

OZ

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