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Stralsund IG Bau will Arbeiter vor Dieselruß schützen
Vorpommern Stralsund IG Bau will Arbeiter vor Dieselruß schützen
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00:05 02.11.2017
Baumaschinist Philipp Klühs mit seinem Bagger in Aktion auf der Baustelle an der Hochschulallee in Stralsund. Quelle: Foto: Jörg Mattern
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Stralsund

Die Baustellen im Landkreis Vorpommern-Rügen sollen rußfrei werden. Das fordert die Gewerkschaft IG Bau und hat dabei vor allem Gesundheitsgefahren für die rund 2700 Bauarbeiter im Kreis durch Dieselruß im Abgasstrom großer Baumaschinen im Blick. „Egal ob Bagger, Walze oder Radlader – die Dieselrösser vom Bau sind ein riesiges Umwelt- und Gesundheitsproblem“, sagt Wolfgang Ehlert. Der IG-Bau-Bezirksvorsitzende sieht Bauarbeiter durch ein besonders hohes Risiko für Lungen- und Kreislauferkrankungen gefährdet. Die IG Bau Ostmecklenburg-Vorpommern fordert daher eine Pflicht zur Ausstattung von Baumaschinen mit Rußpartikelfiltern.“

Jörg Schnell, Hauptgeschäftsführer des Bauverbandes MV, hat grundsätzlich nichts dagegen, sich Gedanken über den Gesundheitsschutz auf den Baustellen im Land zu machen. „Doch ich denke zunächst mal, dass eine Baumaschine nicht durch den Tüv kommt, wenn sie die vorgeschriebenen Abgaswerte nicht erreicht“, sagt Schnell. Das sei der Rahmen, in dem man sich auf den Baustellen bewege. „Wir als Bauverband gehen davon aus, dass in unseren 1200 Betrieben diese Werte eingehalten werden.“

Auf der Baustelle an der Hochschulallee in Stralsund entsteht ein neues Wohngebiet. Hier ist Philipp Klühs mit seinem Bagger in Aktion. „Mir ist bisher gar nicht aufgefallen, dass Dieselruß unter den Kollegen ein Thema ist“, sagt der Baumaschinenführer. Aus dem Auspuff seines Baggers steigen jedenfalls keine schwarzen Rußwolken auf. Nur die Luft flimmert im heißen Abgasstrom. „Das kann auch nicht anders sein, denn der Bagger hat ein automatisches Abgassreinigungssystem, das zusätzlich alle acht Stunden die Werte überprüft“, weiß Klühs.

Auf moderne Technik setzt auch Bernd Waschki. Der Geschäftsführer der Vormann & Partner Bohrgesellschaft sagt: „80 Prozent unserer Fahrzeuge besitzen die Euro- Norm fünf oder sechs.“ Das gilt für Laster mit Bohraufsatz wie für die Raupenfahrzeuge. Rußpartikelfilter nachrüsten hält Waschki für schwierig. „Einfach Filter drauf und los geht nicht“, weiß er. Die Firma hatte sich vor geraumer Zeit mal dafür interessiert. Fazit: Technisch zu umständlich und teuer. „Dann doch besser den Firmenfuhrpark auf den aktuellen Stand der Technik bringen“, sagt Bernd Waschki.

Das ist auch die Taktik von Sandro Wenzel. Der Geschäftsführer der SAW GmbH in Sagard betont: „Unsere 12 Großgeräte sind alle auf neuestem Stand.“ Das liegt vor allem daran, dass die Landschaftsbau-Firma alle drei bis vier Jahre in neue Technik investiert. Und Wenzel sagt auch: „Mir ist nicht bekannt, dass einer meiner 30 Mitarbeiter bislang über Dieselqualm auf der Baustelle geklagt hätte.“

Dass es dennoch Gesundheitsrisiken durch Dieselmotoremissionen (DME) gibt, weiß Anja Neutzling. Die Pressesprecherin des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lagus) MV verweist auf Nachfrage auf die Publikation eines Forscherteams zu DME, veröffentlicht im Ipa-Journal 03/2010 des Instituts für Prävention und Arbeitsmedizin. Die Autoren kommen hier zu dem Schluss: „Neben den epidemiologischen und tierexperimentellen Studien wurde auch an Zellkulturen (in vitro) der Nachweis erbgutverändernder (mutagener) Eigenschaften der DME erbracht. Mutationen sind Voraussetzung für die krebserzeugende Wirkung von Dieselpartikeln und PAK.“ Letzteres sind polzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, wie sie sich auch im Abgas von Dieselmotoren finden.

Reizungen der Atemwege und der Augen

2710 Bauarbeiter sind nach Angaben der Gewerkschaft Bau im Landkreis Vorpommern-Rügen bei der Arbeit Dieselabgasen ausgesetzt. Dazu kommen ungezählte Anwohner von innerstädtischen Baustellen.

Ungefilterte Dieselabgase aus Baufahrzeugen sollen nach Gewerkschaftsangaben in Städten bis zu einem Viertel aller Stickstoffemissionen ausmachen.

Abgase von Dieselmotoren enthalten laut der Technischen Regel Gefahrstoffe (TRGS 554) Stickoxide, Kohlenmonoxid und -dioxid, Schwefeldioxid, Ruß mit Anlagerungen, u. a.

polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK).

Emissionen von Dieselmotoren (DME) können Reizungen der Schleimhaut der Atemwege und der Augen verursachen. Beeinträchtigung der Lungenfunktion ist durch die chronische DME-Einwirkungen durchaus möglich.

Um Arbeitnehmer zu schützen, sind laut TRGS 554 Arbeitsverfahren so zu gestalten, dass DME nicht frei werden, soweit dies nach dem Stand der Technik möglich ist.

Maßnahmen zur Minderung von DME sind etwa die Verwendung schadstoffarmer Dieselmotoren und die Verwendung von Dieselpartikelfiltern nach 4.1.3. der TRGS 554.

Jörg Mattern

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