Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Stralsund Immobilien-Krimi um Millionenprojekt
Vorpommern Stralsund Immobilien-Krimi um Millionenprojekt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:33 14.08.2015
In einer Anzeige im Internet wurde das Bauprojekt an der Schwedenschanze für sieben Millionen Euro angeboten. Quelle: Screenshot/OZ
Anzeige
Stralsund

Eine im Internet aufgetauchte mysteriöse Anzeige zum Verkauf eines millionenschweren Immobilienprojekts in Stralsund hat für großes Aufsehen gesorgt. Im Portal „Immowelt“ war zu Wochenbeginn das geplante Vorhaben einer edlen Wohnsiedlung mit Yachthafen an der Schwedenschanze angeboten worden – also jenes Projekt, das Investor Fred Muhsal erst im Juli dem Bauausschuss der Hansestadt vorgestellt hatte und für das es von der Bürgerschaft noch gar kein grünes Licht gibt.

Obwohl noch kein einziger Spatenstich getätigt worden ist, wurde für das Gelände im Netz ein sagenhafter Preis von sieben Millionen Euro aufgerufen. Dabei ist das Areal bislang nur einen Bruchteil dieser Summe wert, da der Bebauungsplan dort nur einen maritimen Gewerbepark und keine Wohnhäuser zulässt. Besitzer des Grundstücks ist die Ostsee-Stralsund-Appartement GmbH von Fred Muhsal. Mit der vom Investor anvisierten Änderung des Plans würde der Wert der Fläche allerdings massiv steigen. Im Zuge der Recherchen der OSTSEE-ZEITUNG ist die Anzeige mittlerweile gelöscht worden.

Anzeige

In der Stralsunder Politik herrscht seitdem große Unruhe. Grünen-Fraktionschef Jürgen Suhr sagt, es sei ein erstaunlicher Vorgang, dass das Areal im Internet angeboten wird, obwohl die Bürgerschaft noch gar nicht darüber entschieden hat. „Diese Fläche darf nicht Spekulationsobjekt werden“, sagt Suhr. Er fordert Aufklärung von Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU). Seine Partei wolle eine Anfrage auf der nächsten Sitzung der Bürgerschaft stellen. Peter van Slooten von der SPD spricht von einem „merkwürdigen Vorgang“. Er habe den Eindruck, von der Stadtverwaltung nicht vollumfänglich über alle Hintergründe des Projekts informiert zu werden. Der Vorsitzende des Bauausschusses, Hendrik Lastovka (CDU), sagt, dass Investor Muhsal ihm gegenüber stets betont habe, das Gelände selbst entwickeln zu wollen. Man müsse jetzt klären, wie die Anzeige ins Internet gekommen ist.

Genau zu der Frage gibt es zwei unterschiedliche Versionen – beide haben das Potenzial für einen Wirtschaftskrimi. Investor Fred Muhsal ist überzeugt, dass ihm jemand schwer schaden will, indem er ihn ins schlechte Licht des Spekulanten rückt. Er bestreitet, das Inserat ins Netz gestellt zu haben. „Wir möchten an dieser Stelle deutlich klarstellen, dass unsererseits kein solcher Auftrag zum Verkauf des Projektes an den Makler erteilt wurde“, sagt er. Er hat dem Makler, der die Anzeige veröffentlicht hat, eine Unterlassungsaufforderung zugesandt, die der OZ vorliegt. Darin fordert Muhsal dazu auf, keine weiteren Inserate zu schalten, andernfalls werde eine Strafe von mindestens 10 000 Euro fällig.

Die Naether Makler-Gesellschaft für Immobilien mit Sitz in Leipzig stellt den Sachverhalt anders dar. Chef Stefan Naether erklärte der OZ, von den Eigentümern des Grundstücks den Auftrag bekommen zu haben, nach Partnern für das Projekt zu suchen. Eine große Gesellschaft, die bereits Bauvorhaben an der Ostsee umgesetzt hat, habe schon Interesse bekundet. Davon, dass es noch gar kein Baurecht gibt, will Naether nichts gewusst haben. „Uns ist vom Eigentümer ganz klar signalisiert worden, dass da jetzt nichts mehr anbrennen kann“, sagt der Makler. Die sieben Millionen Euro seien zudem angesichts der hochwertigen Lage und dem Geld, das mit den geplanten Gebäuden dort verdient werden kann, ein realistischer Kaufpreis. Es sei auch nicht verwerflich, mit dem unvollendeten Projekt schon Kasse zu machen, schließlich sei ein hoher Betrag in die Planung geflossen. Nach OZ-Informationen hat Investor Fred Muhsal das Gelände 2014 für einen sechsstelligen Betrag von der Stralsunder Liegenschaftsentwicklungsgesellschaft erworben – der Preisunterschied wäre also erheblich.

Aufhorchen lassen allerdings einige Ungereimtheiten zwischen den Details in der Anzeige und in den im Bauausschuss vorgestellten Plänen. Während im Gremium von vier Baukörpern die Rede war, waren es in der Anzeige bereits sechs. Grünen-Politiker Jürgen Suhr wundert zudem, dass seitens der Stadtverwaltung noch im Juni keine Aussagen zum städtebaulichen Konzept möglich waren, jedoch wenige Wochen später im Immoweltexposé detaillierte Bauplanungen öffentlich vorgestellt werden.

Die Pressestelle der Hansestadt teilt zu dem Vorgang folgendes schriftlich mit: „Der Stadt ist über einen beabsichtigten Weiterverkauf nichts bekannt. Vielmehr hat sich der Investor sofort nach Bekanntwerden auf das Schärfste von dieser Annonce distanziert und den unberechtigten Annoncenschalter zur Abgabe einer mit strenger Vertragsstrafe bewehrten Unterlassungsverpflichtung aufgefordert.“ Welche Darstellung stimmt, ist derzeit völlig unklar.



Alexander Müller