Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Stralsund Jona-Schule: Musiklehrer mit Vorstrafe sorgt für Aufregung
Vorpommern Stralsund Jona-Schule: Musiklehrer mit Vorstrafe sorgt für Aufregung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 25.04.2018
Die Jona-Schule in Stralsund. Träger ist die Schulstiftung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland. Quelle: Foto: Christian Rödel
Anzeige
Stralsund

Diese Personalie ist Gesprächsstoff: An der Jona-Schule hat ein vor 24 Jahren verurteilter Straftäter Unterricht gegeben.

Seit Anfang dieses Schuljahres hatten die Schüler der Oberstufe Musikunterricht von ihm erhalten, im März wurde der Arbeitsvertrag jedoch wieder aufgehoben. „Alle, die in unseren Schulen arbeiten, egal ob ehrenamtlich oder angestellt, müssen uns ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen“, erklärt Mathias Fischer, Vorstandsmitglied der Schulstiftung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland, Träger der christlichen Gemeinschaftsschule. Auch im Fall des Verurteilten sei das so gewesen, und an diesem Zeugnis habe es nichts zu beanstanden gegeben. „Darauf haben wir uns verlassen“, führt Mathias Fischer weiter aus und ergänzt, dass niemand von der Vorgeschichte des Mannes wusste.

Anzeige

Tatsächlich werden Straftaten, die ins Bundeszentralregister eingetragen sind, nach einer bestimmten Frist aus Führungszeugnissen gelöscht. Auch wenn es sich, wie in diesem Fall, um Totschlag handelt. Den einstigen Straftätern soll die Möglichkeit gegeben werden, dass ihnen bei der Bewerbung um einen Job möglichst vorurteilsfrei begegnet wird.

Der Musiklehrer, der einst Kirchenmusiker war, hatte im Jahr 1994 seine Frau erschlagen und zunächst als vermisst gemeldet. Die Polizei war ihm damals schnell auf die Schliche gekommen, hatte die Leiche der Frau auf dem Grundstück gefunden. Der heute 56-Jährige wurde wegen Totschlags zu einer Haftstrafe von acht Jahren verurteilt. Bei einem Freigang im Jahr 2001 floh er und tauchte zunächst in Brasilien unter. Dort konnte ihn Interpol schließlich wieder fassen.

Im März dieses Jahres habe es einen Hinweis gegeben, „dass der Mann nicht für den Schuldienst geeignet ist“, erklärt Mathias Fischer. „Wir haben dann das direkte Gespräch mit ihm gesucht und uns entschieden, das Arbeitsverhältnis zu beenden.“ Zu den Gründen will sich die Schulstiftung, die für die Einstellung des Lehrpersonals verantwortlich ist, nicht äußern. „Wir haben Stillschweigen vereinbart.“

Auch wenn hinter den Kulissen viel über dieses Thema geredet und spekuliert wird, sollen direkte Fragen an die Schulleitung seitens der Eltern ausgeblieben sein, wie Schulleiter Ingo Schwabe erklärt.

„Wir haben alle Gremien der Schule über die Aufhebung des Arbeitsverhältnisses informiert“, so Schwabe. Das bestätigt der Vorsitzende des Schulelternrates, Marco Muttray. „Wären Eltern an uns herangetreten, hätten wir sie weiter an die Schulleitung verwiesen“, sagt Muttray. Doch es habe keine konkreten Eltern-Anfragen gegeben. Zumal es beim Unterricht einen reibungslosen Übergang gegeben habe. „Wir haben ausreichend Lehrkräfte, die die Stunden auffangen konnten“, sagt Ingo Schwabe.

In der Gerüchte-Küche brodelt es trotz allem. „Ich halte unsere Schüler dazu an, sich nicht an den Spekulationen zu beteiligen, sondern alles zu hinterfragen“, so Schwabe. Besonders als christliche Schule habe man den Anspruch, nicht als Verurteilender aufzutreten. „Wir sind angehalten zu trennen zwischen dem, was war und so, wie wir den Menschen jetzt erleben. Wir dürfen nicht über das Vergangene urteilen.“ Am Ende bleibt die Aussage, dass nicht die Verurteilung wegen Totschlags ausschlaggebend für die Beendigung des Arbeitsverhältnisses gewesen sei. Über andere mögliche Gründe herrscht Stillschweigen.

Miriam Weber