Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Stralsund Kaffee, Kakao, Getreide und Lupine – bei Familie Rost kommt alles in den Röster
Vorpommern Stralsund Kaffee, Kakao, Getreide und Lupine – bei Familie Rost kommt alles in den Röster
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:14 10.10.2019
Unternehmerin Michelle Rost zeigt ihren Schatz – das goldgelbe Ur-Weizen-Korn, das nicht nur zu Kaffee, sondern bald auch zu Schnaps verarbeitet werden soll. Quelle: Ines Sommer
Anzeige
Nisdorf/Barth

Mit Lupino haben sie gerade erst den vorpommerschen Markt erobert, schon wird neben Getreide nun auch mit Ur-Weizen experimentiert. Es scheint, als macht Familie Rost aus allem Kaffee...

Mit Lupino fing alles an

Hinter Lupino versteckt sich ein Kaffee, den die Unternehmer Michelle und Marcel Rost aus Lupine herstellen. „Die Leute stehen drauf. Unser Lupino geht genauso gut wie der Kaffee aus Südamerika oder die koffeinfreie Variante aus Getreide“, sieht Michelle Rost die Verkaufsanteile relativ gleich verteilt.

Wer im Barther Mini-Laden Bio-Rösterei von Familie Rost vorbeischaut, kann zwischen vielen Kaffeesorten wählen. Quelle: Ines Sommer

Aber wer die Unternehmer kennt, weiß, dass das Ehepaar nie rastet. Da wurde bis ins Kleinste ausgetestet, welche Lupinensorte sich am besten eignet – zuerst mit dem Insel-Verein auf Rügen, nun im Öko-Betrieb „Alter Pfarrhof“ von Claudia Resthöft in Elmenhorst. „Es gibt über 3000 Subsorten, da muss man rausfinden, was am besten schmeckt, die Sorte muss aber auch überraschen und am Ende überzeugen, dazu braucht man eben auch das beste Saatgut“, so die 41-Jährige, die gemeinsam mit ihrem Mann Michael Rost (44) die Firma LandDelikat gründete.

Bildergalerie: Das Wachsen der Bio-Rösterei

Die Geschichte des Öko-Betriebes LandDelikat begann 2015 in Nisdorf, heute betreiben Michelle und Marcel Rost die Halle 17 in der Nelkenstraße 16 in Barth

Das war 2015, da wirbelten die beiden von ihrem kleinen Nisdorfer Häuschen aus, um die Kundenwünsche zu erfüllen. Geröstet wurde damals in einem mobilen Wagen. Gut ein Jahr später dann der Sprung in die eigene Rösterei, die im Barther Gewerbegebiet in einer alten Halle entstand. Ja, und jetzt wird da auch schon wieder umgebaut...

Ausbildung zum echten Kaffeeröster

Angefangen haben die Neu-Nisdorfer mit südamerikanischen, asiatischen oder afrikanischen Bohnen aus reinen Lagen, die in den guten alten Jute-Säcken nach Vorpommern geliefert werden, damit Familie Rost sie rösten kann. Und das will gelernt sein. Die Gastronomie-Assistentin und der Bäcker aus dem sächsischen Freiberg haben sich deshalb 2009 einen Ausbilder gesucht.

Das Lager der Bio-Rösterei ist gut gefüllt. Über zehn Tonnen Kaffee, Kakao und Getreide wurden letztes Jahr verarbeitet. Quelle: Ines Sommer

„Wir wollten Kaffeebauern werden und alles von der Pike auf lernen. Schließlich haben wir in Carlos, einem Mann aus Peru mit deutschen und italienischen Wurzeln, in Rostock das Handwerk gelernt, waren auch als Pflücker auf den Kaffeeplantagen in Peru. Das ist schon was anderes als so ein oberflächlicher Schnell-Kurs über zwei Tage“, findet Michelle Rost. Die 41-Jährige erklärt, was das Paar getrieben hat, noch mal etwas Neues zu versuchen. „Wir wollten was Bleibendes. Und deshalb haben wir uns bewusst gegen Kapitalismus mit Höchsterträgen und Geldscheffeln entschieden. Wir sind zufrieden, dass wir uns ernähren können, und das im Einklang mit der Natur. Das sehen wir als unseren Auftrag.“

Röstmaschine einzigartig in Europa

Was einst als kleines Projekt im Bundesprogramm „Land(auf)schwung“ begann, hat längst den Status einer Erfolgsgeschichte erreicht. Mittlerweile sind drei Mitarbeiter eingestellt worden. Allein 2018 verarbeitete die Firma Rost zehn Tonnen edler Rohstoffe. Kaffee, Kakao, Lupine und Getreidekörner kamen da in die Röstmaschine. „Diese Maschine ist in Europa einzigartig, weil sie alles rösten kann – in bester Qualität, und davon profitieren wir“, schwärmt die Unternehmerin.

Heimische Rohstoffe zu verarbeiten – an diesem Ziel arbeiten die Rosts ständig. Sozusagen um die Öko-Bilanz ausgeglichen zu gestalten. „Kakaobohnen müssen zwar immer noch exportiert werden, dafür setzen wir Getreide dagegen.“

Jetzt wird’s urig – mit Ur-Weizen

Und zwar nicht irgendein Getreide, sondern seit Neuestem Ur-Weizen. Das sei eine alte Sorte aus Ost-Preußen, nicht verändert, also kein Hybrid. „Der Halm wächst zwar hoch und die Ähre ist klein, was geringere Erträge bedeutet. Aber dafür fällt das Getreide nicht um, es ist standhaft und relativ wetterbeständig“, erklärt Michelle Rost die Entscheidung. Aber auch hier werde lange getestet und entwickelt, bis alle Sinne zufrieden gestellt sind. Verpackung und Etikett sind dann nur noch kleinere Hürden, so die gebürtige Sächsin.

Michelle und Marcel Rost präsentieren stolz ihre in Europa einzigartige Röstmaschine, mit der Getreide, Kaffee, Lupine und Kakao geröstet werden kann. Quelle: Ines Sommer

Der erste Getreide-Kaffee steht als Gelber Luteus in zwei Varianten im Laden der Barther Rösterei. Goldblumen-Weizen von Rügen wurde dafür verarbeitet. Nun geht es ans Zaubern mit Ur-Weizen. Sogar für Bierbrauer ist das Ur-Getreide interessant, gerade wenn es um Kraftbiere geht. Das hat mir ein Brauer beim Testen hier selbst bestätigt“, erzählt Michelle Rost, wie ein Süddeutscher, der eigentlich eine Kaffee-Führung gebucht hatte, plötzlich Feuer und Flamme war für die Rost-Experimente.

Getreide bringt Vielseitigkeit auf den Tisch

„Es ist doch auch faszinierend, wie vielseitig Getreide ist. Du kannst mit dem Mehl kochen und backen, aber auch Reis und Müsli können aus den Körnern kreiert werden. Geflockt, gequetscht oder gemahlen – alles ist möglich“, kommt Michelle Rost aus dem Schwärmen gar nicht raus und schiebt hinterher: „Wir wollen demnächst neben unseren Kaffee- und Röstführungen auch Veranstaltungen anbieten, in denen wir an einem Büfett mal zeigen, was man alles mit dem Ur-Getreide machen kann. Und das wächst bei uns.“

Und noch etwas haben sich die Rosts auf die Fahnen geschrieben: Sie wollen aus ihrem Ur-Getreide auch einen richtig guten Korn machen lassen. Die Partner dafür sind bereits gefunden. „Wir können es kaum erwarten, den ersten Schluck zu probieren...“

Mehr zum Thema lesen Sie hier:

Genießen in der Alten Gärtnerei

Lupinen-Experimente in der Laborküche

Genießen in der Alten Gärtnerei

Mehr zur Autorin: Ines Sommer 

Von Ines Sommer

Stralsund Angetrunken und mit Drogen unterwegs 17-Jähriger greift Stralsunder Polizisten an

Bei einer Überprüfung seiner Personalien wurde der Jugendliche aggressiv. Auf der Wache rastete er erneut aus. Nun wird aus drei Gründen gegen ihn ermittelt.

10.10.2019

Der Stralsunder Andreas Tanschus ist bereits seit 1991 in leitender Position für das Deutsche Meeresmuseum aktiv. Sein größtes Projekt ist das Ozeaneum. Dieses beschäftigt den Direktor bis heute.

10.10.2019

25 Kunden in Barhöft (Vorpommern-Rügen) hatte keine Verbindung ins Netz. Ursache war ein durchtrenntes Kabel, das bei Bohrungen in der Prohner Straße in Stralsund beschädigt wurde. Der Schaden ist inzwischen wieder behoben.

10.10.2019