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Stralsund Jugendnotdienst in Stralsund wieder eröffnet
Vorpommern Stralsund Jugendnotdienst in Stralsund wieder eröffnet
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05:27 03.08.2019
Die Sozialpädagogen May Wilde (l.) und Dominique Krohn hatten am Eröffnungstag Frühdienst. Sie freuen sich auf den Neustart des Jugendnotdienstes in der Naumann-Straße. Quelle: Ines Sommer
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Stralsund

Stress mit den Eltern, häusliche Gewalt, Vernachlässigung – wenn Mädchen und Jungen das passiert, schreitet das Jugendamt ein, nimmt die Kinder aus der Familie und gibt sie in die Obhut des Jugendnotdienstes. Der befindet sich seit 1. August mit sieben Plätzen wieder in der Friedrich-Naumann-Straße in Trägerschaft des Internationalen Bundes (IB). Und der geht mit neuem Konzept an die Aufgabe.

Nötig und möglich wurde das, weil die bisherige Einrichtung am 26. April wegen akuten Personalmangels schließen musste (die OZ berichtete). Von den sechs Erziehern und Sozialpädagogen, die dort bis zu zehn Kinder- und Jugendliche betreuten, waren damals vier langzeitkrank. IB-Regionalleiter Martin Pollmann zog die Notbremse und meldete das Angebot ab – jedoch nicht ohne Zusage, dass es im Sommer mit neuem Konzept weitergehen soll.

Schon Monate zuvor hatten sich freie Träger und Jugendamt nach Vorschlag des IB darauf verständigt, die schnellen Hilfsangebote für Kinder und Jugendliche in Not künftig räumlich und inhaltlich zu trennen. Nach einem Interessenbekundungsverfahren stand fest: Der Verbund für Soziale Projekte (VSP) betreut die Kinder von 0 bis 13 Jahren, um die Großen kümmert sich weiterhin der IB.

Mit der Trennung beider Bereiche sei man Vorreiter im Land, allerdings seit die separate Betreuung in anderen Bundesländern längst Alltag, sagte Patricia Hartmann, stellvertretende Leiterin des Fachdienstes Sozialpädagogischer Dienst im Jugendamt Vorpommern-Rügen, kürzlich der OZ.

Wie die OZ bereits berichtete, hat der VSP den Kindernotdienst in Stralsund in der Alten Richtenberger Straße 60 (ehemaliges Landwarenhaus) am 1. Juli eröffnet. Sieben Erzieher und Pädagogen können bis zu fünf Mädchen und Jungen umsorgen, dafür stehen in der umgebauten Einrichtung vier Zimmer in einer großzügigen Wohneinheit zur Verfügung.

Der neue Jugendnotdienst des Internationalen Bundes befindet sich in der Friedrich-Naumann-Straße in Stralsund. Quelle: ib

Seit 1. August steht nun auch das Angebot für Jugendliche in Not beim IB. Der Träger hat nicht nur das Haus neu gestaltet und auf Einzelzimmer umgestellt. Auch inhaltlich ändert sich einiges. „Wir wollen die Jugendlichen nicht zuerst mit Regeln und Aufgaben erdrücken. Sie sollen Zeit haben, sich auf uns einzulassen. Man darf ja auch nicht vergessen, dass sie sich in einer emotionalen Ausnahmesituation befinden“, sagt Ines Littmann-Hinze, Leiterin der Einrichtung, im OZ-Gespräch.

Dass man sich jetzt mehr um jeden Einzelnen kümmern und sich ihm als Bezugsperson anbieten kann, hat aus ihrer Sicht einen ganz einfachen Grund: „Wir sind jetzt personell viel besser aufgestellt. Wir arbeiten immer zu zweit, haben den Schichtrhythmus anders organisiert. Das gibt viel mehr Spielraum, als wir ihn früher hatten“, sagt die Sozialpädagogin und erklärt, dass sich nun neun Vollzeit-Fachkräfte, also Erzieher und Sozialpädagogen, um sieben Jugendliche intensiv kümmern können. „Vorher waren wir sechs Leute für bis zu zehn Jugendliche. Hinzu kam das Problem, dass wir mehrere so genannte Systemsprenger zur gleichen Zeit hier hatten. Kein Wunder, dass von sechs Kollegen am Ende nur noch zwei Dienst machen konnten...“

Die Leiterin des Jugendnotdienstes ist froh, dass die Verhandlungen mit dem Jugendamt zu einem guten Ergebnis geführt haben. „Zwei erfahrene und sieben neue Kollegen gehen jetzt hochmotiviert an den Neustart und freuen sich auf die Arbeit mit den Jugendlichen.“

105 Jugendliche 2018 im Notdienst betreut

105 Mädchen und Jungen im Alter von drei bis 17 Jahren wurden 2018 im Kinder- und Jugendnotdienst des IB in der Friedrich-Naumann-Straße umsorgt. Das ist auf das gesamte Jahr gesehen eine Auslastung der zehn Plätze von 85 Prozent.

28 Tage blieben die Kinder und Jugendlichen in der Einrichtung, sieben von ihnen wurden hier über 100 Tage betreut. Leider oft Realität, obwohl eigentlich viel schneller weitere Hilfsangebote greifen sollen.

5 Prozent der in Obhut Genommenen sind so genannte Systemsprenger. „Das ist nicht viel, aber wir hatten die Situation, dass mehrere zur gleichen Zeit bei uns waren“, sagt Ines Littmann-Hinze. Die 48-Jährige leitet die Einrichtung.

50 Prozent der Betreuten wurde vom Jugendamt aus der Familie genommen, weil zu Hause die Situation eskaliert war, weil Probleme und Auseinandersetzungen aus dem Riuder liefen. 20 Prozent der Jugendlichen kamen aus anderen Einrichtungen in den Notdienst. 12 Prozent der in Obhut Genommenen wurden zu Hause stark körperlich oder seelisch vernachlässigt.

Selten sind jene Fälle, in denen die Teenager häusliche Gewalt oder sexuellen Missbrauch erleben mussten. Auch einen Fall von Obdachlosigkeit gab es im Notdienst 2018.

Ines Sommer

Die „Vorpommern“ ist einer der neun Traditionssegler, die zum Seglarträff im Hafen Halt machen. Der Greifswalder Gaffelschoner hat seinen Urspung in Stralsund.

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